Tatort-Start Miroslav Nemec : Ermittler in eigener Sache

Miroslav Nemec

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„Kroatisches Roulette“: Tatort-Star Miroslav Nemec versucht sich erneut als Krimiautor.

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30. Oktober 2018, 20:00 Uhr

Das Opfer, später Hauptverdächtiger, heißt wie sein Autor. Das scheint verwirrend, ist aber auch ein Rollenspiel, ein bisschen wie Theater-auf-dem Theater: „Ja“, bestätigt Miroslav Nemec, dass er für seine Krimis auch aus dem eigenen Leben und den eigenen Erfahrungen schöpft. „Als Ich-Erzähler will ich wahre Begebenheiten und Emotionen mit einer fiktiven Geschichte verbinden. Mich selbst auf den Arm nehmen und zugleich Distanz schaffen, sodass der Miroslav Nemec im Buch fast zu einer Kunstfigur wird.“

Im Krimi „Kroatisches Roulette“ wird der „Kommissardarsteller“, wie er sich dort selbst nennt, zum Ermittler in eigener Sache. Bei einer „Fake-Vergewaltigung“ fotografiert, fürchtet er, erpresst zu werden, doch erst mal passiert nichts.

Also geht er auf Spurensuche nach der Frau und einem „Matschblonden“, den er offenbar tötet, in Zagreb, wo Nemec 1954 geboren wurde. Als „Hitzkopf, der als Jugendlicher keiner Klopperei aus dem Weg ging“, beschreibt er sich und seine Kunstfigur in seinem zweiten Krimi. „Das ist ein schönes Spiel mit mir selbst“, erzählt der Mime, „und ich kann meine Kindheit und den Ex-Jugo-Krieg verarbeiten, was passiert ist und wie es sich auswirkt, ohne dass es ein Traktat wird.“ Aber auch die unmittelbare Realität spielt herein, vor allem bei den Ängsten seiner Krimifigur, die falschen Fotos der sogenannten Vergewaltigung könnten seine Karriere beenden: „Denken Sie nur an Strauss-Kahn oder Jörg Kachelmann.“

Dabei ist ihm wichtig, dass realistisch bleibt, was er schreibt: „Ich überprüfe die Situationen und ob die Umgebung stimmt.“

Und die Anregungen zu seinen Plots nimmt er durchaus auch aus seinem Schauspieler-Leben. So beginnt sein erster Krimi, „Die Toten von der Falkneralm“, mit einer ihm vertrauten Situation. Eine Krimilesung und gutes Essen in einem schönen Berghotel sind geplant, doch dann gibt es eine rätselhafte Mordserie. Und während für Ivo Batic und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) die Drehbuchschreiber die Lösung finden, muss der Nemec-Kommissar echte Leichen anfassen und das Rätsel lösen. „Da bin ich als ich, aber nicht deckungsgleich, es muss der Ich-Erzähler bleiben.“

Seine Bücher schreibt Miroslav Nemec trotz „Tatort“, in dem er seit 27 Jahren spielt: „Da bekomme ich gute Hinweise, denn jeder Satz muss stimmen, worüber ich gerade rede.“

Früher hat er nie Krimis gelesen, wenn seine Mutter (1991 holte er seine Eltern nach München) 60er-Jahre-Filme wie „Melissa“ schaute, „fand ich das scary“. Inzwischen liest er selbst Thriller: „Mit Henning Mankells „Die fünfte Frau“ habe ich angefangen, das ist super, auch Stig Larssons Trilogie.“ Selbst einen weiteren Krimi schreiben? „Warum nicht, wenn ich einen Einfall und einen guten Aufhänger habe, sonst fange ich nicht an.“

Erst mal aber dreht Miroslav Nemec im November einen weiteren „Tatort“, und im Dezember geht es mit Charles Dickens „Weihnachtsgeschichte“ und einem Streichquintett auf Lese-Tournee, bis zum 22. Dezember, zusammen mit Udo Wachtveitl. „Wir arbeiten gut zusammen, wohnen während der Dreharbeiten in einem Wohnmobil.“ Sind also Sie und Udo Wachtveitl unzertrennlich? „Nein“, lacht Miroslav Nemec, „eigentlich ganz und gar nicht.“

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