Ostern in der Kunst : Ergreifende Passionsgeschichte

Der Isenheimer Altar im Unterlinden-Museum im elsässischen Colmar
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Der Isenheimer Altar im Unterlinden-Museum im elsässischen Colmar

Ostern ist der höchste christliche Feiertag – Jesu Tod und Auferstehung wurde in der Kunst sehr vielfältig dargestellt

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26. März 2016, 16:00 Uhr

In den 40 Tagen von Aschermittwoch bis Ostern erinnern Christen an den Leidensweg Christi, wie er in den Evangelien dargestellt ist. Seit Menschen daran glauben, dass Jesus mit seinem Tod am Kreuz seinen göttlichen Erlösungsauftrag auf Erden erfüllt hat, wird diese Passionsgeschichte auch in der Kunst dargestellt – im Lauf der Jahrhunderte auf höchst unterschiedliche Weise.

Bildende Kunst:

Passionsdarstellungen bestimmen von der Spätgotik an vor allem in Deutschland die Malerei. Die Leidensgeschichte wird als Bilderzyklus dargestellt, als Abfolge dramatischer Szenen. Albrecht Dürer, Lucas Cranach oder Martin Schongauer zeigen Jesus in Grafiken mit übersteigertem und vermenschlichtem Leidensdruck. In vielen Kirchen gibt es entsprechende Fresken, Fenster oder Wandelaltäre. Auf den Außenflügeln ist die Passion, innen oft der jugendliche Jesus zu sehen. Der 1513/15 entstandene „Isenheimer Altar“ von Matthias Grünewald gilt als eine der ergreifendsten Passions-Darstellungen.

Musik:

In der Kirchenmusik gelten die Karfreitag 1724 uraufgeführte „Johannes-Passion“ und die „Matthäus-Passion“ von 1729 als Höhepunkte. Johann Sebastian Bach hatte für seine heute meist als Konzertmusik aufgeführten Werke ursprünglich auch Gesangssolisten und Chor vorgesehen. In der Rock-Musik nahm sich unter anderem das Musical „Jesus Christ Superstar“ von Andrew Lloyd Webber der Thematik an. Gegen den Widerstand christlicher Gruppen wurde die moderne Adaption der Passion von 1971 zu einem Welterfolg.

Tanz:

In einer Choreografie von John Neumeier („Ich bin Christ und Tänzer“) präsentierte das Hamburg Ballett 1981 die Uraufführung von Bachs „Matthäus-Passion“. Im Jahr zuvor waren bereits Neumeiers „Skizzen zur Matthäus-Passion“ in der Hamburger Michaeliskirche zu sehen.

Bühne:

Aus der Tradition mimischer Darstellungen während der Karfreitags-Gottesdienste haben sich Passionsspiele entwickelt, die in katholisch geprägten Regionen bis heute aufgeführt werden. Die Bekanntesten werden im bayerischen Oberammergau gezeigt. Nach langem Leiden im Dreißigjährigen Krieg und Sterben an der Pest gelobten die Oberammergauer 1633, alle zehn Jahre das „Spiel vom Leiden, Sterben und Auferstehen unseres Herrn Jesus Christus“ aufzuführen. 2010 organisierte die Gemeinde das Spiel zum 41. Mal. Mehr als 2000 Mitwirkende - fast die Hälfte der Bewohner Oberammergaus – brachten in einer fünfstündigen Aufführung die Passion auf die traditionsreiche Freilichtbühne.

Literatur:

Neben vielen theologischen Werken über die Passion fanden Leben und Leiden Christi besonders in jüngerer Zeit auch Eingang in die Belletristik. In Max Brods Roman „Der Meister“ (1952) steht das Leben im Jerusalem unter römischer Herrschaft im Vordergrund. Der Ire Colm Tóibín erzählt in seinem 2014 erschienen Roman „Marias Testament“ die Passionsgeschichte aus der Sicht Marias. Sie erinnert sich als alte Frau, dass Jesus grausam hingerichtet wurde, glaubt aber nicht, die Mutter Gottes zu sein.

Film:

Andere Romane über die Passion wurden erst durch Verfilmungen weltbekannt. So basiert William Wylers Hollywoodklassiker „Ben Hur“ (1959) auf dem 1880 erschienen Roman „Ben-Hur: A Tale of the Christ“ des US-Generals Lew Wallace. „Die letzte Versuchung“ von Nikos Kazantzakis wurde von der katholischen Kirche auf den Index gesetzt und 1988 von Martin Scorsese – ebenso umstritten – als „Die letze Versuchung Christi“ ins Kino gebracht. Die Kritik an „Die Passion Christi“ von Mel Gibson von 2004 reichte vom Protest wegen ausufernder Gewaltszenen bis zum Vorwurf des Antisemitismus. Jüngster Jesus-Film ist der gerade angelaufene „Auferstanden“ von Regisseur Kevin Reynolds. Im Kontrast zum Genre steht der bitterböse britische Humor der Komikergruppe Monty Python mit „Das Leben des Brian“ (Regie: Terry Jones) von 1979. Religiöse Gruppen liefen Sturm gegen den Film, mehrere Länder verhängten Aufführungsverbote. Wo er in die Kinos kam, sahen die Zuschauer Brian als Jesus-Stellvertreter wider Willen am Kreuz fröhlich singen und pfeifen: „Always Look on the Bright Side of Life“

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