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Nachruf : Er gab den Märchen ein Gesicht

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Buchgestalter und Grafiker Werner Schinko im Alter von 86 Jahren gestorben

Dornröschen, „Vom Fischer und sin Fru“, Eulen oder Kraniche – die Märchen- und Tierzeichnungen von Werner Schinko kannte im Osten Deutschlands wohl jeder. Nun ist der später auch bundesweit bekannt gewordene Grafiker und Buchgestalter gestorben.

Wie der Berliner Aufbau-Verlag mitteilte, starb der Künstler aus Röbel (Kreis Mecklenburgische Seenplatte) in der Nacht zu Dienstag im Alter von 86 Jahren. Nach Angaben seiner Familie hatte sich Schinkos Gesundheit in den letzten Tagen verschlechtert. Der Ehrenbürger Röbels soll in der Kleinstadt beigesetzt werden.

Künstlerkollegen und Betrachter schätzten an dem quirligen Mann, der noch bis ins hohe Alter hinein malte, vorrangig seine Gabe, die Zweideutigkeiten des Lebens im Zeichnen aufzuspüren. Bekannt machten ihn vor allem die unzähligen Illustrationen in Kinder- und Jugendbüchern sowie für Werke des niederdeutschen Schriftstellers Fritz Reuter (1810-1874).

Seine letzte Ausstellung galt noch 2015 in Waren der Künstlerkolonie Worpswede bei Bremen. Der Aufbau-Verlag würdigte Schinko als „einen der bekanntesten Buchgestalter und Grafiker der DDR.“

Werner Schinko wurde 1929 im böhmischen Wurzelsdorf geboren. Er wuchs in einem katholischen Elternhaus auf und lernte den Beruf eines Glasmalers. Nach dem Krieg musste er wie viele Sudetendeutsche die Heimat verlassen. Das Schicksal verschlug ihn 1946 nach Röbel. Danach studierte er bis 1955 an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee.

Populär machten ihn auch mehr als 300 Titelbilder für die Lehrer-Zeitschrift „Die Unterstufe“, die 37 Jahre lang aus Röbel kamen.

In der DDR weigerte sich Schinko erfolgreich, Mitglied der SED zu werden und widerstand auch Anwerbeversuchen der Staatssicherheit. „Schinko war ein toller Mensch, der immer für andere da war und der bedeutendste Reuter-Illustrator“, erklärte gestern der Präsident der Fritz-Reuter-Gesellschaft Jürgen Grote. Im März hatte er den Künstler noch einmal in seinem Atelier an den Wiesen in Röbel besucht.

Auf Grotes Initiative hin hatte die Reuter-Gesellschaft Schinko einen „Ehrenbrief“ zuerkannt, weil dieser es vor 1989 abgelehnt hatte, nach einem Treffen in Lüneburg der DDR-Staatssicherheit Informationen zu geben. Der Reuter-Gesellschaft habe sich Schinko immer zugehörig gefühlt. Wer hören wollte, was er am liebsten künstlerisch festgehalten habe, dem hatte Schinko erklärt: „Mecklenburg, die Leute, meine Viecher und die Landschaften.“ Davon künden unter anderem der letzte Band der „Bilder des Nordens“ und in Röbel auch eine Hauswand.

 

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erstellt am 07.Jul.2016 | 08:00 Uhr

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