Einheitsdenkmal in Berlin : Eine Wippe für das Glück

Computerentwurf des Einheitsdenkmals
Computerentwurf des Einheitsdenkmals

Kaum zu glauben: Mit dem Einheitsdenkmal in Berlin soll’s nun doch noch was werden. Baustopp ade

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04. Juni 2017, 15:00 Uhr

Nun also doch: Deutschland wird mit einem Denkmal in Berlin an den Fall der Mauer 1989 und die friedliche Wiedervereinigung erinnern. Unter dem Motto „Bürger in Bewegung“ soll vor dem rekonstruierten Berliner Schloss eine riesige begehbare Waage entstehen. Wenn sich genügend Menschen zu einer gemeinsamen Aktion zusammenfinden, neigt sie sich sacht zu der einen oder der anderen Seite.

Nach einem jahrelangen, beispiellosen Hin und Her hat sich der Bundestag in der Nacht zu gestern mit klarer Mehrheit zu dem Projekt bekannt. Es gehe um die Erinnerung an den „glücklichsten Moment“ der deutschen Geschichte, sagte der sächsische CDU-Abgeordnete Michael Kretschmer. „Es ist unsere Aufgabe, daran zu erinnern, dass es sich lohnt, für Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zu kämpfen.“

Die Vorgeschichte des Gedenkorts ist allerdings weniger glücklich. Schon 2007 hatte der Bundestag den Bau mit ähnlich großen Worten beschlossen. Ein Jahr später bekräftigte er die Entscheidung nochmals. Doch ein missglückter Wettbewerb, überraschend entdeckte Mosaike aus der Kaiserzeit und ein Völkchen seltener Wasserfledermäuse sorgten für immer neue Verzögerungen.

Im vergangenen Jahr zog dann der Haushaltsausschuss des Bundestags überraschend die Notbremse. Er stoppte das Projekt – angeblich, weil die Kosten von zehn auf 15 Millionen Euro gestiegen waren.

Jetzt also Kommando zurück: „Das Freiheits- und Einheitsdenkmal darf und wird nicht an der Finanzierung scheitern. Wir wollen bauen“, versicherte der Chemnitzer CDU-Abgeordnete Marco Wanderwitz in der nächtlichen Debatte.

Die Einweihung ist für den 30. Jahrestag des Mauerfalls am 9. November 2019 geplant. Auch die Grünen schlossen sich einem entsprechenden Antrag von Union und SPD an. Nur die Linken stimmten wegen des Standortes am früheren deutschen Nationaldenkmal mit Nein.

Was den neuerlichen Umschwung bewirkt hat, lässt sich im Nachhinein schwer sagen. In jedem Fall hatten sich viele Abgeordnete durch den handstreichartigen Alleingang der Haushälter im vergangenen Jahr düpiert gefühlt. Vor allem Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) bestand auf den bisherigen Plenarbeschlüssen. „Wer etwas anderes will, muss das neu beantragen“, sagte er in einer Anhörung.

Glücklich über die Entscheidung sind nun vor allem die Gestalter Milla & Partner aus Stuttgart, die einst den Wettbewerb gewonnen hatten. „Nach einem Jahr der Ungewissheit sind wir froh, das vor sieben Jahren begonnene und seit bald zwei Jahren baureife Werk nun umsetzen zu können“, erklärten Geschäftsführer Johannes Milla und Architekt Sebastian Letz.

Und die SPD-Abgeordnete Hiltrud Lotze sieht in dem Beschluss sogar ein „Signal für Leipzig“. Auch dort, in der Stadt der Montagsdemos, war der Anlauf zu einem Einheitsdenkmal zunächst missglückt, seit 2014 liegt das Projekt auf Eis. Für Berlin jedenfalls ist Lotze sicher: „Es ist genau das richtige Denkmal am richtigen Ort zur richtigen Zeit.“

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