Künstler Holger Biege : Eine Liebe und viele Lieder

Ankunft in Bad Kleinen: Holger Biege mit Familie auf dem Weg zur Geburtstagsparty
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Ankunft in Bad Kleinen: Holger Biege mit Familie auf dem Weg zur Geburtstagsparty

Holger Biege feierte seinen 65. Geburtstag im Kreise seiner Fans und Künstler-Kollegen

svz.de von
20. September 2017, 20:55 Uhr

Seit Jahren steht das Kirchgemeindezentrum Die Arche in Bad Kleinen am 19. September im Zeichen des Sängers und Songschreibers Holger Biege. So auch am Dienstag, als sich Fans aus ganz Deutschland im Beisein des Künstlers am Schweriner See versammelten, um das musikalische Werk des großen deutschen Popsängers und Komponisten zu feiern und zu würdigen.

„Holger Biege war in den 70er- und 80er-Jahren ein innovativer Neuerer und Künstler, der seiner Zeit weit voraus war“, kommentierte Christian Hentschel, Chefredakteur des Berliner „Schall“-Magazins, in einem Grußwort. Er sieht Holger Biege als wichtigen Inspirator und Vordenker für eine ganze Generation junger, deutsch singender Sängerinnen und Sänger, die US-amerikanischen Soul-Gesang mit anspruchsvollen deutschen Texten verknüpfen. Auch Jörg Stempel, letzter Amiga-Chef und gegenwärtig Verwalter des Back-Katalogs bei der Bertelsmann Music Group, sieht Biege als Wegbereiter des deutschsprachigen Soul-Pop, in seinem Einfluss dem von Xavier Naidoo ebenbürtig, wenn auch noch zu wenig gewürdigt.

Der nach einem Schlaganfall gelähmte Sänger reiste zu seiner Geburtstagsfeier mit seiner Frau Cordelia und seinen Kindern an. Musikerkollegin Tina Roger und die Band von Thomas Putensen hatten ein Geburtstagsprogramm mit Biege-Evergreens einstudiert, auch ehemalige Bandmitglieder waren gekommen, um für ihn zu spielen. Rechtsanwalt Joachim Behl, einer der Mitorganisatoren, las ein Kapitel aus seinem Buch „Der Ruf des Toten Pfarrers“, in dem ein Biege-Song eine nicht unwichtige Rolle spielt. Biege, der ab Mitte der 70er-Jahre durch mehrere Hits und zwei Amiga-Langspielplatten in der DDR zum Star wurde, hatte 1983 eine Gastspielreise genutzt und war mit seiner Familie im Westen geblieben. Seit er im Jahr 2012 einen Schlaganfall erlitt, ist er auf den Rollstuhl angewiesen. Seine einzigartige Stimme ist seitdem verstummt.

Am 19. September 1952 in Greifswald geboren, absolvierte Holger Biege an der Musikschule Berlin-Friedrichshain eine Klavier- und Gesangsausbildung. Ab 1975 war er Lead-Sänger in der „Schubert-Formation“, startete ab 1976 eine Solokarriere. Erste eigene Aufnahmen veröffentlichte Amiga auf der Single „Will alles wagen“. Bis zum Jahr 1980 begleitete sich Biege selbst am Piano, dann gründete er eine eigene Band. Mit „Sonnenmeer“ wurde 1982 die letzte Single in der DDR veröffentlicht. Biege ließ sich nach seiner Ausreise mit seiner Familie in der Nähe von Hamburg nieder, arbeitete als Arrangeur und Experte für Musikverlage. Sein drittes Album „Das eigene Gesicht“ wurde 1984 von der Polydor veröffentlicht, erhielt jedoch wenig Resonanz. Größere Erfolge als Sänger erlebte Holger Biege erneut nach dem Fall der Mauer im Osten Deutschlands, wo er Comeback-Konzerte gab. In Bad Kleinen konnte Biege im Jahr 2001 an fünf Abenden den Saal ausverkaufen. Der Anfang einer engen Verbindung zum Kirchgemeindezentrum Die Arche in Bad Kleinen und Pastor Dirk Heske. Anlässlich des 65. Geburtstags erschien im NWM-Verlag Grevesmühlen das Biege-Liederbuch „Deine Liebe und mein Lied“. Verleger Ulf-Peter Schwarz ließ es sich nicht nehmen und gratulierte dem Künstler persönlich und überreichte ihm ein selbstgemaltes Öl-Porträt und eine von den angereisten Künstlern und Fans signierte Erinnerungstafel.

Das musikalische Programm war auch diesmal reich an Höhepunkten. Neben den Beiträgen der Erfurter Rock-Sängerin und Musik-Dozentin Tina Rogers, die eine anrührende Version von Bieges „Reichtum dieser Welt“ zum Vortrag brachte, stach der Gesangsbeitrag des erst 25-jährigen Studenten Sebastian Behl hervor, der mit „Robinson“ einen Biege-Hit aus dem Jahr 1979 coverte. Auch wenn Holger Biege sich nicht am Gesang beteiligen konnte, verfolgte er die künstlerischen Darbietungen mit großem Vergnügen und viel Respekt. Einen Wunsch hatte er zum Schluss an die Veranstalter: „Wenn wir im kommenden Jahr uns hier wieder treffen sollten, spielt bitte auch einige meiner jüngeren Songs aus späteren Jahren. Denn da gibt es so einiges zu entdecken.“

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