Schlossfestspiele Schwerin - La Traviata : Ein Spiel mit den Kraftpunkten

Die Bühnen- und Kostümbildnerin Romaine Fauchère mit dem Modell der Bühne für „La Traviata“
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Die Bühnen- und Kostümbildnerin Romaine Fauchère mit dem Modell der Bühne für „La Traviata“

Romaine Fauchère bringt französisches Flair in die italienische Oper.

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03. Juli 2015, 12:00 Uhr

Ihr Name, ihr charmanter Akzent, selbst ihr Parfum, das sie in einem kleinen Geschäft in Paris kauft, lassen vermuten, dass Romaine Fauchère Französin sei. Dabei stammt die Bühnen- und Kostümbildnerin, die sich auch als Malerin bereits einen Namen gemacht hat, aus der Schweiz. Um genau zu sein aus dem Kanton Wallis, in dem teils Französisch teils Schweizerisch gesprochen wird. Seit Mitte Mai ist sie wieder in Schwerin, denn seitdem ist ihr Einsatz beim Aufbau des Bühnenbildes und der Anfertigung der Kostüme für die „Traviata“ bis zum Tag der Premiere fast rund um die Uhr gefragt.

Vor zwei Jahren war Romaine Fauchère zum ersten Mal in der Landeshauptstadt, als sie für die Oper „Eugen Onegin“ im Großen Haus die Ausstattung übernommen hatte. Vergangenen Sommer hat sie bei „Nabucco“ zum ersten Mal für die Schlossfestspiele das Bühnenbild und die Kostüme gestaltet.

Nun ist es Verdis „La Traviata“, die mit demselben künstlerischen Team auf die Bühne unter freiem Himmel gebracht wird. „Für mich ist das eine ganz wunderbare Arbeit, denn ich kenne den Ort, den Alten Garten, bereits sehr gut. Die Architektur aus Schloss, Museum und Theater, die den Platz rahmt, ist monumental und faszinierend. Ich kenne die Kraftpunkte, die dieser Ort in sich birgt. Das ist sehr wichtig, denn die Arbeit draußen ist natürlich eine komplett andere als im geschützten Raum des Theaters“, erklärt die Schweizerin.

Außerdem ist die künstlerische Leitung mit dem Regisseur Georg Rootering, Generalmusikdirektor Daniel Huppert und Chordirektor Ulrich Barthel ein eingespieltes Team. In diesem Jahr wird es noch von dem Choreographen Julian Schilling unterstützt.

Das Bühnenbild, das Romaine Fauchère für die „Traviata“ entworfen habe, ist über viele Wochen öffentlich auf dem Alten Garten zu sehen, auch für Menschen, die nicht die Vorstellung besuchen. „Klar, es ist Teil der Inszenierung, so wie auch die Kostüme, aber es soll auch denen ‚gehören‘, die tagsüber daran vorbeigehen. Und mir ist es wichtig, dass sie es als positive Begegnung mitnehmen.“

Die Bühne für „Nabucco“ im vergangenen Jahr war sehr monumental und geschlossen angelegt. Die „Traviata“ erzählt eine eher intime, private Geschichte, deswegen ist der Bühnenraum ein vollkommen anderer. Einerseits offener, mit dem Blick für die Zuschauer auf das Schloss. Aber zugleich werden mit den veränderbaren Elementen auf der Bühne kleine Räume für die nahen, vertrauten Szenen geschaffen.

Romaine Fauchère, die in Sion in den Bergen aufgewachsen ist und heute in Lausanne lebt, genießt es, im Norden zu sein: „Dieser weite Horizont hier in Mecklenburg tut unglaublich gut. Auch die Farben und das Licht sind außergewöhnlich. In der Schweiz ist alles sehr klar konturiert, die Farben und Formen heben sich stark gegeneinander ab. Hier ist die Landschaft viel weicher gezeichnet. Die Nuancen gehen ineinander über. Das ist fast ein bisschen wie in Italien, also ideal für eine Verdi-Oper. Auch, wenn die ‚Traviata‘ in Paris spielt!“

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