Hamburger Elbphilharmonie : Ein Puzzle mit 10 000 Teilen

Hellauf begeistert: Hamburgs Kultursenatorin Barbara Kisseler begutachtet die Weiße Haut in der Elbphilharmonie.
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Hellauf begeistert: Hamburgs Kultursenatorin Barbara Kisseler begutachtet die Weiße Haut in der Elbphilharmonie.

Auf der Baustelle der Hamburger Elbphilharmonie hat die Montage der Weißen Haut begonnen, die für optimalen Klang sorgen soll

svz.de von
13. Dezember 2013, 12:13 Uhr

Es ist ein 3D-Puzzle der ganz besonderen und ganz besonders diffizilen Art: Handwerker haben damit begonnen, im Großen Konzertsaal der Hamburger Elbphilharmonie etwa 10 000 Wand- und Deckenelemente zu montieren. Das Sammelsurium aus Gipsfaserplatten wird sich Stück für Stück zur so genannten Weißen Haut zusammenfügen, die für einen herausragenden Klang sorgen soll. Die Architekten und der Baukonzern Hochtief haben dem Senat schriftlich zugesichert, dass die Elbphilharmonie einer der zehn besten Konzertsäle in der Welt werden wird.

Erster Blick gestern in den unfertigen Großen Konzertsaal, der einmal 2200 Zuhörern Platz bieten wird: Noch fehlt die Weiße Haut, dafür ist das „Knochenskelett“ darunter sichtbar. Die Handwerker haben den gesamten Raum mit einem Netz aus filigranen Stahlträgern versehen. Auf diese glänzenden Spanten werden nun nach und nach die aus Naturgips und Altpapier gefertigten Wandteile verschraubt – was viel einfacher klingt, als es ist. Stefan Deußer vom Baukonzern Hochtief: „Jede einzelne Platte muss genau an den ihr zugewiesenen Platz.“ Denn: Nicht eines der 10 000 Puzzle-Teilchen gleicht dem anderen. Handwerker Bernhard Reisinger von der Spezialfirma Peuckert: „Damit wir uns zurechtfinden, ist auf jedem Element ein Barcode aufgedruckt, der zu der Nummerierung auf den Spanten passt.“ Das bayerische Unternehmen hat mit Computer-Fräsen die Oberflächen der Platten millimetergenau ausgeformt. Exakt so, wie es der japanische Aktustik-Designer Yasuhisa Toyota für ein optimales Klangergebnis vorgegeben hat. Denn die Weiße Haut ist keineswegs eben, sondern besteht aus einem Meer von insgesamt einer Million Mulden und Erhöhungen. Die Oberflächenstruktur soll den Schall der Musik optimal brechen, zurückwerfen und im Saal verteilen.

15,8 Millionen Euro soll allein die Weiße Haut kosten. Mehr als anderthalb Jahre werden Reisinger und seine Kollegen benötigen, um den gesamten Saal mit dem Wundermaterial auszukleiden.

Hamburgs Kultursenatorin Barbara Kisseler (parteilos) war beim Anblick der ersten fertigen Quadratmeter hellauf begeistert. „Ein bautechnisches Meisterwerk“ sei die Wandverkleidung, dem eine „sinnliche Qualität“ innewohne, die ihresgleichen suche, schwärmte sie auf der Baustelle.

Dabei – und das ist die eigentliche Überraschung des Tages – passt die Bezeichnung nicht wirklich. Denn die Weiße Haut ist – hellgrau. „Das ist die natürliche Farbe des Gipsmaterials, das wollten wir bewusst so lassen“, erklärt Ascan Mergenthaler. Irgendjemand habe den Begriff der Weißen Haut geprägt, und der habe sich längst verselbstständigt.

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