MOCAA : Ein Kunst-Mekka für Afrika: Zeitz Museum in Kapstadt

Ein historischer Getreidesilo bildet das Fundament des Zeitz Museum of Contemporary Art Africa in Kapstadt.
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Ein historischer Getreidesilo bildet das Fundament des Zeitz Museum of Contemporary Art Africa in Kapstadt.

Das erste Museum für moderne afrikanische Kunst in Afrika soll Kapstadt zum Kunst-Mekka machen. Ex-Puma-Chef Jochen Zeitz hat dafür seine private Sammlung gestiftet. Er will Kunstliebhaber aus aller Welt anziehen.

svz.de von
18. September 2017, 12:04 Uhr

Zweiundvierzig riesige Betonröhren ragen steil in den Himmel. Wie baut man daraus ein Museum? Dem britischen Stararchitekten Thomas Heatherwick ist es gelungen. Im südafrikanischen Kapstadt hat er ein historisches Getreidesilo in das erste Museum für moderne afrikanische Kunst verwandelt.

Teil des Mega-Projekts, das in einem Atemzug mit Londons Tate oder dem Guggenheim Bilbao genannt werden soll, ist auch der ehemalige Chef des Sportartikelherstellers Puma, Jochen Zeitz, der für das Museum seine private Kunstsammlung gestiftet hat. Am 22. September wird das Zeitz Museum of Contemporary Art Africa, kurz Zeitz MOCAA, erstmals seine Türen öffnen.

Rund 24 000 Besucher werden am Eröffnungswochenende erwartet, an dem Südafrika auch den Tag seines Kulturerbes feiert. Das könnte durchaus realistisch sein, denn die berühmte Einkaufs- und Vergnügungsmeile V&A Waterfront, auf deren Grundstück das Museum direkt am Atlantischen Ozean steht, zieht jährlich rund 24 Millionen Besucher an. Damit ist sie das meistbesuchte Urlaubsziel Afrikas - noch vor den Pyramiden in Ägypten.

Schon beim Eintreten in das Zeitz MOCAA soll Besuchern der Atem wegbleiben. Der Kern des Gebäudes ist ein 27 Meter hohes, kathedralartiges Atrium, dessen gläserne Decke gleichzeitig als Dachterrasse dient. «Das Museum brauchte ein Herzstück», sagt Heatherwick, der unter anderem durch die hydraulische Rolling Bridge in London Berühmtheit erlangte.

Heatherwick beschreibt den Umbau des fast hundert Jahre alten Silos, in dem einst Export-Mais gelagert wurde, als «eine der größten Herausforderungen meiner Karriere». Da es zwischen den Betonröhren keine Freiräume gegeben habe, habe sein Team das Gebäude buchstäblich aushöhlen müssen. Dabei sei so viel Geröll und Staub entstanden «wie in einer Kriegszone», so Heatherwick. «Und voller Vogeldreck war es auch», fügt er lachend hinzu. Auf dem Boden fand Heatherwick auch ein paar getrocknete Maiskörner. Eines davon scannte er und verwendete es als Schablone für die Konturen des schlicht aus Beton und Stahl gebauten Atriums.

Auch sonst hat der Architekt geschickt Überbleibsel des historischen Silos erhalten und in die neue, moderne Struktur integriert. Teile von Kornschächten ragen aus den Wänden. Auch die Tunnel im Untergeschoss, durch die der Mais befördert wurde, existieren noch. Vor dem Eingang des Museums liegen die Bahnschienen, auf denen das Getreide zum Hafen transportiert wurde.  «Wir wollten, dass die Seele des Silos erhalten bleibt», sagt Heatherwick.

Das für umgerechnet rund 32 Millionen Euro sanierte Zeitz MOCAA zieht sich über neun Stockwerke, von denen sieben Etagen der Öffentlichkeit zugänglich sind. Besucher können in zwei röhrenförmigen, gläsernen Fahrstühlen das Atrium hinauf bis ins Obergeschoss fahren oder über eine offene Wendeltreppe aufsteigen, die atemberaubende Blicke in das Foyer gewehrt.

In 80 Galerien werden Dauer- und Wanderausstellungen zu sehen sein. Eine Etage ist allein der Kunstbildung gewidmet. Dazu kommen ein Café mit Dachterrasse und ein Boutique-Hotel. Auch einen Etat für neue Ankäufe stellt Zeitz zur Verfügung. Dabei geht es dem 54-jährigen Geschäftsmann und Kunstsammler nicht darum, die Geschichte afrikanischer Kunst abzudecken, sondern die Aussage afrikanischer Künstler des 21. Jahrhunderts abzubilden.

«Wir wollen den zeitgenössischen Dialog mitgestalten - sozial, politisch, kulturell und umweltbezogen. Die Kunstwerke sollen eine klare, wichtige Aussage haben, die die Leute bewegt, jung oder alt», erklärt Zeitz. «Aus Afrika, für Afrika, von Afrika» laute daher das Motto des Zeitz MOCAA, denn zu lange sei der afrikanische Kunstmarkt von westlichen Eliten bestimmt worden.

Künstler aus allen Regionen Afrikas sowie der Diaspora sollen repräsentiert werden. Von vielen hat Zeitz vollständige Ausstellungen erworben. «Es handelt sich um eine politische Geste. Wir wollen ein Vermächtnis schaffen», erklärt Chef-Kurator Mark Coetzee, der ein Team von 35 Kuratoren leitet, die unterschiedliche Sichtweisen und kulturelle Vielfalt in das Museum einbringen sollen. «Wir wollen afrikanischen Künstlern ermöglichen, an ihrer eigenen Geschichte mitzuschreiben», so Coetzee.

Bei der Eröffnung werden Werke des Südafrikaners William Kentridge, einer der berühmtesten zeitgenössischen Künstler Afrikas, zu sehen sein, sowie von jungen Talenten wie Kudzanai Chiurai aus Simbabwe, EL Loko aus Togo, Mouna Karray aus Tunesien und Nandipha Mntambo aus Swasiland.

Bislang sei das Verständnis afrikanischer Kunst hauptsächlich von europäischen und amerikanischen Kunstkritikern und Sammlern definiert worden, sagt Mntambo, die in Südafrika Kunst studierte und deren Werke bereits auf Ausstellungen in New York, Paris, Frankfurt, Barcelona, Sydney und Tel Aviv zu sehen waren. Die Eröffnung des Zeitz MOCAA trage weiter dazu bei, afrikanischen Künstlern Autonomie zu verleihen, meint die 35-Jährige. «Langsam aber sicher ändert sich der Dialog. Wir können verstärkt unsere eigenen Werke definieren.»

Zeitz MOCAA

V&A Waterfront

Heatherwick Studio

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