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Musikbusiness : Ein kühl kalkuliertes Geschäft

vom
Aus der Onlineredaktion

Von wegen glamouröses Rockstar-Leben: Das Musik-Business ist knallhart – und die Verkäufe sind über die Jahre eingebrochen

svz.de von
erstellt am 21.Feb.2017 | 21:00 Uhr

Sündhaft teure Gitarren allein zum Zerschlagen auf der Bühne, Privatfuhrpark in der Villengarage, Titelfotos auf Musikmagazinen – der Traum vom Rockstarleben ist sicher noch lebendig. Aber wenn es ums Geldverdienen geht, müssen Musiker (und ihre Manager) heute umdenken, denn die Verkaufszahlen sind über die Jahre eingebrochen.

Musik machen und Musik verkaufen – was früher gereicht hat, ist heute nur noch die Basis für bekannte Künstler. Sponsoring, Markenpartnerschaften, Merchandising, Auftritte in Castingshows, Bücher-Deals – das alles sind Möglichkeiten, wieder an die Einnahmen aus glorreichen Zeiten heranzukommen, wie Professor Hubert Wandjo erklärt, Leiter des Bereichs Musik- und Kreativwirtschaft an der Popakademie Mannheim. Im Musikvideo tauchen die Lautsprecher der einen Marke auf, bei Konzerten die Turnschuhe der anderen. Alles schon früher da gewesen, nun intensiviert, sagt Wandjo. „Man geht da heute sehr gezielt ran.“ Erfolgsrapper Kollegah etwa verdient mit eigenem Fitnessprogramm und Modelinie. Nicht einfach Taschengeld nebenher, sagte er im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur zum Erscheinen seines jüngsten Albums im Dezember. „Alles, was ich mache, mache ich mit Leidenschaft.“ Werbung sei aber kaum dabei, betont Kollegah. „Ich möchte keine wandelnde Litfaßsäule sein.“ Denn Musik ist ein hochemotionales Thema. Wer offensichtlich nur auf Profit aus ist, kann Fans verschrecken. „Wenn es aber authentisch ist und zum Image passt, kann man sich da weit bewegen“, meint Experte Wandjo.

Prof. Hubert Wandjo

Prof. Hubert Wandjo

Foto: dpa

Vorgemacht hat es die US-amerikanische Rockband Kiss („I was made for loving you“). Eine kleine Auswahl von Kiss-Produkten über die Jahrzehnte hinweg: Flippermaschinen, Actionfiguren, Gitarren-Plektren, Kreuzfahrten, ein Wrestler, eine Profi-Footballmannschaft („LA Kiss“). „Wir haben tausende lizenzierte Produkte und sind stolz darauf“, sagte Bandchef und Bassist Gene Simmons im Sommer. Das ikonische Auftreten in exzentrischer Schminke habe dieses Marketing zum Teil erst möglich gemacht. „Lassen Sie uns doch ehrlich miteinander sein“, sagt Simmons. „Was wir machen, hieß nie Musik – nicht gestern, nicht heute, nicht morgen. Es hieß immer Musik-Business.“

Was ist der Grund für die Kommerzialisierung? Bekannte Musiker nehmen heute weniger durch ihre Kerntätigkeit ein: den Verkauf von Musik. Noch vor 15 Jahren war das der größte Batzen, wie Wandjo erklärt. Allein: Die Umsätze der Musikindustrie seien seitdem weltweit eingebrochen, in Deutschland um 45 Prozent. 1,58 Milliarden Euro setzte der deutsche Musikmarkt 2016 um, heißt es vom Bundesverband Musikindustrie – steigende Streaming-Einnahmen lassen hoffen, aber die goldenen Hochzeiten der CD liegen lange zurück. Eine weitere Lösung: mehr Live-Auftritte. „Mit einer gut laufenden Tournee verdient der Künstler grundsätzlich mehr als mit einer gut laufenden CD“, sagt der Experte. Der Großteil der Einnahmen gehe hier an den Musiker. Die Ticket-Preise seien gestiegen, Aufnahmen heute teils nur noch die Grundlage für Touren. Doch all den neuen Möglichkeiten zum Trotz: Um davon profitieren zu können, muss eine Band schon reichlich bekannt sein und sich eine starke Fan-Bindung erarbeitet haben, betont Wandjo. Und echter Erfolg ist nur den wenigsten vergönnt.

 

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