Ein Glücksfall für ein Museum

Birte Frenssen vom Pommerschen Landesmuseum in Greifswald  zeigt einen Brief des Malers Caspar David Friedrich aus dem Jahr 1816, der an seinen Bruder Christian Friedrich gerichtet ist.
Foto:
Birte Frenssen vom Pommerschen Landesmuseum in Greifswald zeigt einen Brief des Malers Caspar David Friedrich aus dem Jahr 1816, der an seinen Bruder Christian Friedrich gerichtet ist.

Das Pommersche Landesmuseum hat 54 Briefe von und an den romantischen Maler Caspar David Friedrich erworben

svz.de von
18. März 2014, 09:53 Uhr

Am 26. März 1818 schreibt der Romantiker Caspar David Friedrich an seinen in Greifswald lebenden Bruder Heinrich: „Du hast mir und meiner Frau durch die zugeschickten Heringe eine wahrhaft größte Freude gemacht. Meine Frau versteht ohne alle weitere Anweisung die Hering so gut zu Schnabeliren als wehre sie eine geborne Pommern nicht eine gebohrne Bommern.“

Aber Friedrich tauscht sich auch über „die höheren Dinge eines nächsten Lebens“ mit seinen Geschwistern aus. „Auferstehen! Auferstehen! Ewige vortdauer unsers unsterblichen Geistes! - Ich reiche Dir im Geiste meine Rechte, lieber Bruder, kniie nieder und bete zu dem der die Schicksale der Menschen lenket, und stehe getrößtet wieder auf“, schreibt er Trost spendend an seinen Bruder Heinrich, dessen Frau 1820 gestorben war.

Diese und 52 weitere Briefe von und an den in Greifswald geborenen Romantiker Friedrich (1774-1840) sind nun dorthin zurückgekehrt, wo sie bis 1963 verwahrt waren: in Friedrichs Geburtsstadt. Das Pommersche Landesmuseum erwarb die Sammlung Ende 2013 aus Privatbesitz. „Es ist ein unglaubliches Konvolut, ein großer Glücksfall für das Museum“, sagte die Vize-Direktorin des Museums und Friedrich-Forscherin Birte Frenssen gestern bei der Vorstellung der Sammlung. „Wir schauen in das private Leben von Caspar David Friedrich.“

Der Sohn eines Seifensieders ging nach seinem Studium an der Kunstakademie Kopenhagen nach Dresden, pflegte aber enge Beziehungen zu seinen norddeutschen Verwandten. Er reiste immer wieder in seine alte Heimat, wo er Motive wie die Kreidefelsen, die Klosterruine Eldena und Hafenansichten malte.

Die sehr persönlichen Briefe, die zwischen dem Maler und seinen Geschwistern von 1808 bis 1825 geschrieben wurden, sowie eine dazugehörende Erzählung des Dresdner Kupferstechers Friedrich Wizani hatten Nachfahren Friedrichs über mehr als ein Jahrhundert in dessen Greifswalder Geburtshaus aufbewahrt. Mit dem Tod einer Nachfahrin gingen die Schriftstücke dann an entfernte Verwandte nach Bützow.

Später wurden sie an einen Privatmann verkauft, der die Sammlung 2013 dem Museum anbot.

Die Briefe wurden bereits veröffentlicht, zuletzt von Herrmann Zschoche im Jahr 2005. Den Wert mindert das nicht, meint Frenssen. „Die Briefe sind ein ganz wichtiger Baustein für die Greifswalder Friedrich-Sammlung und Forschung.“ Das Landesmuseum verfügt über rund 80 Originale, darunter sieben Gemälde, eine Ölstudie, drei Aquarelle, zehn Sepia-Zeichnungen sowie 15 Feder- und 43 Bleistiftzeichnungen, Holzschnitte und Radierungen des Künstlers.

Die Kulturstiftung der Länder und die Hermann-Reemtsma-Stiftung finanzierten den Ankauf. Über den Preis wurde Stillschweigen vereinbart. Für Sebastian Giesen, Geschäftsführer der Reemtsma-Stiftung, tragen die Briefe auch dazu bei, den „Mythos Friedrich zu entmythologisieren“ - gerade wenn es um die alltäglichen Dinge des Lebens geht. In Friedrich sei so viel hineininterpretiert worden. Die Briefe böten einen ganz direkten Zugang zu dem Menschen Friedrich.

Kurz vor dem 240. Geburtstag des Malers am 4. September sollen die empfindlichen, aber gut erhaltenen Schriftstücke für eine Woche im Landesmuseum gezeigt werden.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen