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Deutschlandlied : Ein Ehrenhain für Fallersleben

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der Mecklenburger Freundeskreis hält das Andenken an den Schöpfer des Textes der deutschen Nationalhymne hoch

svz.de von
erstellt am 13.Apr.2016 | 12:00 Uhr

Wenn sich in diesem Jahr zum 175. Mal die Entstehung der deutschen Nationalhymne jährt, ist das für Mecklenburger ein besonderer Grund zum Feiern. Denn August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, der Schöpfer des „Deutschlandliedes“, dessen dritte Strophe wir heute als Nationalhymne singen, verbrachte einen wichtigen Teil seines Lebens hier im Nordosten.

Der Hoffmann von Fallersleben Freundeskreis Mecklenburg will das jetzt mehr ins öffentliche Bewusstsein rücken. Denn: „Auch wir sind Bestandteil der deutschen Geschichte, und auch wir haben demokratische Traditionen“, erklärt Jörg Haase, der in Langen Brütz bei Schwerin lebt und Mitglied des Freundeskreises ist. Dabei gehe es nicht um Geschichtsklitterung: Zum „Lied der Deutschen“ sei Hoffmann von Fallersleben durch die schroffen Felsen Helgolands inspiriert worden. Aber Kinderlieder wie „Alle Vögel sind schon da“, „Ein Männlein steht im Walde“, „Summ, summ, summ “ oder „Der Kuckuck und der Esel“ seien in Mecklenburg entstanden. Das allerdings würden nur die wenigsten Einheimischen wissen, bedauert Haase.

Der Germanist und Dichter Hoffmann von Fallersleben schrieb diese Kinderlieder, als er von 1844 bis 1849 in Holdorf bei Buchholz östlich des Schweriner Sees lebte. Preußen hatte ihm zuvor wegen seiner „politisch anstößigen Grundsätze und Tendenzen“ die Staatsbürgerschaft entzogen und ihn des Landes verwiesen. „Selbst Freunde wie die Gebrüder Grimm wiesen ihn damals ab, er irrte durch ganz Deutschland, bevor er schließlich bei dem Gutspächter Rudolf Müller in Holdorf Aufnahme fand“, erzählt Siegfried Hildebrandt aus Leezen, der sich ebenfalls im Hoffmann von Fallersleben Freundeskreis Mecklenburg engagiert. Der Gutspächter hätte gerade das gut gefunden, was den Unmut der preußischen Obrigkeit erregt hatte: Hoffmanns liberale Haltung und sein Eintreten für ein geeintes Deutschland. Müllers Gutsherr, der Jurist Samuel Schnelle, ebenfalls ein politischer Sympathisant Hoffmanns, verlieh diesem schließlich das Heimatrecht. Formell wurde der Dichter zwar als Kuhhirte angestellt, tatsächlich aber konnte er publizistisch arbeiten und Kontakte zu anderen Freigeistern pflegen, unter anderem zu Fritz Reuter. Auch politisch blieb Hoffmann von Fallersleben aktiv, zusammen mit Rudolf Müller formulierte er zum Beispiel im Vorfeld der 1848er Revolution 20 Forderungen des mecklenburgischen Volkes.

Das verdiene öffentliche Würdigung, finden die fünf rührigen Herren, die den Hoffmann von Fallersleben Freundeskreis Mecklenburg bilden. Dabei setzen sie sich auch gegen Kritiker zur Wehr, die ihnen Rückwärtsgewandtheit oder gar Revanchismus vorwerfen. „Es ist doch alles andere als rückwärtsgewandt, wenn man politisch Verfolgten Exil gewährt“, schlagen die literatur- und geschichtsinteressierten Herrn einen Bogen in die Gegenwart.

Wo einst Hoffmann von Fallersleben Aufnahme fand, auf dem Gutsgelände in Buchholz, will der Freundeskreis in Erinnerung an den Dichter einen Ehrenhain errichten. Er soll morgen eingeweiht werden – im Beisein von Mitgliedern der in Wolfsburg ansässigen Hoffmann-von-Fallersleben-Gesellschaft, die an jenem Wochenende auf einer Expedition den Spuren des Dichters in Mecklenburg folgen. Außerdem wird es zusammen mit der Stiftung Mecklenburg eine Vortragsreihe über wichtige Persönlichkeiten, die im Vorfeld der 1848er-Revolution in Mecklenburg wirkten, geben. Sie beginnt ebenfalls morgen um 14 Uhr im Schweriner Schleswig-Holstein-Haus.

Der Freundeskreis will zudem nach weiteren Spuren des Wirkens Hoffmann von Fallerslebens in Mecklenburg suchen. „Das Gutshaus in Buchholz existiert nicht mehr. Ich meine aber am Alter von vier im Quadrat stehenden Linden auf dem Friedhof einschätzen zu können, dass sich dort das Erbgrab des Gutsbesitzers Schnelle befindet“, erklärt Jörg Haase, der als Baumsachverständiger in ganz Deutschland unterwegs ist. In Kirchenarchiven hofft er, eine Bestätigung für seine Vermutungen zu finden.

 

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