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Bela B. : Ein Arzt mutiert zum Cowboy

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Für sein drittes Soloalbum wagt Ärzte-Drummer Bela B. einen Rock’n’Roll-Ausritt in den Wilden Westen

Das Wildwest-Gefühl des neuen Albums von Bela B. erkennt man bereits, bevor die erste Gitarrensaite erklingt. Auf der Rückseite des Covers steht ein schwarz gekleideter Cowboy neben der Songliste, mit Lederhandschuhen und einem kleinen silbernen Revolver an der Gürtelschnalle – ganz Wilder Westen. Und irgendwie ganz Bela B.

Der singende Schlagzeuger der Ärzte – sie nennen sich die „Beste Band der Welt“, sind aber zumindest eine der erfolgreichsten Punkrockgruppen in Deutschland – veröffentlicht mit der Platte „bye“ sein drittes Soloalbum. Neben dem Einsatz beim Dreierpack tüftelt der in Hamburg lebende Musiker mit dem bürgerlichen Namen Dirk Felsenheimer seit Jahren wie seine Ärzte-Kollegen an Seitenprojekten.

Wie bei den Solo-Vorgängern „Bingo“ und „Code B“ verwirklicht der vielleicht bekannteste Stehtrommler des Landes auf der neuen Platte seinen ganz eigenen Stil. Zwar ist diesmal nicht viel von seiner Affinität für Vampirgeschichten und das Horrorgenre zu spüren. Dafür schießt sich Bela B. umso mehr auf den Wilden Westen ein.

Der amerikanisch angehauchte Ausritt bietet eine Mischung aus Country, Rockabilly und Cowboy-Musik, manchmal fröhlich, manchmal melancholisch, teils trashig, mitunter sogar auf Englisch. Das Wort „Baby“ fällt häufig. Ganz im Stil des Genres schraubt Bela B. den üblichen Punkrock etwas runter. Statt verzerrten Gitarren müssen nun auch mal Mariachi-Trompeten herhalten. Immer wieder dudeln Surfgitarren-Solos durch die Lieder.

Für die 13 Songs holte sich Bela B. Unterstützung bei befreundeten Musikern. Er trommelte unter anderem die mittelfränkische Country-Band Smokestack Lightnin’ zusammen. Zur Ergänzung seiner tiefen Stimme holte er die Hamburger Sängerin Peta Devlin und Soul-Sängerin Lynda Key ins Boot.

Der einsame Cowboy singt Songs über Liebe, gestörte Beziehungen und Herzschmerz, in gewohnt einfachen, aber meist eingängigen Reimen.

Die Reise startet mit der schwungvollen Vorab-Single „Abserviert“ über die Vorteile des Schlussmachens. Im dazugehörigen Musikvideo reitet Felsenheimer in Lederkluft und mit weißem Cowboyhut durch einen Kuhstall.

Immer wieder scheint auf der neuen Platte der ironische Humor durch, den man auch von den Ärzten kennt. Im dritten Lied des Albums erzählt Bela B. zur schrammelnden Mandoline vom „Streichholzmann“, der sich in das Zündholzmädchen verguckt, aber aufpassen sollte, dass die Glut nicht erlischt.Und ausgerechnet in der vielleicht gefühlvollsten Nummer der Platte, der Ballade „Sentimental“, besingt Felsenheimer einen Spermafleck auf dem Rücksitz seines Wagens: „Ich seh’ ihn an, den Liebesfleck, er erzählt von Lust, Liebe und meiner Qual. Er ist mehr als das Stückchen Dreck, das er scheint. Er ist unser beider Denkmal.“

Heute kommt „bye“ auf den Markt. Im Mai sattelt Cowboy Felsenheimer dann auf zur Tour.


 

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erstellt am 04.Apr.2014 | 11:52 Uhr

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