Duell des Gewissens

von
15. Januar 2016, 17:23 Uhr

Klang ja zunächst wie ein schlechter Witz, gestern Abend. Und nach dem Geständnis von Jens Baumann (Karl Markovics), nicht Milchgesicht Tim Haffling (Sebastian Griegel), sondern er habe vor knapp zehn Jahren die junge Miriam umgebracht (Lola Dockhorn), schien doch klar: Der gehört doch in die Klapper.

Doch dann verriet Baumann Kriminalhauptkommissar Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) Details über das Opfer, die nur der Mörder wissen konnte. Und prompt saß Hanns in der Gewissensfalle. Denn er, der damals die Ermittlungen im Falle Miriam leitete, hatte seinerzeit offenbar etwas übersehen. Und jetzt, da Baumann um Vergebung und um späte Bestrafung geradezu bettelte, jetzt konnte Meuffels nicht einmal verhindern, dass der sich am Ende auch noch umbrachte. Was für ein Drama. Was für ein Duell! Alexander Buresch, Matthias Pacht (Buch) und Marco Kreuzpaintner (Regie) brachten mit ihrer Geschichte unseren Kripo-Wundertäter einmal mehr schwer ins Wanken. Brandt muss tatsächlich alle Register ziehen, um seinen strauchelnden „Hanns im Glück“, diesen scheuen Perfektionisten, über Wasser zu halten. Zumal er in Markovics einen absolut ebenbürtigen Gegenspieler hatte, der die heikelsten Gewissensfragen verkörperte: Wann wird aus Versagen Schuld? Wie weiterleben, wenn man einen tödlichen Fehler begangen hat?

Höchst spannende Fragen! Für den Mörder, wie für den Kriminalisten. Und genauso spannend sah und hörte sich dieser „Polizeiruf“ dann auch an. Ein kleines Meisterwerk. Maßgeschneidert für Brandt, veredelt durch Markovics, aufregend für uns Zuschauer.

Wer’s verpasst hat, ist selber Schuld. Vergebung kann es dafür aber nicht geben. Höchstens – in der ARD-Mediathek.

„Polizeiruf 110: Und vergib uns unsere Schuld“, gestern, ARD

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