„Borowski-Tatort“ : Duell auf Augenhöhe

Das Ermittlerteam Kommissar Borowski (Axel Milberg) und Sarah Brandt (Sibel  Kekilli)
Foto:
Das Ermittlerteam Kommissar Borowski (Axel Milberg) und Sarah Brandt (Sibel Kekilli)

svz.de von
30. Dezember 2013, 00:33 Uhr

Drehbuchautor Sascha Arango weiß genau, was wir Zuschauer sehen wollen: eine nicht alltägliche Geschichte, widersprüchliche Figuren, drapiert mit einer Portion Witz und einigen intellektuellen Pirouetten, auf dass wir den Sinn des Ganzen erst im zweiten oder dritten Anlauf kapieren. Von wegen Beine hoch, „Flens“-Pulle auf – die so generierten Überraschungen und Aha-Effekte fordern unsere ganze Aufmerksamkeit

Das war gestern Abend, bei Arangos fünftem „Borowski-Tatort“, nicht anders. Und weil der preisgekrönte Autor mit Andreas Kleinert auch noch einen preisgekrönten Regisseur gefunden hatte („Mein Vater“, „Nacht ohne Morgen“, „Polizeiruf: Kleine Frau“), war klar, dass uns ein aufregender Fernsehabend bevorstand.

Zumal es erneut galt, keinen Geringeren als den charismatischen Kieler Kommissar Klaus Borowski (Axel Milberg) auf Trab zu bringen. Der löst ja bekanntlich seine Fälle nie nach Schema F, sondern gern im Disput mit seinen Kollegen (Sibel Kekilli, Thomas Kügel). Und noch lieber im Clinch mit einem adäquaten Gegenspieler.

Doch was, wenn der Gegenspieler ein wahrer Engel ist? Eine Zauberfee wie Sabrina Dobisch gestern, die sich ihre heile Welt zusammlog und zurechtmordete, dass wir dafür sogar Sympathie empfinden konnten (betörend wie nie: Lavinia Wilson)? Da musste doch selbst ein Häretiker wie Borowski in die Knie gehen.

Und das tat er auch. Fast, zumindest. Denn nur, indem er Sabrina eine ihm verhasste Lüge auftischte, konnte er sie überführen. Zum Zungeschnalzen die Gartenszene mit dem Geständnis der Mörderin.

Eine atemberaubende Geschichte. Und ein Duell „Wahrheit gegen Lüge“, bei dem Milberg und Wilson auf absoluter Augenhöhe spielten. Wie der Rest der gefühlvoll eingesetzten Komparserie (u.a. Leslie Malton, Victoria Trauttmansdorff, Horst Janson, Bruno Cathomas).

Ein echter Arango, eben. Und ein echter Kleinert. Applaus, Applaus!



„Tatort – Borowski und der Engel“, gestern, ARD


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen