Weltausstellung Reformation : Die Welt kommt nach Wittenberg

Ein überdimensionales Kreuz ziert den Luthergarten in Lutherstadt Wittenberg. Die Parkanlage ist mit strahlenförmigen Baumreihen und einer symbolischen „Luther-Rose„ mit Kreuz angelegt.
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Ein überdimensionales Kreuz ziert den Luthergarten in Lutherstadt Wittenberg. Die Parkanlage ist mit strahlenförmigen Baumreihen und einer symbolischen „Luther-Rose" mit Kreuz angelegt.

In der Lutherstadt wurde die Weltausstellung Reformation eröffnet

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22. Mai 2017, 12:00 Uhr

Am Bahnhof steht eine dreißig Meter hohe Bibel, die schon von ferne die Besucher begrüßt. Am Schwanenteich im Stadtpark liegen Flüchtlingsboote aus dem Mittelmeer. Und überall in den Wallanlagen der sachsen-anhaltinischen Lutherstadt Wittenberg begrüßen Zelte und Pavillons von Kirchen und Hilfswerken die Besucher. Denn in der Stadt, in der Martin Luther 1517 seine 95 Thesen wider den Ablasshandel veröffentlichte, wurde am Samstag die erste „Weltausstellung Reformation“ eröffnet.

Womit zugleich die heiße Phase des Reformationsjahres 2017 begonnen hat. Nicht umsonst nannte die EKD-Reformationsbotschafterin Margot Käßmann die Weltausstellung im Eröffnungsgottesdienst das „Herzstück des Reformationssommers 2017“: „Menschen können für einen Tag kommen und miterleben, mitdiskutieren, mitdenken, was Reformation für die Menschen heute bedeutet – etwa mit Blick auf Spiritualität und Globalisierung oder mit Blick auf die Ökumene und den Dialog der Religionen oder hinsichtlich Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung.“ Auch manche Skurrilität findet sich in Wittenberg: So können die Besucher in einem Riesenrad eine Runde mit einem Seelsorger drehen, und „zwischen Himmel und Erde“ über die Sorgen und Nöte ihres Lebens sprechen.

Prominentester Besucher der Weltausstellung war an ihrem Eröffnungstag indes Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Die Reformation sei „ein europäisches, ein wirklich weltweites Ereignis“ gewesen, sagte das kirchlich hoch engagierte Staatsoberhaupt in einem Grußwort zur Eröffnung. Die Kraft der Reformation sei „nicht erschöpft, hochaktuell und geht uns alle an.“ Fraglich ist allerdings, ob das auch Andere so sehen: In der 48.000-Einwohner-Stadt Wittenberg gehört nur eine einstellige Prozentzahl der Einwohner einer christlichen Kirche an. Von der Reformation allerdings profitieren alle, sagte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Rainer Haseloff. So habe Sachsen-Anhalt rund 80 Millionen Euro investiert, um die Lutherstätten für das Jubiläum aufzuhübschen. Insgesamt erwarten die Veranstalter rund 500 000 Menschen zur Weltausstellung. Bislang allerdings wurden nur rund 1500 Dauerkarten und 3000 Gutscheine für Tageskarten für die Weltausstellung verkauft.

Und auch die Evangelische Nordkirche ist auf der Weltausstellung in Wittenberg vertreten: Insgesamt 32 Strandkörbe haben die Christen aus Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg und Schleswig-Holstein in Wittenberg aufgestellt. „Wer den ganzen Tag die Weltausstellung besucht, sehnt sich irgendwann auch nach Ruhe, und will einfach einmal das Treiben beobachten“, sagte die Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs. „Genau dafür steht der Strandkorb – für Entspannung, aber auch für einen Moment des Nachdenkens, und das Mitgenommen werden in eine neue Gedankenwelt.“

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