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Schwerin : Die Wahrheit des Moments

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Landesbibliothek zeigt „Fotografien aus sechs Jahrzehnten“ von Hans Pölkow.

Das vielleicht schönste Kompliment, das der Kulturjournalist und Fotograf Hans Pölkow je für seine Bilder erhalten hat, stammt von der damals schon 86-jährigen Schauspielerin Tilla Durieux. Sie schrieb ihm auf eines seiner Porträts, das er von ihr geschossen hatte: „Selten habe ich mir so gut gefallen.“ Jetzt sind in der Landesbibliothek Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin mehr als 100 seiner Schwarz-Weiß-Porträts von Künstlern von Rang und Namen zu sehen. Die beeindruckende Auswahl reicht von Claudio Abbado, Louis Armstrong, Leonard Bernstein und Paul Dessau über Charlotte E. Pauly und Otto Niemeyer-Holstein bis zu Peter Schreier und Swjatoslaw Richter. Wie hat er das geschafft?

Der 1935 in Rostock geborene Handwerkersohn – ursprünglich stammt die Familie der Pölkows seit Jahrhunderten aus Crivitz – begann nach dem Abitur 1954 in seiner Heimatstadt Kunstgeschichte und Theaterwissenschaften zu studieren sowie nebenbei Germanistik-Vorlesungen zu hören. Gleichzeitig begann er beim Rostocker „Demokrat“ journalistisch zu arbeiten. Nachdem sein damaliger Institutschef geflüchtet war, wechselte Pölkow 1958 an die Berliner Humboldt-Universität, um dort weiterzustudieren – ein Glücksfall für ihn und für die heutigen Betrachter seiner Bilder, stand ihm doch in der damals zunächst noch ungeteilten Hauptstadt und auch noch nach dem Mauerbau ein reiches kulturelles und künstlerisches Leben mit internationalem Flair zur Verfügung. „Zunächst hatten wir auch noch das stillschweigende Einverständnis, nach Westberlin fahren zu dürfen, um viele Galerien und andere Ereignisse zu erleben“, berichtet Hans Pölkow. Am allernächsten habe ihm jedoch stets die Kunst der Musik gestanden, die „allerinnerste Regionen“ anspricht. War es zunächst vor allem die Klassik, so habe er im Alter, seitdem er nicht mehr so gut hören könne, die Pop-Musik für sich entdeckt. So sind auch in der großen Schau mit „Fotografien aus sechs Jahrzehnten“ in der Schweriner Landesbibliothek Musiker ein Schwerpunkt seiner Porträtaufnahmen. Und die offenbaren eine bemerkenswerte Offenheit sowie Nähe zu den Fotografierten – den „Draht zum Gegenüber“. Als eines seiner Geheimnisse bezeichnet der nach vier Berliner Jahrzehnten seit 2002 wieder in Mecklenburg, in Sarmstorf bei Güstrow, lebende und arbeitende Foto-Künstler, die Art und Weise, wie er auf die Leute zugegangen sei und zugehe, dass sie ihn nicht nur als irgendeinen „Knips-Fritzen“ wahrnehmen, sondern als jemanden, der sich für sie als Menschen und für ihre Kunst interessiert.

Im Rückblick auf seine Berliner Zeit lobt Pölkow vor allem, dass man damals mehr Zeit gehabt hätte. Das Prinzip seiner Arbeit ist jedoch offenbar immer dasselbe geblieben: Ein gutes Porträt mache zunächst einmal aus, dass man die zu fotografierende Person durch ein vorangehendes Gespräch gewissermaßen geöffnet und in Stimmung gebracht habe. Dazu komme das Nutzen der Situation, vor allem des vorhandenen Lichts – das Wesenselement der Fotografie. In einem Einführungstext zur Ausstellung schreibt er: „Das Licht vermittelt nicht nur Äußerlichkeit, es ist vor allem auch Träger der emotionalen Qualität. Bei den hier gezeigten Fotos habe ich fast immer das gegebene Licht genutzt, auch Kerzen. … Manchmal genügten kleine Veränderungen des Standpunktes – sowohl des eigenen wie des zu Fotografierenden – um das Ergebnis zu optimieren. Das Ziel war immer, die innere Wahrheit zu ermitteln.“ Gleichsam die Wahrheit des Moments.

Wie Dr. Andreas Roloff, stellvertretender Bibliothekschef, am Donnerstag bei der Eröffnung der Ausstellung mitteilte, sei es gelungen, dank der „Mecklenburgica“, der Gesellschaft zur Förderung des Landesbibliothek, zehn Porträts Mecklenburger Persönlichkeiten anzukaufen, darunter die Bildhauerin Hertha von Guttenberg (1958), der Bildhauer Jo Jastram (1962) und der Komponist Hanning Schröder (1972). Auch diese Arbeiten sind jetzt in einer separaten Hängung zu sehen, bevor sie künftig in den Bestand der Bibliothek und zwar in deren Fotosammlung übergehen.



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