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Power Of Peace : Die Santanas ehren die Isleys

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Gerade erst ist Señor Santana 70 geworden - da erfüllt er sich einen Traum: Zusammen mit den legendären Isley Brothers und seiner Ehefrau Cindy bringt er ein Soul-Album heraus. Von seiner berühmten E-Gitarre ist immer noch genug zu hören, vom typischen Latin-Rock weniger.

svz.de von
erstellt am 02.Aug.2017 | 06:00 Uhr

Seit den seligen Woodstock-Zeiten verkörpert wohl kaum ein Künstler den Mythos von «Peace and Love», von Frieden und Liebe durch die magische Kraft der Rockmusik so sehr wie Carlos Santana.

Da passt es, dass der phänomenale Gitarrist kurz nach seinem 70. Geburtstag (20.7.) eine Platte veröffentlicht, die «Power Of Peace» heißt und von einem Friedenstauben-Cover geziert wird. Ein typisches Santana-Album, ein biederes Malen nach Zahlen gar, ist diese Platte damit aber keineswegs.

Denn Santana ordnet seine berühmten fließenden Soli auf der Elektrischen meist zwei Musikern unter, die zu den größten der US-Soulmusik gehören: Ronald und Ernie Isley, Mitglieder der in den 50er Jahren gegründeten, bereits 1992 in die «Rock and Roll Hall of Fame» aufgenommenen Isley Brothers. Das Ergebnis ist ein berührendes Werk, das Soul, Funk, Blues und Jazz über den von Santana quasi erfundenen Latin-Rock stellt. Vor allem ist «Power Of Peace» eine Hommage an einige der schönsten Songs der schwarzen Musik.

«Es wird unglaublich», hatte der US-Amerikaner mexikanischer Herkunft vor einem Jahr geschwärmt, als er im Zusammenhang mit seinem starken Back-to-the-roots-Album «Santana IV» von der Isleys-Kooperation erzählte. Nun kann man geteilter Meinung sein, ob die Welt weitere Cover-Versionen von «Gypsy Woman» (Curtis Mayfield), «Mercy Mercy Me» (Marvin Gaye), «Higher Ground» (Stevie Wonder) oder «What The World Needs Now» (Burt Bacharach) braucht. Denn zu verbessern sind diese Songs ja nicht. Fraglich auch, ob sie eine E-Gitarren-Infusion à la Santana nötig haben. 

Andererseits merkt man den Interpretationen - teilweise nah am Original - deutlich die ansteckende Begeisterung und Spielfreude aller Beteiligten an. Dazu gehört neben den beiden Isleys, ihren Ehefrauen Kandy und Tracy sowie Carlos Santana noch dessen Frau Cindy, eine der weltbesten Rock- und Jazz-Schlagzeugerinnen. Die 57-Jährige hat neben ihren Solo-Platten unter anderem mit Lenny Kravitz, Pharoah Sanders, Hugh Masekela und Cassandra Wilson gearbeitet. Cindy Blackman-Santana grundiert die 13 Tracks mit ihrem so kraftvollen wie sensiblen Spiel.

Und sie lieferte wohl auch die Inspiration für das Tribute-Album mit den Isleys. «Als Cindy und ich heirateten, war der erste Song, zu dem wir tanzten, «The Look of Love» mit Ronnie Isley als Sänger», erzählt Carlos Santana. «Wenn man hört, wie Ronnie Isley Lieder von Burt Bacharach singt, wie er jede Note herausmeißelt, dann denkt man: Mein Gott, wie kriegt jemand so etwas hin.» So fand auch eine Bacharach-Komposition den Weg auf «Power Of Peace» - und tatsächlich, sie klingt atemberaubend schön und virtuos in der Isleys/Santana-Fassung.

Ganz großes, fantastisch gesungenes Gefühlskino sind auch zwei vom Klavier geprägte jazzige Balladen: «God Bless The Child», berühmt in der Version von Billie Holiday, und «Let The Rain Fall On Me» von Leon Thomas aus dem Jahr 1969. Hier wird endgültig klar, warum «The Isley Brothers» auf dem Albumcover vor «Santana» steht. Es ehrt den Mann, der in seiner 50-jährigen Karriere als «Gitarrengott» 100 Millionen Tonträger verkauft haben soll, dass er hier ein Stück zurücktritt und zwei Männern das Rampenlicht überlässt, denen es nicht so oft vergönnt war wie ihm selbst.

«Ich bin ja auch ein schwarzer Mann», sagt der US-Latino Santana über das ehrenwerte Projekt mit den Isleys. «Zumindest insofern, dass ich vor langer, langer Zeit gelernt habe, mich mit afrikanischer Musik auszudrücken. Ich würde sogar sagen, dass die Zukunft der Musik auf diesem Planeten mit absoluter Sicherheit in Afrika liegt. Und das ist eine Sprache, die ich total liebe und verstehe.» Auf «Power Of Peace» kann man es hören.

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