Rezension : Die Nacht der letzten Chance

Vertraue mir: Julia Koschitz als Elena und Jürgen Vogel als Ex-Freund Marc
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Vertraue mir: Julia Koschitz als Elena und Jürgen Vogel als Ex-Freund Marc

Im ZDF-Thriller „Vertraue mir“ spielt Julia Koschitz eine Bankerin im beruflichen Abseits

svz.de von
06. Juni 2016, 08:00 Uhr

Elena versteht die Welt nicht mehr. Plötzlich ist die erfolgreiche Investmentbankerin ausgeschlossen von allen Meetings, ihre Memos verschwinden und ihr Chef Dr. Ahrends boykottiert sie. Offensichtlich will man sie loswerden.

In dem brisanten ZDF-Thriller „Vertraue mir“, der am heutigen Montag um 20.15 Uhr zu sehen ist, hat die junge Frau eine letzte Chance, sich zu wehren. Ihr Ex-Freund Marc verfügt als ehemaliger EDV-Chef des Bankhauses über internes Wissen. Marc will ihr helfen, obwohl er immer noch von ihrem Verhalten enttäuscht ist. In der Nacht dringen die beiden ins Bankhaus ein und durchforsten die Unterlagen. Sie finden Beweise für einen faulen Milliarden-Kredit. Elena soll als Sündenbock herhalten.

Was wie ein Coup im Bankenmilieu beginnt, entwickelt sich rasch zu einem hintergründigen Beziehungsdrama. Im Film geht es nicht um Finanzmanipulationen, sondern um Verrat, Liebe, Beziehungen, in denen keiner der Beteiligten die Kontrolle verlieren will.

John Karsten schrieb das Drehbuch, das auf einer Vorlage von Guy Meredith basiert. Premiere hatte der Thriller beim Deutschen FernsehKrimi-Festival, das im März in Wiesbaden stattfand.

Das Setting ist überschaubar: eine Nacht, ein Büro, zwei Personen. Für Julia Koschitz in der Hauptrolle dennoch eine Herausforderung. Bekannt geworden ist die österreichische Schauspielerin mit der Speed-Dating-Komödie „Shoppen“. Seither hat die 39-Jährige geschafft, wovon viele Kollegen träumen: Weder passt die Wahl-Münchnerin in eine Genre-Schublade noch muss sie sich mit Film-Projekten über Wasser halten, hinter denen sie nicht wirklich steht.

„Ich habe wirklich alles gespielt, Komödien und Dramen und alles dazwischen. Trotzdem finde ich Thriller als spannendes Genre, vor allem auch schauspielerisch“, betont die Schauspielerin. Man muss sehr konzentriert arbeiten, das Timing ist entscheidend.

Sie mag Kammerspiele, als Zuschauer und als Schauspieler. Die Reduktion auf einen Ort, einen Tag und wenige Personen sei sehr reizvoll, weil man sich kaum hinter wechselnden Kulissen, Charakteren und deren Konflikten verstecken kann. Alles konzentriert sich auf die Handlung, die allein zwischen den zwei bis drei Personen vorangetrieben wird. „Das kann entlarvend sein. Die Herausforderung dabei ist, die Spannung des Grundkonflikts aufrecht zu erhalten, überhaupt Spannung aufrecht zu erhalten.“

Auf den ersten Blick erscheinen Elena und Marc völlig gegensätzlich. Trotzdem fühlt sie sich zu ihm hingezogen. Die Schauspielerin erklärt ihre Rolle: „Elena spürt die Sehnsucht in sich nach Hingabe und Sicherheit in einer Liebesbeziehung. Marc ist ein Mensch mit gutem Selbstvertrauen, der keine Angst davor hat, sich in einer Beziehung zu verlieren. Elena genießt seine Stärke und Zuversicht, lässt sich nur leider durch ihre Urangst wieder vom Weg abbringen.“

Sie selbst kennt solche Gefühle, auch Ängste, wenn Beziehungen strapaziös werden. „Vertrauen hat einen großen Stellenwert für mich, im privaten wie im professionellen Kontext. Misstrauen ist ein Energiefresser. Man ist ständig damit beschäftigt, den anderen zu hinterfragen, sich zu schützen, nur halbherzig einzulassen – weder macht das Spaß, noch kommt man in sein eigentliches Potential.“ Vertrauen in einer Beziehung ist der Schutz, den man braucht, um sich wirklich zu zeigen. „Ich empfinde das als Geschenk, und in meinen engen Beziehungen und Freundschaften mittlerweile auch als unverzichtbar.“

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