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AIDA - Schlossfestspiele Schwerin : Die graue Riesin

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Zu den spektakulärsten Szenen der Oper gehört der Auftritt von Elefantenkuh Mala bei Verdis populärem Triumphmarsch

von
erstellt am 08.Jul.2016 | 11:32 Uhr

Langsam rollt der große Tiertransporter über das Kopfsteinpflaster heran, rangiert vor dem Theater und bleibt auf dem Ekhof-Platz stehen. Sonni Frankello steigt aus und öffnet die Seitentür des Trucks. Sofort tastet sich ein langer, grauer Rüssel heraus, nimmt Witterung auf. Und dann schauen große, braune Augen neugierig auf Schwerin. Sonni Frankello spricht mit Elefantendame Mala ganz vertraut, sagt ihr, dass sie den Kopf noch einmal einziehen muss und geht nach hinten. Gemeinsam mit Sohn Marlon entriegelt er die Türen des Trucks, lässt die Ladeklappe herunter und geht zu seinem Tier. Sie tätscheln sich. Mensch und Tier verbindet Freundschaft, unverkennbar.

Dann steigt Mala ganz vorsichtig aus, obwohl sie die Prozedur längst kennt. Sie ist ruhig und entspannt und wie immer neugierig. Von Transportstress keine Spur. Sonni Frankello nimmt sie an die Führleine, die er eigentlich gar nicht bräuchte, denn Mala läuft ihm völlig selbstverständlich nach. Sie gehen auf den Ekhof-Platz, wo eine kleine Fläche eingezäunt ist. Mala freut sich schon darauf, sich wieder ein paar frische Lindenblätter von den Bäumen zu angeln. Hier kann sich das Tier vor der Vorstellung noch ein bisschen entspannen. Aber eigentlich will Mala nur eins: nah bei ihrem Freund sein. Die Szenerie mutet an wie Hund und Herrchen beim Gassigehen, nur dass das Tier etwas größer ist.

Wenn Sonni Frankello in die Maske muss – er schlüpft beim Triumpfmarsch in die Rolle eines Soldaten – übernimmt ein anderes Familienmitglied vom Elefantenhof Platschow, wo Mala ihr Zuhause hat, ihre Betreuung. Dann wird auch die Elefantendame herausgeputzt, abgebürstet und dekoriert.

Nun stimmt die Staatskapelle Verdis berühmte Melodie an. Es geht los. Mala läuft an der Führleine hinter Sonni Frankello her und umrundet die Bühne. Sie zeigt sich stolz und groß, hält kurz inne, um sich dem Publikum zuzuwenden und setzt den Marsch fort. „Der Elefant verstärkt die Symbolsprache. Er setzt beim Triumphmarsch noch etwas Archaisches auf die Szenerie, in der die besiegten Äthiopier erniedrigt werden“, so Regisseur Georg Rootering. Dem Tier dürfte das egal sein.

Schon ist sein Auftritt vorbei. „Für Mala ist es eine willkommene Abwechslung“, sagt ihr Besitzer Sonni Frankello und steuert den Transporter auf dem Ekhof-Platz an, Mala trottet hinterher. Sie bekommt Elefanten-Leckerli. Dann steigt sie wie selbstverständlich in ihren Transporter. Sie kennt die Prozedur: Es geht wieder nach Hause.

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