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Indierock : Destroyer lassen es krachen

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Der kauzige Kanadier Dan Bejar hat sich als Kritiker-Liebling auf vielen Jahresbestenlisten festgesetzt. Das Synthie-lastige neue Album seines Projekts Destroyer lässt nun einen Knick in der Formkurve erkennen.

svz.de von
erstellt am 20.Okt.2017 | 10:24 Uhr

Sound-Fetischisten aufgepasst: Das neue Album der kanadischen Indierocker Destroyer hat alles, um beim Test teurer Boxen so richtig Spaß zu machen. Musikalisch ist diesmal freilich nur solide Mittelklasse angesagt - zumindest wenn man die Platte mit dem vorherigen Output des Projekts von Dan Bejar vergleicht.

Ein so volles, perfektes Klangbild wie auf «Ken» hört man selten. Der Multiinstrumentalist aus Vancouver schaltet schon im Opener «Sky's Grey» mit fetten Keyboards in den Überwältigungsmodus, lässt durchgängig üppige Gitarren perlen und in Uptempo-Songs wie «In The Morning» oder «Cover From The Sun» die Drums nach Herzenslust krachen. Der Bass erinnert nicht nur bei «Tinseltown Swimming In Blood» an New-Order-Alben der 80er und 90er Jahre.

«Ken» entpuppt sich damit als eine weitere Destroyer-Hommage an vergangene Pop-Dekaden. Bejar hat aus seiner Verehrung für David Bowie keinen Hehl gemacht, auch den als «Yachtmusik» verspotteten Softpop der 70er Jahre baute er in tollen Alben wie «Kaputt» (2011) und «Poison Season» (2015) sorgfältig nach. Etwas Seifiges haftete Destroyer-Songs dank großzügiger Saxofon-Soli, trauriger Klavier-Passagen und Bejars Schmeichlerstimme immer an, aber die Kritiker und ein auf Kultbands fixiertes Publikum liebten ihn.

Das muss sich auch mit «Ken» nicht ändern, die Platte hat immer noch manche Highlights zu bieten, etwa die schwerelose Ballade «Saw You At The Hospital» oder «Ivory Coast». Allerdings wird man den Eindruck nicht los, dass Bejar hier am Ende einer Entwicklung angelangt ist. «Das ist mein Ziel: jedes Mal wieder ganz von vorne anzufangen», sagt er. Wenn dieser hochtalentierte Musiker und Songschreiber seinen hehren Vorsatz bald tatsächlich umsetzt, dürfte sein nächstes Album wieder mehr als werden als nur Test-Futter für formidable Hi-Fi-Anlagen.

Tourdaten im November: 12. Hamburg, Kampnagel; 17. Berlin, Festsaal Kreuzberg; 18. München, Ampere; 19. Düsseldorf, New Fall Festival; 21. Zürich, Rote Fabrik

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