Klaus Lenz wird 75 : Der Perfektionist

Musiker Klaus Lenz am 3. April 2013 in Berlin bei der Beisetzung des Sängers und Komponisten Reinhard Lakomy auf dem Friedhof Berlin-Blankenburg.
Musiker Klaus Lenz am 3. April 2013 in Berlin bei der Beisetzung des Sängers und Komponisten Reinhard Lakomy auf dem Friedhof Berlin-Blankenburg.

Klaus Lenz hat DDR-Musikgeschichte geschrieben. Am Sonntag wird die Jazzlegende 75 Jahre alt.

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21. März 2015, 16:00 Uhr

Vom Fenster des alten Fachwerk-Gästehauses sehe ich hinunter auf den Hof. Ein stattlicher Mann mit Hut und Latzhose schreitet über den weißen Schotter. Was für eine malerische Kulisse! Ein kleines Märchenschloss und alte Häuser, eine Remise und eine Pferdekoppel, die bis zum angrenzenden Wald reicht.

Der Mann heißt Klaus Lenz. Er hat alte rheinländische Fachwerkhäuser aus der Gegend abgebaut und originalgetreu restauriert, an diesem Flecken Erde errichtet. So ist im Laufe der Jahre ein Ort entstanden, an dem sich Gleichgesinnte angesiedelt haben. Jetzt restauriert Lenz Türen für alte Häuser. Man erkennt genau, welche davon von ihm sind. Ein Perfektionist.

Doch was viele Leute rund um Siegburg nicht wissen: Der Mann hat DDR-Musikgeschichte geschrieben – in einer Zeit, als nach und nach der Jazz auch im Osten ankam. Er hat die Musik zu Filmen wie „Dornröschen“, „Käuzchenkuhle“ oder „Stülpner Legende“ komponiert. Und zahlreichen LPs in unterschiedlichen Bandformationen, mal in kleiner Besetzung, mal als Bigband, eingespielt.

Er war der Motor in Sachen Jazz und als Bandleader Vorbild und Entdecker vieler späterer Musikgrößen. Unzählige gute Musiker bewiesen ihre Fähigkeiten bei ihm. Viele sind aber auch gescheitert. Es war eine harte Schule, geführt unter strenger Regie. Doch die Ergebnisse konnten sich sehen oder besser hören lassen. Internationale Erfolge ließen nicht auf sich warten.

Im Besitz eines Reisepasses, lebte Lenz abwechselnd im Ost- und im Westteil Berlins. Monate, nachdem er gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns protestiert hatte, war eine Tour mit seiner Band durch 30 Städte der BRD geplant und organisiert. Doch im letzten Moment wurde alles durch die DDR-Behörden abgesagt. Da reichte es dem Musiker. Lenz blieb in Westberlin, schickte seinen Pass zurück und versuchte, im Westen Fuß zu fassen.

Nur, so einfach war es dann doch nicht. Gute Musiker gab es schon. Und eine Bigband kostet eine Menge Geld. Vielleicht kamen die anderen Kollegen ja auch nicht ganz mit der Autoritätsperson „Bulle“ Lenz klar? Der war zwar wie ein Vater, aber welcher Vater lässt sich schon gern kritisieren?

Nach zwei Schallplatten und zahlreichen Gelegenheitsjobs war dann Schluss mit der Musik. Außerdem wurde es für Lenz in Westberlin zu gefährlich. Kurz nachdem er seinem Musikerkollegen Detlef Kessler mit gefälschten Papieren die Flucht aus der DDR ermöglicht hatte, wurde er zusammengeschlagen. Von Stasi-Mitarbeitern, wie er später aus den Akten erfuhr.

Seitdem ist Lenz im Rheinland zu Hause und hat viele alte Gebäude restauriert. Die Trompete gehörte der Vergangenheit an. Das ging auch jahrelang gut. Bis, ja bis der Wurzener Jazzfan Bernd Ganßauge Klaus Lenz beim 40. Geburtstag der Modern Soul Band sah. Er bedrängte ihn monatelang, doch wieder richtig auf die Bühne zu gehen, versprach für alle Kosten aufzukommen und klopfte ihn sozusagen mit Hilfe von Reinhard Lakomy weich.

Zu seinem 70. Geburtstag gab es dann eine einmalige Tour durch den Osten. Die Leute konnten es kaum fassen. „Bulle“ Lenz war plötzlich wieder da. Mit dabei Uschi Brüning, Hansi Klemm, Konny Körner, Wolfgang Fiedler, Jarek Smietana und viele bekannte alte, aber auch junge Jazzmusiker. Die Tour wurde ein großer Erfolg. Doch nach dem Konzert im legendären Leipziger Ring-Café war dann endgültig Schluss. Old Lenz kehrte zurück in sein Dorf.

Zwar liegt jetzt die Trompete wieder in seinem Arbeitszimmer, aber der Raum hat sich verändert. An den Wänden hängen zahlreiche Schwarz-Weiß-Fotos von Leuten, die mit ihm zusammengearbeitet haben: Horst Krüger, Günther „Baby“ Sommer, Conny Bauer, Günther Fischer, Lacky Lakomy, Ernst-Ludwig „Luten“ Petrowsky, Henning Protzmann, Hansi Biebl, Christiane Ufholz, „Jäcki“ Reznicek und immer wieder Manfred Krug und Uschi Brüning. Aber auch Chris Doerk und Frank Schöbel.

Am Sonntag wird Klaus Lenz 75 Jahre und kann auf ein erfülltes Leben zurückblicken. „Ich bin zufrieden, habe eine tolle Frau und bin gesund.“

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