Schlossfestspiele Schwerin - Portrait : Der Italiener hinter den Kulissen

Hat immer das Libretto parat,  macht sich Notizen und organisiert im Hintergrund: Cristiano Fioravanti arbeitet als Regieassistent an „La Traviata“ mit.
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Hat immer das Libretto parat, macht sich Notizen und organisiert im Hintergrund: Cristiano Fioravanti arbeitet als Regieassistent an „La Traviata“ mit.

Der aus Florenz stammende Cristiano Fioravanti unterstützt bei den Schweriner Schlossfestspielen den Regisseur als Assistent.

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03. Juli 2015, 12:00 Uhr

Wenn sich Solisten und Chorsänger mit schwierigen italienischen Passagen von Giuseppe Verdis Oper „La Traviata“ herumschlagen müssen, gehen sie gern mal zu Cristiano Fioravanti. Denn der Regieassistent stammt aus Florenz und kann als Muttersprachler natürlich auch bei den kleinsten Feinheiten helfen. „Das wird gern genutzt“, erzählt der freundliche Italiener in perfektem Deutsch. „Ich werde oft gebeten, genau hinzuhören und zu sagen, wenn sich etwas nicht ganz sauber anhört.“ So gibt es in der Oper beispielsweise den Halbsatz „non un detto“. Wird der „non un tetto“ ausgesprochen, muss jeder Italiener lachen, denn statt „kein Wort mehr“ heißt es dann „kein Dach mehr“.

Doch die eigentliche Arbeit von Cristiano Fioravanti ist eine ganz andere. Er unterstützt als Assistent gemeinsam mit Mandy Prinz den Regisseur Georg Rootering bei der Arbeit. „Es ist ein sehr angenehmer Job, denn hier bei den Schlossfestspielen in Schwerin wird sehr professionell gearbeitet. Die Leute wissen genau, was zu tun ist. Bühnenarbeiter, Techniker, Maske – alle sind ein eingespieltes Team. Und mit der Besetzung haben wir auch Glück. Die Solisten sind keine individualistischen Diven, sondern wir arbeiten alle hervorragend zusammen.“

Das sei bei einer so großen Inszenierung aber auch nötig, denn die mehr als 150 Mitwirkenden zu koordinieren, erfordere volle Konzentration, sagt der Regieassistent. Schon ein kleiner Irrtum könnte schnell große Folgen haben. Von Vorteil für seine Arbeit sei indes, dass der größte Teil der Akteure auf der Bühne die Chorsänger sind. Mit Chören nämlich habe er bereits eigenständige Projekte realisiert. Das komme ihm bei seiner koordinierenden Arbeit hier in Schwerin sehr zugute, sagt Fioravanti.

Ein weiterer Pluspunkt für seine Arbeit ist, dass er „La Traviata“ gut kennt. „Ich mag diese Oper von Verdi sehr und habe bereits an einer Inszenierung dieses Stücks in Berlin mitgearbeitet“, erzählt er. „Aber das war natürlich eine ganz andere Dimension. Traviata ist eine Kammeroper. Die auf so einer gewaltigen Bühne zu inszenieren, ist einfach ein gigantisches Erlebnis“, sagt der Italiener. Er bewundere deshalb die Arbeit von Regisseur Georg Rootering und Bühnen- und Kostümbildnerin Romaine Fauchére. An Rootering gefalle ihm zudem die Art und Weise des Umgangs sowohl mit den Mitwirkenden auf der Bühne als auch dem Team dahinter. „Er probiert viel aus, lässt den Solisten Spielraum. Und er fragt mich regelmäßig nach meiner Meinung, wie ich dieses oder jenes Element sehe. Zudem erzählt er viele lustige Anekdoten aus seinem Theaterleben. Das alles macht für mich die Arbeit hier noch schöner. Rootering gibt mir das Gefühl, dass ich an dieser großartigen Inszenierung wirklich mitarbeite“, sagt Cristiano Fioravanti stolz.

Dabei kommt der gebürtige Florentiner von Hause aus gar nicht vom Musiktheater. Der studierte Theater- und Filmwissenschaftler hatte zunächst in Florenz und Rom am Schauspiel gearbeitet, in Wien und Coburg assistiert, dann auch in Berlin, wo er seit sieben Jahren lebt. Dort machte er eine neue Erfahrung mit italienischer Oper: „Ich bin beeindruckt davon, was für eine große Rolle Musiktheater in Deutschland spielt. Mir gefällt auch sehr die Art, wie hier inszeniert wird.“ In Italien werde meist viel Wert gelegt auf Produktionen nahe am historischen Original. In Deutschland dagegen werde das viel innovativer gehandhabt.

Ein echtes Problem hat Cristiano Fioravanti in seiner neuen Wahlheimat aber doch: das Wetter. „Ich lebe jetzt schon seit sieben Jahren in Deutschland, aber an das Wetter kann ich mich einfach nicht gewöhnen. Fast den ganzen Juni über, wenn bei uns in Italien schon längst richtig Hochsommer ist, war es in Schwerin kalt und ungemütlich. Man konnte abends nicht mal draußen sitzen. Es stimmt einfach gar nichts mit den Temperaturen hier.“ Glücklicherweise sei jetzt aber Besserung in Sicht. Und ein bisschen kann der Regieassistent das auch genießen, denn die anstrengenden Proben-Monate sind zu Ende. „Nach der Premiere habe ich erstmal vier Tage die Woche frei. Da werde ich viel lesen, vor allem in Deutsch, um meine Sprachkenntnisse weiter zu verbessern. Und dann beginnt auch schon die Vorbereitung der neuen Spielzeit.“ Da werde er unter anderem an der „Zauberflöte“ mitarbeiten und die eigene Inszenierung einer Kammeroper im E-Werk auf die Bühne bringen, kündigt Cristiano Fioravanti an.

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