Kassenschlager : Der Försterrebell und der Wald

Förster und Buchautor Peter Wohlleben
Förster und Buchautor Peter Wohlleben

Der Bestseller „Das geheime Leben der Bäume“ erscheint nun auch in 25 weiteren Ländern

svz.de von
07. März 2016, 12:00 Uhr

Die Bäume sind groß und ihr Förster ebenfalls: Der 1,98-Meter-Mann Peter Wohlleben stapft durch den jahrhundertealten Buchenwald der Eifelgemeinde Hümmel. Schon oft hat er hier in Rheinland-Pfalz an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen Besuchern die Baumriesen gezeigt. Warum nicht auch ein Buch über den Wald als Sehnsuchtsort vieler Menschen schreiben?

Etliche Verlage treffen aus heutiger Sicht eine Fehlentscheidung, als sie Wohllebens Manuskript ablehnen: Als „Das geheime Leben der Bäume“ bei der Konkurrenz erscheint, rückt es an die Spitze der „Spiegel“-Jahresbestsellerliste Sachbuch (Hardcover) 2015. Und besetzt auch 2016 vorerst Platz eins.

„Mit diesem Erfolg habe ich nie gerechnet“, sagt der 51-jährige Autor. Nun solle das Buch auch in 25 anderen Ländern erscheinen, in Kanada, Brasilien, Australien, China und den USA zum Beispiel. „Ich schaue gerade die englische Übersetzung durch.“

Das weltweite Interesse zeige, dass die These nicht stimme, das Buch sei nur wegen der tief verwurzelten romantischen Waldsehnsucht der Deutschen so erfolgreich.

„Es ist wohl eher der Aha-Effekt: Wow, was Bäume alles können - und das aus der Praxis einfach erklärt und trotzdem wissenschaftlich belegt“, vermutet Waldmann Wohlleben.

Tatsächlich verweist er auf forstwissenschaftliche Studien – schildert komplexe Zusammenhänge aber oft vermenschlichend. So mahnt er etwa: „Wer weiß, dass Bäume Schmerz empfinden und ein Gedächtnis haben und dass Baumeltern mit ihren Kindern zusammenleben, der kann sie nicht mehr so einfach fällen und mit Großmaschinen zwischen ihnen herumwüten.“ Er selbst setze auf traditionelle Rückepferde, die gefällte Stämme bodenschonend zu den Forstwegen zögen.

Laut Wohlleben können sich Waldriesen über Pilznetzwerke verständigen – eine Art „Wood-Wide-Web“. Manche Bäume wie etwa Eichen sendeten bei Insektenbefall chemische Duftsignale aus, „und alle Bäume in weitem Umkreis, die diese Botschaft empfangen, wappnen sich, indem sie innerhalb von Minuten spezielle Bitterstoffe einlagern, die die Insekten vergraulen“.

Das Branchenmagazin „Buchreport“ vom Februar sieht im überraschend meistverkauften Sachbuch des Jahres 2015 den Auslöser für einen neuen Trend: Zahlreiche weitere Verlage setzten inzwischen ebenfalls auf das Thema Wald. „Das geheime Leben der Bäume“ sei mittlerweile mehr als 150    000-mal verkauft worden.

Waldexperten beurteilen Wohlleben differenziert. Naturschutzverbände freuen sich über seinen Bucherfolg. Auch die rheinland-pfälzische Forstministerin Ulrike Höfken (Grüne) lobt, „dass er mit seinem emotionalen Zugang das Ökosystem Wald und seine vielfältigen Funktionen einem breiten Publikum vermittelt“. Manche fachliche Ausführungen würden von Experten jedoch kritisch gesehen.

Auch der Präsident der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände, Philipp zu Guttenberg, freut sich zwar über die „großen Sympathien für Wald und Bäume“, die der Bucherfolg zeige.

Dennoch sei Wohllebens Herangehensweise bedenklich, „da er den Wald esoterisch verklärt und einseitig betrachtet“.

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