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Bastler aus Storkow : Der fahrradverrückte Tour-Teufel macht zu

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Aus der Onlineredaktion

Radfan „Didi“ Senft kreierte viele kuriose Gefährte – nun hat der Tüftler keine Kraft mehr für sein Lebenswerk

svz.de von
erstellt am 23.Okt.2017 | 12:00 Uhr

Wenn Dieter Senft in Blaumann und Strickmütze an seinen Fahrrad-Kuriositäten schraubt, wird er nur selten erkannt. Sobald der 65-Jährige aus Storkow (Oder-Spree) allerdings sein rot-schwarzes Teufelskostüm überstreift, kennen ihn Radsportfans auf der ganzen Welt. Denn in dieser Aufmachung ist der gelernte Karosseriebauer als quirliger „Tour-Teufel“ berühmt geworden.

1993 tauchte der fahrradverrückte Tüftler erstmals im Teufelskostüm am Wegesrand der „Tour de France“ auf. In den Folgejahren wurde „Didi“, wie der Storkower genannt wird, vom kuriosen Foto-Objekt zum Maskottchen des berühmten Radrennens. Doch Senft ist mehr als ein verrückter Radfan am Wegesrand. Über 200 kuriose Fahrrad-Konstruktionen hat er seit den 1970er Jahren zusammengeschraubt. Mit 17 dieser einmaligen Räder - vom kleinsten bis zum größten, über das längste und das höchste - steht er im Guinness-Buch der Rekorde. Das ist an sich schon ein Rekord, zumal seine pedalbetriebenen Konstruktionen tatsächlich auch fahren. Sie hatten 13 Jahre lang Platz in „Didis Museum der Fahrrad-Kuriositäten“ am Ortseingang von Storkow. Besucher konnten staunen, schmunzeln, fachsimpeln und sogar selbst einmal in die eine oder andere Pedale treten. Nun ist das Museum geschlossen.

<p>Fahrrad-Designer Dieter „Didi“ Senft </p>

Fahrrad-Designer Dieter „Didi“ Senft

Foto: dpa
 

Nach der letzten Führung ist „Didi“ nun dabei, seine größten Kreationen, die nicht ins Museum passten, im Vorgarten zu demontieren. Mit Leitern und Seilen rückt er unerbittlich seinem Lebenswerk zu Leibe. „Ich habe dafür einfach keine Zeit und Kraft mehr. Zumal ja kaum noch Besucher kamen“, sagt er traurig. Schon im Dezember jettet er wieder um die Welt: diesmal zu einem Profiradrennen nach Taiwan. Die Ausrichterfirma der „Tour de France“ hat ihn schon vor Jahren als Werbefigur engagiert. „Ich verdiene damit nicht das große Geld, habe aber keine Kosten und dafür jede Menge Spaß. In meinem Alter ist das einfach irre, was da passiert“, sagt der Rentner, der meist im Teufels-Kostüm zu seinen Auftritten fliegt und dabei oftmals beim Check-In nicht mal seinen Reisepass zeigen muss.

In den vergangenen Jahren hatte seine Frau das Museum offen gehalten, während „Didi“ unterwegs war. Doch ein Kuriositäten-Museum ohne den Tüftler selbst ist eben nicht so lustig für Besucher. Denn nur der neudeutsch als „Velodesigner“ bezeichnete Brandenburger vermochte es, mühelos auf einem Mini-Tridem zu fahren oder ein Hängematten-Liegerad in Bewegung zu setzen.

„Didi ist ein Künstler, kein Museumsbetreiber. Die Leute aber wollen ihn in Aktion erleben“, sagt Ellen Rußig, Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Seenland Oder-Spree. Die Schließung seines Museums sei ein Verlust für die bekennende Fahrrad-Region. Doch für eine private Sammlung ständig neue Gäste zu erreichen, sei eben auch sehr schwer. „Insofern kann ich seine Entscheidung verstehen.“ Und die hat sich Senft nicht leicht gemacht.

Bereits seit Jahren versucht der Tour-Teufel vergeblich, seine Rad-Kreationen im Paket zu verkaufen, in touristisch attraktivere Gegenden. Da das Vorhaben nicht gelang, reißt er die Sammlung nun doch auseinander: Zehn seiner Weltrekord-Räder stehen inzwischen im österreichischen Radstadt, ein halbes Dutzend weiterer am Bahnhof in Zeesen (Dahme-Spreewald). Weitere Anfragen für einzelne seiner Spezial-Räder gibt es auch. „Ich will meine Sachen ja nicht letzten Endes verschrotten, um sie los zu sein“, meint der Tüftler fast entschuldigend. Den verrückten Radfan selbst zieht es nicht gänzlich in die Ferne. „Meine Frau und ich möchten schon gern in Storkow bleiben, allerdings auf einem ruhigeren Fleckchen.“

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