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KZ Auschwitz rekonstruiert : „Das wird nie beendet sein“

vom
Aus der Onlineredaktion

Bauzeichner Peter Siebers hat jede einzelne Baracke des KZ Auschwitz mit Grundrissen rekonstruiert

Vom Lagertor mit der Aufschrift „Arbeit macht frei“ bis zu den Gaskammern hat der Bauzeichner Peter Siebers jede Baracke des KZ Auschwitz und seiner Nebenlager Birkenau und Monowitz mit Grund- und Aufrissen rekonstruiert. Gerade hat er gemeinsam mit dem Historiker Gideon Greif das Buch „Todesfabrik Auschwitz“ herausgebracht. Welf Grombacher sprach mit Peter Siebers.

Sie schreiben im Vorwort, Sie besäßen mehr als 500 Bücher über Auschwitz und wüssten trotzdem längst nicht alles darüber. Handelt es sich bei Ihrem Projekt um den Versuch, das Unbegreifliche zu begreifen?
Peter Siebers: Auschwitz ist etwas, das sehr schwer zu begreifen ist, besonders als Deutscher. Für mich ist das etwas, was ich nie verstehen werde. Aber letztendlich wird mir niemand eine Antwort darauf geben können, warum das passiert ist.

Wie entstand die Idee, das KZ auf dem Papier zu rekonstruieren?
Nachdem ich mich 15 Jahre damit beschäftigt hatte, bin ich 2001 hingefahren, um mir Auschwitz anzusehen. Im Stammlager steht ja noch der überwiegende Teil, aber eben nicht in Birkenau und in Monowitz. Ich fragte mich, wie man jungen Leuten das erklären kann, was dort stattgefunden hat? Da war eine grüne Wiese, das war’s. Während ich durch Birkenau gegangen bin, hatte ich den Einfall, das ganze Lager zu rekonstruieren. Es waren viele Fahrten nötig, um das Aufmaß vor Ort zu nehmen. In Birkenau stehen heute nur noch etwa 20 Prozent. Den Rest der 400 Gebäude, Wachtürme, Wege und Zaunanlagen habe ich durch Luftaufnahmen der Alliierten und aus SS-Unterlagen rekonstruiert.

Was fiel Ihnen am schwersten?
Obwohl ich schon so oft dort war, läuft bei mir im Kopf immer ein langer Film ab über das schlimme Lagerleben.

Haben Sie für sich mit dem Projekt abgeschlossen?
Ich habe in das Projekt 200 000 Euro aus meiner eigenen Tasche gesteckt und ungefähr 30000 davon wurden „refinanziert“. Heute mit 60 könnte ich das nicht noch mal machen. So ein Großprojekt könnte ich mir finanziell gar nicht mehr leisten.

Abgeschlossen habe ich mit dem Projekt aber nicht. Das wird auch nie beendet sein. Auschwitz wird nie beendet sein.

 

Gedenktag

Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) hat den Holocaust als das Schrecklichste bezeichnet, „was Deutschland je hervorgebracht hat“. Sechs Millionen bestialisch ermordete Juden mahnten, „dafür zu sorgen, dass so etwas Furchtbares nie wieder geschehen darf“, sagte der Regierungschef gestern anlässlich des Gedenktages für die NS-Opfer.

In der IHK zu Schwerin lud die Präsidentin des Landtages, Sylvia Bretschneider, zur Vorführung des Films „Linie 41“ über den Holocaust-Überlebenden Natan Grossmann ein.

 

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