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Musical in Hamburg : Das Phantom ist zurück

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Mit „Liebe stirbt nie“ wird das erfolgreichste Musical aller Zeiten fortgesetzt

svz.de von
erstellt am 15.Okt.2015 | 23:00 Uhr

Das weltberühmteste Phantom ist zurück. Das Phantom der Oper aus dem gleichnamigen und erfolgreichsten Musical aller Zeiten nennt sich nun Mister Y und betreibt Anfang des 20. Jahrhunderts in dem Vergnügungspark auf Coney Island ein Zirkus-Varieté mit Musik, Tanz, Freakshow. Die New Yorker Musical-Love-Story, die an der Pariser Oper begonnen hatte, stammt ebenfalls von dem britischen Komponisten Andrew Lloyd Webber. „Liebe stirbt nie – Phantom II“ feierte am Donnerstagabend eine umjubelte Deutschlandpremiere im Hamburger Stage Operettenhaus.

Das Phantom, grandios gesungen und gut gespielt vom isländischen Operntenor Gardar Thor Cortes, trägt auch in Amerika, wo die Handlung zehn Jahre später einsetzt, einen nachtschwarzen Umhang sowie eine weiße Halbgesichtsmaske. Die Verkleidung erinnert wie gehabt an Graf Dracula beim Maskenball. Das Eröffnungslied „So sehr fehlt mir dein Gesang“, begleitet mit einer großen Orchester-Geste unter der Leitung des Dirigenten Bernhard Volk, gibt die inhaltliche Richtung vor. Das Phantom quält täglich die Liebe zu seiner einstigen Muse und Kurzzeitgeliebten Christine. Deren Riesenölporträt, das einer Ikone gleich an der Wand leuchtet, ist da nur ein schwacher Trost. Dabei hatte das Phantom Christine seinerzeit verlassen und sie in dem Glauben gelassen, er seit tot. Jetzt weiß auch das Phantom: Liebe stirbt nie.

Als die längst berühmte Pariser Primadonna Christine (Rachel Anne Moore) mit ihrem Gatten Raoul (Yngve Gasoy-Romdal) und Sohn Gustave (Kim Benedikt) wegen eines Engagements New York besucht, nimmt die erneut verhängnisvoll verlaufende Liebesgeschichte rasch Fahrt auf.

Bei Christine haben sich die Ausstatter selbst übertroffen, als die Sängerin auf der Zielgeraden der gut zweieinhalbstündigen Aufführung ihren sängerischen Solo-Höhepunkt („Liebe stirbt nie„) feiert, gewandet in ein grün-blau schimmernd-glitzerndes Pfauen-Kleid. Allein für dessen Schleppe wurden 60 Meter Stoff vernäht. Die insgesamt 26 internationalen Ensemble-Mitglieder erwecken in den vielen unterschiedlichen Kostümen und Perücken den Eindruck, sie seien mindestens eine Hundertschaft.

Die Hamburger Musicalprofis ziehen auch technisch sowie atmosphärisch sämtliche Register, die ihnen zur Verfügung stehen, um Darsteller und Musiker in Szene zu setzen. Die Bilder laufen wie die Zahnräder eines Uhrwerks von allen Seiten ineinander, während die Drehbühne scheinbar auf Dauerrotation eingestellt ist. Vom quirligen Jahrmarktsrummel wechselt die Szenerie hinter die kargen Kulissen eines Theaters. Eine hölzerne Schiffspier verwandelt sich in ein Jugendstilzimmer, aus dem wiederum eine glutrote surreale Gothic-Höhle mit lebendigen Wesen in Spiegelprismen wird. Kurz: Der Technikpark funktioniert wie geschmiert. Bei der Musik fällt die Walzerlastigkeit auf. Neben Klassik können die 15 Musiker auch Big-Band- Swing, Chanson, Romantik, perkussiven Tribalsound und verzerrt treibenden Heavy Metal.

„Liebe stirbt nie“ ist kompakt und weitgehend ohne Hänger inszeniert. Obwohl bei diesem Stück kein Kronleuchter von der Decke kracht, bleibt der DPDO-Nachfolger packend bis zum Schluss. Denn die Geschichte schlägt immer wieder Haken und verläuft unvorhersehbar. Ein bisschen zu kurz kommen die großen Emotionen. Tränen kullern höchstens beim Finale.

Man muss „Das Phantom der Oper“ nicht gesehen haben, um „Liebe stirbt nie“ zu verstehen. Trotz zahlreicher Anspielungen ist „Phantom II“ ein eigenständiges Stück. Allerdings muss man kein Hellseher sein, um unter den „Liebe stirbt nie“-Besuchern eine Menge Leute mit Phantom-Wissen zu vermuten.

Termine und Tickets zu „Liebe stirbt nie - Das Phantom kehrt zurück“ finden Sie in unserem Veranstaltungsportal www.termine.svz.de.

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