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Abgewichen : «Das Original» - kein Justizthriller von John Grisham

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Der Name John Grisham steht für Thriller um Rechtsanwälte, Intrigen und Gerichtsverfahren. In seinem neuen Roman «Das Original» zeigt er, dass er nicht auf dieses Genre festgelegt ist. Aber um Verbrechen geht es auch hier.

svz.de von
erstellt am 22.Aug.2017 | 11:04 Uhr

«Die Jury», «Die Firma», «Der Richter», «Anklage» - Mit diesen und weiteren Justizthrillern hat John Grisham in den vergangenen 25 Jahren weltweit zig Millionen Bücher verkauft. Der Name des 62-Jährigen steht mittlerweile so sehr für ein Genre, wie es das kaum ein zweites Mal gibt.

Aber von Zeit zu Zeit nimmt Grisham sich die Freiheit, einen Roman zu schreiben, der nicht der üblichen Herangehensweise folgt. «Das Original» beginnt mit einem ungewöhnlichen, hervorragend ausgeklügelten Raubüberfall. Ort des Überfalls ist die Bibliothek der berühmten Universität Princeton. Beute sind die unschätzbar wertvollen Originalmanuskripte des legendären Schriftsteller F. Scott Fitzgerald, dessen «Der große Gatsby» einer der klassischen amerikanischen Romane des 20. Jahrhunderts ist.

Der Coup gelingt, und fünf Kassetten mit den originalen Handschriften verschwinden. Dann zeigt sich, dass der Plan sehr gut, aber nicht perfekt war. Das FBI kommt der Bande auf die Spur und kann zwei der fünf Täter festnehmen. Die drei anderen bleiben verschwunden, ebenso wie die Manuskripte.

Was könnte jemand mit solchen Manuskripten anfangen? Eine Antwort deutet Grisham im zweiten Kapitel des Romans an, in dem er die Geschichte von Bruce Cable erzählt. Auf der Suche nach einem Ziel im Leben kauft der junge Mann eine Buchhandlung auf der Ferieninsel Camino Island vor der Küste von Florida und macht diese zu einer Erfolgsgeschichte. Allerdings handelt er auch mit seltenen Büchern wie signierten Erstausgaben bekannter Schriftsteller. Die Herkunft dieser Bücher ist bisweilen zweifelhaft.

Erst auf Seite 77 bringt Grisham die Hauptfigur des Romans ins Spiel. Mercer Mann hatte vor einigen Jahren einen vielversprechenden Roman veröffentlicht, aber ihren zweiten Roman bekommt sie nicht zusammen. Nun hat sie auch ihren Dozentenjob an einer Uni verloren und steht ziemlich hilflos vor einem Schuldenberg. In dieser Situation erhält sie plötzlich ein unerwartetes Jobangebot. Eine mysteriöse Frau heuert sie im Namen einer noch geheimnisvolleren Organisation am, um an der Wiederbeschaffung der Manuskripte mitzuwirken.

Der Plan ist einfach, aber praktisch. Mercer soll vorübergehend nach Camino Island ziehen, offiziell, um ihren Roman zu Ende zu schreiben, tatsächlich aber, um Cable auszuspionieren. Die Auftraggeber verdächtigen ihn, die Fitzgerald-Manuskripte bei sich zu verstecken.

Grisham hatte offensichtlich großen Spaß daran, die Literaturszene der Insel mit ihren skurrilen, von sich selbst eingenommenen und alle anderen Autoren niedermachenden Schriftstellerinnen zu beschreiben. Die Menschen leben auf der Insel wie in einer eigenen kleinen Welt, und so kann Mercer einen ganz einfachen Ratschlag befolgen, um ans Ziel zu kommen: «Sie leben in einer Welt, die aus Geschichten besteht. Erfinden Sie einfach noch ein paar.»

Tatsächlich macht Mercer Fortschritte bei ihrem Plan, auch wenn sie zunehmend Gewissensbisse bekommt, die Freundlichkeit der Menschen auf der Insel auszunutzen.

All dies ist ganz unterhaltsam, aber wirklich spannend ist es nicht. «Das Original» bietet entspannte Lektüre mit ein wenig Nervenkitzel und einigem Augenzwinkern. Die Marke John Grisham kann hier eher in die Irre führen. Aber man kann mit ziemlicher Sicherheit darauf vertrauen, dass der nächste Grisham wieder ein Justizthriller bekannter Qualität sein dürfte.

- John Grisham: Das Original. Heyne Verlag, München, 366 Seiten, 19,99 Euro, ISBN 978-3-453-27153-1.

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