zur Navigation springen

Stilsicher : Das Colin Steele Quartet taucht nach Perlen

vom

Die Pearlfishers sind die schönste Perle im erlesenen Angebot des kleinen Hamburger Liebhaber-Labels Marina. Die Wartezeit auf ein neues Album der Luxuspop-Band um David Scott verkürzt jetzt ein Jazz-Tribute des schottischen Trompeters Colin Steele.

svz.de von
erstellt am 04.Aug.2017 | 12:24 Uhr

Gute Nachricht für alle Freunde des zeitlos Schönen und Erhabenen: Ein neues Album der Edelpop-Band The Pearlfishers um David Scott soll noch dieses Jahr auf ihrem Stammlabel Marina erscheinen. Bis es soweit ist, hören wir die Pearlfishers-Songs in der Jazz-Fassung von Colin Steele.

«Diving For Pearls» vom Colin Steele Quartet ist also - wie früher im Jazz oft üblich, etwa bei Ella Fitzgerald, Frank Sinatra, Miles Davis oder Chet Baker - der Arbeit eines einzigen Komponisten oder Songschreibers gewidmet. «Ich habe früher bei vielen Sessions mit den Pearlfishers gespielt und einen ähnlichen Musikgeschmack wie David Scott, etwa mit der gemeinsamen Verehrung für Burt Bacharach, die Beatles oder die Beach Boys», sagt Steele, wie Scott selbst ein waschechter Schotte. «Ich war immer beeindruckt von der Tiefgründigkeit seiner Melodien.»

Ganz schnell habe er daher einen Zugang zum Ausgangsmaterial der Pearlfishers gefunden. Und das hört man auf diesem wunderbar warmherzigen Album, das zeitgenössischen Jazz nicht in der intellektuellen, «schwierigen» Virtuosenvariante, sondern als harmonieseliges, auch romantisch-nostalgisches Vergnügen präsentiert.

Schon der Opener «The Bluebells» vom Pearlfishers-Werk «Up With The Larks» (2007) kommt in der Steele-Interpretation ultraharmonisch und quicklebendig daher, mit brillanten Soli und Beiträgen von David Milligan (Piano/Arrangements), Calum Gourlay (Standbass) und Alyn Cosker (Schlagzeug). Die anschließende Ballade «We'll Get By» ist purer Wohlklang, und so geht es über eine traumschön-entspannende Dreiviertelstunde weiter, mit dem Pearlfishers-Highlight «Gone In The Winter» als Krönung. 

Die Band agiert handwerklich hochkompetent und inspiriert, mit einem oft an Chet Baker erinnernden Trompeter Steele als Frontmann, dem die Begeisterung für die zehn Lieder deutlich anzuhören ist. Man kann die Euphorie verstehen: Seit Scott und sein luxuriöses Pearlfishers-Projekt vor 20 Jahren via Marina die Bühne betraten, haben sie keinen schlechten Song, geschweige denn ein schlechtes Album abgeliefert.

Im Gegenteil: Die sporadischen Veröffentlichungen (nur sechs Studioalben und einige EPs seit 1997) zeugten stets auf ganz unaufdringliche Weise von der Stilsicherheit und Kompositionskunst eines Musikers, der neben den bereits erwähnten großen Songwritern der 60er auch die besten Popmelodien-Erfinder der 80er zu seinen Vorbildern zählt: Prefab Sprout vor allem, aber auch Scritti Politti, The Style Council oder Aztec Camera.

Zuletzt begeisterte «Open Up Your Colouring Book» (2014) eine viel zu kleine, dafür aber sehr treue Fangemeinde. Sie wartet jetzt - nach dem feinen Jazz-Tribute «Diving For Pearls» des Colin Steele Quartet als Übergang - ungeduldig auf das von Marina für «later this year» angekündigte neue Pearlfishers-Album. Es soll den deutschen Titel «Für Kinder» tragen. Man darf gespannt sein, ob sich dahinter wieder Lieder für Erwachsene verbergen, die popmusikalisch eigentlich nie «erwachsen» werden wollten.

Marina Records

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen