Leute : Corny Littmann: Theatermacher und Tausendsassa

Schauspieler, Regisseur und Vereinspräsident des FC St. Pauli: Corny Littmann hat in seinem Leben viele Rollen bekleidet.
Schauspieler, Regisseur und Vereinspräsident des FC St. Pauli: Corny Littmann hat in seinem Leben viele Rollen bekleidet.

„Kiez-König“ Corny Littmann feiert 65. Geburtstag

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21. November 2017, 08:00 Uhr

Die Gelegenheit war günstig – wie so oft im bewegten Leben von Corny Littmann: Der „Kaiserhof“ auf der Hamburger Reeperbahn stand 1988 leer zur Vermietung. „Dann haben wir uns das angeguckt und gesagt: machen wir“, erinnert sich der Theaterleiter. Die Umstände waren alles andere als verlockend: „Wir brauchten ein Darlehen von 100 000 D-Mark. Das wollte uns jedoch keiner geben“, sagt Littmann. Selbst enge Freunde hätten ihm und seinen Mitstreitern nur sechs Monate gegeben.

Fast 30 Jahre später ist seit der Eröffnung des Schmidt Theaters ein Imperium entstanden - und „Der König vom Kiez“ feiert heute seinen 65. Geburtstag.

Zur Schmidt-Familie gehören in den Anfangstagen „Herr Schmidt“ (Corny Littmann), Lilo Wanders (Ernie Reinhardt), Mario Rispo und ab 1990 Marlene Jaschke (Jutta Wübbe). Besonders beliebt ist die „Mitternachtsshow“ mit Kleinkunstnummern und Laiendarbietungen. Als der Norddeutsche Rundfunk die Show Anfang der 1990er-Jahre im Fernsehen überträgt, wird das Theater bundesweit bekannt.

Littmann, der nie einen Hehl aus seiner Homosexualität machte, sorgt für Wirbel: So blendet sich der Westdeutsche Rundfunk aus, als Littmann ein Plakat der Deutschen Aidshilfe in die Kamera hält, auf dem zwei Männer beim Oralverkehr zu sehen sind.

Doch wie kommt ein Sohn eines Professors für Finanzwirtschaft, geboren in Münster in Westfalen, zu einer Karriere auf St. Pauli? „Indem man dort nicht sozialisiert wurde“, lautet die Antwort. Mit acht Jahren erhält der Vater einen Ruf an die FU Berlin, mit 15 Jahren wechselt die Familie nach Hamburg. In der wilden Studentenzeit will Littmann Psychologie studieren, ist dann aber doch froh, „nicht in diese Kreise geraten zu sein“.

Dafür entdeckt er seine Liebe zum Theater. Als Mitglied der Theatergruppe Brühwarm steht er mit Themen der Schwulenbewegung auf der Bühne – und will diese als Spitzenkandidat der Hamburger Grünen im Bundestagswahlkampf 1980 auch umsetzen.

Nach zehn Jahren Tournee-Theater „waren wir des Reisens müde“, erinnert sich der Theaterchef. „Wir wollten sesshaft werden.“ Nach dem Coup mit dem Schmidt Theater bot sich Ende 1990 erneut eine einmalige Chance: Das benachbarte „Zillertal“ suchte einen Nachmieter. Littmann und sein langjähriger Geschäftspartner Norbert Aust schlagen erneut zu – und schaffen mit dem „Schmidts Tivoli“ eine zweite Bühne, die mit schrägen Ideen und schrillen Shows ein breites Publikum anlockt. Durch ihren wirtschaftlichen Erfolg tragen die beiden Schmidt-Chefs maßgeblich dazu bei, den Kiez aufzuwerten. Eine dritte Bühne, das „Schmidtchen“, macht die „Familie Schmidt“ komplett.

Als Präsident des Fußballvereins FC St. Pauli (2003–2010) schafft Littmann es, den Verein vor dem Konkurs zu retten. Als es am schönsten ist, nach dem Aufstieg in die Bundesliga, hört er auf. Abschalten kann der Erfolgsmensch auf Reisen in sonnige Gefilde: früher auf seine Lieblingsinsel Kuba, heute nach Brasilien.

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