Trump als Katastrophe : Carolin Emcke buchstabiert Demokratie

Carolin Emcke und Teju Cole in Hannover.
Carolin Emcke und Teju Cole in Hannover.

Die Friedenspreisträgerin möchte Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit wieder hör- und fühlbar machen - möglichst anhand von konkreten Erfahrungen. Zum Auftakt ging es im Gespräch mit dem New Yorker Teju Cole um A wie Amerika.

svz.de von
20. September 2017, 10:55 Uhr

Angesichts demokratiefeindlicher Strömungen in vielen Ländern will die Friedenspreisträgerin Carolin Emcke (50) das «ABC der Demokratie» in einer neuen Gesprächsreihe ergründen. Zum Auftakt diskutierte die Autorin am Dienstagabend in Hannover mit dem Schriftsteller und Fotografen Teju Cole.

Das Thema lautete «A - Amerika». Der 42-jährige Sohn nigerianischer Eltern schreibt Essays für Magazine wie den «New Yorker». Cole sei ihr Wunschgast, betonte Emcke.

«Demokratie lässt sich nicht hetzen», sagte die Gastgeberin. «Wer also hofft, an einem Abend alle Antworten zu bekommen, ist hier falsch.» Ziel sei, die altmodische Tugend des Erörterns wiederzubeleben, auch mal auf literarische, impressionistische Weise. Emcke hatte 2016 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten. In ihrem Buch «Gegen den Hass» wendet sich die promovierte Philosophin gegen den nationalistischen und religiösen Fanatismus und setzt dagegen eine Kultur der Vielfalt.

Ausgangspunkt für das Gespräch über Amerika war ein persönlicher Text Coles. Darin beschreibt der in New York lebende Autor, wie er schon als kleiner Junge in Nigeria eine zukünftige Katastrophe fürchtete. Mit Präsident Trump sei die Katastrophe da, sagte Cole. Alles sei zerstört, gleichzeitig sei alles intakt. Der Alltag gehe weiter. Cole forderte, als Bürger Widerstand zu leisten. Mexikaner, Muslime, Homosexuelle, Frauen, Schwarze seien in unterschiedlicher Weise von der Katastrophe betroffen und müssten jetzt mutig sein.

Das Gespräch mit Emcke streifte die Tagesaktualität, also Trumps Rede vor den Vereinten Nationen. Die beiden versuchten aber, tiefer zu bohren. So ging es auch um die Frage, inwieweit Gewalt in der amerikanischen Kultur verwurzelt ist und ob die Vorgänger George W. Bush und Barack Obama möglicherweise einem Präsidenten Trump den Weg bereitet haben könnten.

Die neue Reihe im Schauspiel Hannover wird von der Stiftung Niedersachsen gefördert und ist auf fünf bis sechs Jahre angelegt. Die Themen der nächsten Begegnungen lauten «B - Bild», «C - Chronik» und «D - Demokratie». Gesprächspartner sind der Kunsthistoriker Peter Geimer, die Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann sowie die israelische Soziologin Eva Illouz. Bereits seit 2004 moderiert Carolin Emcke die monatliche Talk-Reihe «Streitraum» an der Berliner Schaubühne mit wechselnden Themen und jeweils mehreren Gästen.

Reihe "ABC der Demokratie"

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