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60-jähriges Zeitschriften-Jubiläum : „Bummi“: Ein Bärchen überlebt die DDR

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

„Bummi“ ist eine von wenigen DDR-Zeitschriften, die den Mauerfall überlebt haben. Heute wird das Bärchen 60 Jahre alt und muss sich gegen viel Konkurrenz behaupten.

„Kam ein kleiner Teddybär aus dem Spielzeuglande her. Und sein Fell ist kuschelweich, alle Kinder rufen gleich: Bummi, Bummi - Bummi, Bummi, brumm brumm brumm.“ Generationen von Jungen und Mädchen im Osten Deutschlands haben dieses Lied im Kindergarten gesungen – und singen es noch immer. Der Kindheits-Ohrwurm hat ebenso den Mauerfall und die Wiedervereinigung überlebt wie die dazugehörige Zeitschrift, der „Bummi“. Zusammen mit dem Comic-Dauerbrenner „Mosaik“ zählt die Publikation zu den einzigen Kinder- und Jugend-Zeitschriften aus der DDR, die es noch immer gibt – wenn auch mit stark gesunkenen Auflagen. Der „Bummi“ wird heute 60 Jahre alt.

Wer heute Erwachsene fragt, was ihnen vom DDR-„Bummi“ in Erinnerung geblieben ist, bekommt meist die Antwort: Nicht mehr als der süße knuddelige Bär und der Song. 1957 hatten der Verlag Junge Welt und der Zentralrat der FDJ das Blatt für Kinder zwischen drei und sechs Jahren ins Leben gerufen. „Bekannte Illustratoren haben die Zeitschrift gestaltet – und die Kinder haben wirklich etwas gelernt“, sagt der Museologe Jörn Kleinhardt, der im Archiv des DDR-Museums in Berlin kistenweise „Bummi“-Zeitschriften aus sozialistischen Zeiten stehen hat.

Hintergrund: Kinder- und Jugendzeitschriften in der DDR

„ABC-Zeitung“

Die älteste Kinderzeitschrift der DDR wurde 1946 gegründet. Die Zielgruppe: Schüler der Klassenstufen 1 bis 3. Jahrzehntelang waren die Kugelmännchen „Rolli“ und „Flitzi“ in jeder Ausgabe zu finden. 1991 übernahm der Hamburger Bauer-Verlag die Zeitschrift. Fünf Jahre später war Schluss.

„Die Schulpost“

Sie wurde ebenfalls 1946 gegründet und richtete sich an ältere Kinder und Jugendliche. Es gab darin vor allem Beiträge mit naturwissenschaftlichen Themen, Literaturtipps und Berichte zum allgemeinen Weltgeschehen. 1958 wurde das Heft umbenannt in „Rakete“, fünf Jahre später in „Technikus“. 1990 war Schluss.

„Frösi“

1953 wurde die Jugendzeitschrift mit dem Titel „Fröhlich sein und singen“ – nach der ersten Zeile eines Pionierliedes – ins Leben gerufen. Sie war vor allem wegen der bunten Bildgeschichten und Bastelangebote beliebt. 1965 wurde die Zeitschrift in „Frösi“ umbenannt. Sie wurde 1991 eingestellt. Das Monatsmagazin kehrte 2005 zurück - doch das Comeback scheiterte.

„Neues Leben“´

1954 erschien diese Jugendzeitschrift im A5-Format das erste Mal. Es war die einzige auf junge Leute zugeschnittene Monatsillustrierte der DDR.  1992 erschien die Zeitschrift zum letzten Mal.

„Atze“

Die kleinformatige Zeitschrift erschien ab 1955 und war wegen ihrer Bildergeschichten von „Fix und Fax“ sowie „Pats Reiseabenteuer“ beliebt. 1991 wurde die Produktion eingestellt.

„Mosaik“

1955 erschien das erste „Mosaik“ – mit den drei Helden „Dig, Dag und Digedag“. Nach einem Streit um die politische Ausrichtung des Heftes stieg deren Schöpfer 1975 aus. Fortan reisten „Abrax, Brabax und Califax“ um die Welt - bis heute.

„Bummi“

Ab 1957 erschien diese Zeitschrift für Kinder zwischen drei und sechs Jahren. Die markante Titelfigur war das aufrecht gehende gelbe Bärchen „Bummi“. Die Zeitschrift enthielt kindgerechte Bildgeschichten oftmals mit der Titelfigur. Nach dem Mauerfall übernahm der Bauer-Verlag auch diese Zeitschrift.

„Die Trommel“

Die Wochenzeitung richtete sich an Schüler der Klassen 4 bis 7. 1991 wurde die Zeitschrift eingestellt.

 

Der aufrecht gehende Bär mit dem runden Kopf tat in den bunten Bildergeschichten das gerne, was Kinder auch gerne tun: Er fuhr Roller, spielte mit dem Ball und mit dem Püppchen Ruth. Aber er musste auch mal auf dem Titelbild die DDR-Fahne schwenken. „Teils waren die Inhalte auch ideologisch“, sagt Kleinhardt. Die Jungpioniere fehlten ebenso wenig wie Märchen aus sozialistischen „Bruderländern“, die Friedenstaube oder eine Seite über den Vorzeige-Kommunisten Ernst Thälmann. Zu Weihnachten 1974 wurden die Kinder und Eltern aufgerufen, für einen neuen Kindergarten in Vietnam Geld zu spenden.

Auch die deutsch-sowjetische Freundschaft wurde schon den Vorschulkindern nahegebracht: Es gab oft Geschichten mit dem russischen Teddy Mischka. Auf einem Titel umarmte Bummi eine riesige Matrjoschka. „Bummi“, der monatlich erschien und 25 Pfennige kostete, lehrte den Kindern aber ebenso, sicher über die Straße zu gehen – und gutes Benehmen.

Nach dem Mauerfall übernahm der Hamburger Bauer-Verlag 1991 über seine hundertprozentige Tochter Pabel-Moewig (Rastatt) vier DDR-Zeitschriften, darunter auch den „Bummi“. Der Kaufpreis für alle vier Zeitschriften: 1 DM. Dafür habe sich Pabel-Moewig verpflichtet, für zwei Jahre die Geschäfte von Berlin aus zu führen und 36 Arbeitsplätze zu sichern, hieß es damals.

Inzwischen wird die Zeitschrift in Rastatt produziert. Über Details zur heutigen Situation – etwa, wie viele Arbeitsplätze es noch gibt – wollte sich der Bauer-Verlag nicht äußern. Im vergangenen Jahr gab es einen Chefredakteurs-Wechsel. Jubiläumsaktionen zum runden Geburtstag des Blattes wurden diesmal nicht organisiert.

Von „Benjamin Blümchen“ bis „Winnie Puh“: Gegen mehr als 50 Kinder- und Jugendzeitschriften muss sich der kleine Bär aus der DDR heute behaupten. Während die maximale Auflage des „Bummi“ zu DDR-Zeiten bei 736 300 Exemplaren lag, waren es im vierten Quartal 2016 noch knapp 23 000 im Monat. „Bummi“ kostet nun 3,50 Euro und hat sich als „Spiel- und Lernzeitschrift“ der neuen Zeit angepasst. Zum Heft gehören Gimmicks made in Fernost – etwa im Februar ein Schaffner-Set mit Kelle, Trillerpfeife und Ausweis. Jeden Monat gibt es Vorlese-Geschichten, Mal- und Rätselseiten, Elterntipps und Tier-Fotogeschichten. Im Internet können Eltern zusätzliche Rätsel- und Suchbilder herunterladen.

Das Bärchen ist außerdem Held einer Zeichentrickserie beim öffentlich-rechtlichen Kinderkanal (KiKa) – und entdeckt dort mit seinen Freunden die Welt.

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