„Bücher mit was dran“ sollen Kunden locken

Schneekugeln, Wärmfläschchen, Aufziehuhren und Perlenkästchen. In den Regalen und Auslagen der Buchgeschäfte türmen sich immer mehr allerlei Geschenkartikel. Nicht nur zu Weihnachten. Vor allem die Kinderbuchverlage bieten längst viel Zusätzliches rund ums Buch an. Viele versuchen, damit ihre Umsätze anzukurbeln. Die Bücher lassen sich viel besser verkaufen, wenn ganze Erlebniswelten um ihre Figuren und Helden vermarktet werden.

„Das sind ganz wichtige Umsatzbringer“, betont Renate Reichstein, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen AVJ. „Von den Nonbook-Angeboten profitieren Verlage und Buchhändler gleichermaßen.“ Genaue Zahlen gibt es aber nicht.

1992 etablierte Wolfgang Hölker bei Coppenrath die Edition Spiegelburg. Als eine der ersten Verlage brachte Coppenrath damit Geschenkartikel zu seinen Büchern heraus: Zunächst waren es der Bär Charly und die Maus Sepp, die als Plüschfiguren verkauft wurden.

Wenig später kamen Schneemann Karlchen und Hase Felix dazu, 2004 Prinzessin Lillifee. „Denn Kinder spielen mit ihren Büchern. Sie transportieren die Bildbuchwelten in ihre Alltagswelt“, betont Hölker. „Anfangs wurde das von den anderen Buchverlagen noch belächelt“, sagt Reichstein.

Als mit Felix Riesenerfolge gefeiert wurden – allein die Bücher wurden in 29 Sprachen übersetzt und verkauften sich bisher weltweit mehr als sieben Millionen Mal – erkannten auch die anderen das Marktpotenzial der Geschenkwaren rund ums Buch. „Für Kinder sind es meist Produkte um die 10 Euro, also Mitnahme- oder Quengelartikel, die oft in Kassennähe ausliegen“, sagt Reichstein.

Bei Coppenrath machen die Nonbook-Artikel längst gut die Hälfte des Buchgeschäfts aus. Das Segment umfasst heute mehr als 1000 Artikel, darunter Plüschtiere, T-Shirts, Spiele, Geschirr und sogar Wohnaccessoires. Auch Erwachsene wurden als Zielgruppe erkannt. Im Angebot sind Topflappen, Sitzkissen, Kochschürzen, Kühltaschen und Papeterie-Waren, meist Geschenkideen zu den Themen Kochen, Garten oder Wohnen. „Angefangen hatte es mit Papier- und Geschenktüten, damals verziert mit dem Hasen von Dürer und dem Engel von Raffael“, so Verlagssprecher Thomas Rensing.

Der Moses Verlag spricht von einem regelrechten Boom im Nonbook-Bereich. Vor allem in den vergangenen sechs bis acht Jahren habe das enorm zugenommen. Mittlerweile umfasse das Sortiment etwa 1500 Produkte. Auf die ersten Artikel sei man eher „durch Zufall“ gekommen. „Was nützt ein Buch über Murmelspiele, wenn man keine Murmeln hat? Aus dieser Frage entstand die Idee zu den bis heute erfolgreichen ,Büchern mit was dran‘“, erläutert Sprecherin Constanze Michel. Später seien ganze Programmideen entwickelt worden, erst nur für Kinder, dann auch für Erwachsene. Heute würden mit den Nonbook-Artikeln wegbrechende Umsätze anderer Warengruppen kompensiert, die nicht mehr so gut funktionieren.

Am gesamten Buchhandelsumsatz mit rund 9,2 Milliarden Euro im vergangenen Jahr haben Kinder- und Jugendbücher einen Anteil von gut 15,6 Prozent. In den klassischen Buchgeschäften werde aber nur noch knapp die Hälfte des Gesamtumsatzes erzielt. Der Online-Verkauf nehme immer mehr zu. „Auch wenn einige Buchhändler die zunehmende Zahl der Nonbook-Angebote kritisieren, wird die Notwendigkeit gesehen, Aufmerksamkeit zu schaffen“, erläutert Sprecherin Margit Müller. Und die Produktmöglichkeiten seien längst noch nicht ausgeschöpft.

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