Teure NDR-Tatorte : Borowski und die hohen Kosten

Ermitteln im Norden: Til Schweiger, Wotan Wilke Möhring, Axel Milberg und Maria Furtwängler (von links).
Ermitteln im Norden: Til Schweiger, Wotan Wilke Möhring, Axel Milberg und Maria Furtwängler (von links).

Der Landesrechnungshof kritisiert die überdurchschnittlich teuren NDR-Tatorte und fordert mehr Transparenz bei den Ausgaben

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04. Juni 2017, 05:00 Uhr

In zwei Wochen ermittelt er wieder. Dann wird Axel Milberg zum 30. Mal als Kommissar Klaus Borowski in Kiel unterwegs sein, dieses Mal während der Kieler Woche – ein besonderer Clou des verantwortlichen Norddeutschen Rundfunks (NDR), denn am 18. Juni, wenn „Borowski und das Fest des Nordens“ ausgestrahlt wird, läuft zeitgleich auch das populäre Segel- und Volksfest, das Millionen Besucher nach Kiel zieht.

Wirklichkeit und Fiktion gehen in diesem Tatort-Fall also eine besondere Beziehung ein. Produziert wurde die Folge schon im Jahr 2015, bislang fand sich nach NDR-Angaben nur kein passender Sendetermin während der Kieler Woche, schließlich wollte man sich die besondere Pointe nicht versauen.

Das übernahm gestern stattdessen der Landesrechnungshof Schleswig-Holstein, der in seinen Bemerkungen zu Rundfunkangelegenheiten unter Punkt 30. – auch das vielleicht eine besondere Pointe vor dem 30. Kieler Tatort – zusammenfasste: „NDR-Tatort: Mitunter ein teures Vergnügen“.

In dem Bericht geht es um zwei wesentliche Vorwürfe in Richtung des öffentlich-rechtlichen Senders, der an Tatort-Formaten in Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen beteiligt ist: Die Produktionskosten der NDR-Tatorte überstiegen demnach die veranschlagten Beträge regelmäßig und lägen damit deutlich über den durchschnittlichen Kosten der anderen ARD-Tatorte. So ist ein NDR-Tatort mit durchschnittlich 1,7 Millionen Euro Produktionskosten 200  000 Euro teurer als die der übrigen ARD-Anstalten, die mit rund 1,5 Millionen Euro veranschlagt werden.

Außerdem habe der NDR Einzelposten in den Produktionen von bis zu 85  000 Euro nicht einzeln, sondern pauschal aufgrund von Erfahrungswerten geprüft. Es folgt ein Satz, in dem Sprengstoff für den öffentlich-rechtlichen Sender steckt: „Die Rechnungshöfe halten dieses Verfahren für nicht ausreichend transparent und nicht hinreichend gegen Korruption gesichert.“

Beim NDR sollten bei solchen Schlussfolgerungen eigentlich die Alarmglocken schrillen, denn fehlende Transparenz hatte auch den Skandal um die ehemalige NDR-Fernsehspielchefin Doris Heinze ausgelöst, die ihre Machtposition unter anderem ausgenutzt hatte, um eigene Drehbücher unter dem Pseudonym Marie Funder an ihren Arbeitgeber zu verkaufen. Heinze wurde 2012 wegen Bestechlichkeit, Betrug und Untreue verurteilt, und der NDR, der Heinze bereits 2009 entlassen hatte, stand blamiert da.

Bemerkenswert ist auch die Rolle der Filmförderung beim Kieler Tatort-Format. So bemängelt der Rechnungshof, dass die eingeworbenen Mittel aus der Filmförderung nicht in die Produktionskosten eingerechnet werden. Die Filmförderung Hamburg/Schleswig-Holstein (FFHSH) etwa bezuschusst den Kieler Tatort jährlich mit 270  000 Euro aus dem Fördertopf beider Länder.

Zum Vergleich: Die Filmwerkstatt Kiel, die überwiegend für die Förderung schleswig-holsteinischer Filmprojekte zuständig ist, muss im Jahr mit einem Eigenetat von rund 300  000 Euro auskommen.

Beim NDR verweist man auf die herausragenden Besetzungen seiner Tatort-Produktionen. Dies gelte für die Schauspieler wie auch für Buch und Regie. Bestbezahlte NDR-Tatort-Darstellerin ist laut Medienberichten Maria Furtwängler (Niedersachsen) mit geschätzten 220  000 Euro pro Folge. Axel Milberg, der den Kieler Kommissar Klaus Borowski spielt, soll demnach auf 115  000 Euro kommen, Wotan Wilke Möhring auf 90  000 Euro. Allerdings wurden die Gagen der Hauptdarsteller bei den vom Rechnungshof geprüften Tatorten vom NDR als Eigenleistungen übernommen. Das sei eigentlich nur in Ausnahmefällen möglich. Auch hier bemängeln die Prüfer fehlende Transparenz.

Weiterhin verweist der NDR darauf, dass seine Tatorte auch im ländlichen Raum gedreht würden: „Auf die Berücksichtigung norddeutscher Regionen legen wir besonderen Wert, auch wenn eine Konzentration auf die Metropolen billiger wäre“, teilte der NDR gestern auf Anfrage mit. Der Sender hält die Kosten auch deshalb für „vertretbar“, „weil die Zuschauerzahlen belegen, dass die Strategie richtig ist“. Zehn Tatorte des NDR hätten nach Angaben des Senders in den Jahren 2012 bis 2015 die Zehn-Millionen-Marke übertroffen.

Zahlen, die man beim NDR gern öffentlich macht. Anders sieht es bei den Produktionskosten einzelner Folgen aus. Diese würden nicht veröffentlicht, „aus Wettbewerbsgründen“. Das wäre doch mal ein hübscher Ermittlungsansatz für Klaus Borowski – mit garantiert guter Quote.

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