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Literatur : «Blaupause» - Theresia Enzensberger macht ihr Ding

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«Blaupause» ist ein ungewöhnlicher Debütroman. Es geht um Weltflucht, Architektur, das Verhältnis von Kunst und Politik und eine Frau, die versucht, ihren Traum zu leben.

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erstellt am 25.Aug.2017 | 10:28 Uhr

Luise Schilling ist eine Frau, die sich nicht gern sagen lässt, was sie zu denken und zu tun hat. Nicht von ihrem strengen Vater, nicht von ihrem stramm rechten Bruder, nicht von ihrer braven Mutter und nicht von dem umschwärmten Bauhaus-Studenten Jakob, in den sie sich verliebt.

Luise lebt in einer Zeit, in der von Frauen erwartet wird, dass sie tun, was ihnen gesagt wird. Dennoch versucht sie, ihren Traum zu leben - darum geht es in Theresia Enzensbergers erstaunlichem Debütroman «Blaupause».

Erstaunlich, weil man von Theresia Enzensberger (30) bisher wenig gehört hat, auch wenn sie die Tochter von Hans Magnus ist, einem der ganz Großen unter den deutschen Intellektuellen. Erstaunlich auch, weil ihr ein Roman gelungen ist, der vor historischem Hintergrund spielt, aber kein bisschen gestrig wirkt, im Gegenteil.

Und weil Theresia Enzensberger mit Luise eine Figur gefunden hat, die glaubhaft wirkt. An ihr arbeiten sich die Motive des Romans ab: der Zeitgeist in der frühen Weimarer Republik, die Reibungen der Gesellschaft zwischen rechten Nationalisten und Kommunisten, die Weltflucht politikferner Esoteriker und die Schwierigkeiten von Frauen in einer patriarchalischen Welt ernstgenommen zu werden.

In gewisser Hinsicht ist «Blaupause» auch eine Emanzipationsgeschichte. «Frauen konnten wählen, Frauen konnten am Bauhaus studieren - auf dem Papier war alles gut», sagt Enzensberger. «Das ist ja heute auch so, dass auf dem Papier alles gut ist - und dass es trotzdem immer noch Probleme gibt, im Alltag, im Kleinen und im nicht so Kleinen. Das fand ich schon interessant.»

Ein historisches Vorbild habe es für Luise nicht gegeben, sagt die Autorin. «Das ist eine rein fiktive Figur.» Und auch keine, mit der sich Enzensberger komplett identifiziert: «Sie ist mir manchmal schon auf die Nerven gegangen, sie ist ein bisschen naiv.» Auch Luises heiliger Ernst sei ihr selbst eher fremd.

Luises Traum ist, Architektin zu werden und nicht einfach nur Ehegattin in Charlottenburg, wo ihr Herr Papa ein wohlhabender Unternehmer ist. Und so klopft sie im ersten Kapitel des Romans an die Tür des Direktorenzimmers im Bauhaus, zeigt Walter Gropius, dessen legendären Gründer, ihre Mappe, bekommt tatsächlich einen Studienplatz und ist bald danach mitten drin im Weimarer Studentenleben.

Walter Gropius und sein Bauhaus sind in der Architektur der Zeit an der Spitze der Avantgarde. Luise lernt schnell pragmatische Studenten wie Maria kennen, die in der Weberei arbeitet und für die Kunst und Handwerk kein Widerspruch sind. Aber auch esoterische Zeitgenossen um den Bauhaus-Meister Johannes Itten, Anhänger der Mazdaznan-Lehre, die Kutten tragen, sich vegetarisch ernähren und auf regelmäßige Atemübungen großen Wert legen. Sie lernt, in einer Welt der Patriarchen ihren Platz zu behaupten und sich gegen das Gebaren der von ihrer Überlegenheit überzeugten Männer zur Wehr zu setzen.

Die Schlusspointe erzählt Theresia Enzensberger wie nebenbei, in einem Brief der Protagonistin an Maria und einem Tagebucheintrag. Luise arbeitet mehr als 30 Jahre später im New York City Department of Buildings. Und eines Tages bekommt ausgerechnet sie den Auftrag, die Pläne für das Pan-Am-Gebäude zu begutachten: das erste Hochhaus, das Gropius in den USA entworfen hat. Eine Chance, ihm das ein oder andere aus ihrer Studentenzeit heimzuzahlen - sie nutzt sie nicht.

Es reiche schon, es verhindern zu können, sagt Theresia Enzensberger. «Dann muss man gar keine Rache mehr nehmen, es ist Rache genug, dass man in dieser Position ist.»

Theresia Enzensberger: Blaupause, Hanser Verlag München, 254 Seiten, 22,00 Euro, ISBN 978-3-446-25643-9

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