Vernon und Dessner : Big Red Machine: Indiepop aus dem Kollektiv

Justin Vernon und Aaron Dessner setzten auf das Kollektiv.  
Justin Vernon und Aaron Dessner setzten auf das Kollektiv.  

Wenn zwei höchst angesehene Indierock-Musiker ihr erstes gemeinsames Album veröffentlichen, ist das schon mal ein Ereignis. Im Falle von Big Red Machine, dem Projekt von Justin Vernon und Aaron Dessner, kommt noch die spannende Idee eines freien Künstlerkollektivs hinzu.

svz.de von
12. September 2018, 16:06 Uhr

Zunächst mal funktioniert die erste Platte von Big Red Machine, dem Projekt von Justin Vernon (Bon Iver, Volcano Choir) und Aaron Dessner (The National), natürlich sehr gut als faszinierender, auch mal anstrengender Rock/Folktronica-Hybrid.

Seine volle Kraft entwickelt das mit Spannung erwartete Debüt der beiden Indie-Größen aber erst im Zusammenhang von «People». Dabei handelt es sich um eine Plattform für zahllose gleichgesinnte Musiker aus aller Welt, die unter der sanften Regie von Vernon/Dessner gemeinsam improvisieren und Konzerte geben. Beispielsweise kürzlich in Berlin beim mehrtägigen «People-Festival» mit rund 150 Künstlern, wo auch Big Red Machine als großangelegtes Indierock-Kollektiv auftraten.

Das selbstbetitelte Werk mit vielen Gastbeiträgen ist nun über das Portal von «People» sowie beim US-Label Jagjaguwar erschienen. Der Beginn liegt schon zehn Jahre zurück: 2008 schickte Dessner eine instrumentale Skizze des Songs «Big Red Machine» für das Album «Dark Was the Night» an Vernon, der wiederum einen Song daraus formte. Nach vielen Jahren der Freundschaft gibt es nun also ein Debütalbum mit zehn Songs, und es ist die Vorschusslorbeeren durchaus wert.

Auf jedem Lied wirken Musiker des «People»-Kollektivs mit. «Ich glaube nicht, dass die Platte ohne die Gemeinschaft, die sich zusammengeschlossen hat, existieren würde», sagt Dessner. «Wir haben die Musik bis zu einem bestimmten Punkt gebracht, dann haben wir Freunde eingeladen, ihre Ideen einzubringen.» Im Vergleich zur Musik von The National oder Bon Iver fühle sich das Album «wie etwas Neues an - der Prozess fühlte sich anders an, und das Ergebnis ist anders».

Gitarren-Folk, Indierock, Elektronik, auch ein paar Hip-Hop-Elemente und vor allem viel über Autotune verfremdeter Gesang sind nun auf «Big Red Machine» zu hören. Wer die jüngsten künstlerischen Entwicklungen der beiden Protagonisten Vernon und Dessner mag, darf sich auch hier heimisch fühlen. Eine gewisse Aufgeschlossenheit für die entlegeneren Bereiche alternativer Popmusik ist gleichwohl zu empfehlen.

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