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Kalkulierter Horror : Berliner Sex- und Blutorgie

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Regie-Berserker Johann Kresnik bringt „Die 120 Tage von Sodom“ auf die Volksbühne

Die Volksbühne hatte gewarnt: „Die Vorstellung ist für Zuschauer unter 18 Jahren nicht geeignet“, ließ das Theater vor der Uraufführung von Johann Kresniks Tanztheaterstück „Die 120 Tage von Sodom“ verbreiten. Am Mittwochabend war Premiere der Sex- und Blutorgie frei nach den Fantasien des Sadomaso-Erfinders Marquis de Sade und Pier Paolo Pasolinis Film „Salò oder die 120 Tage von Sodom“. Statt einen Skandal auszulösen, verpuffen heute die teils schwer zu ertragenden Szenen als wohlfeile Kapitalismus-Kritik des bekennenden Kommunisten Kresnik. Ein Politiker, ein Militär, ein Bischof, ein Richter und ein Banker halten sich zur Befriedigung ihrer abartigen Gelüste eine große Anzahl Sklaven. Nackte gequälte Leiber und Kunstblut in Strömen, Plastik-Penisse in Aktion und weibliche und männliche Opfer, die die Fäkalien ihrer Peiniger essen müssen – der 75-jährige Österreicher Kresnik und sein Texter Christoph Klimke lassen nichts aus. Am Ende werfen die Folterer ihren Opfern vor, jeden Fraß zu verschlingen, der ihnen vorgesetzt wird – sprich: ungeprüft alle Lügen zu glauben. Dementsprechend hat der österreichische Künstler Gottfried Helnwein, der auch schon Schock-Rocker Marilyn Manson porträtierte, für Kresnik ein sehr beeindruckendes Supermarkt-Bühnenbild entworfen: Bis zur Decke stapeln sich in Riesenregalen knallbunte Produkte mit Aufschriften wie „NSA“, „BND“, „Coca Cola“, „Nestlé“ und „TTIP“. Mit 30 Tänzern und Schauspielern hat Kresnik sein Stück in Szene gesetzt, darunter Ilse Ritter, Yoshiko Waki, Inka Löwendorf, Roland Renner, Helmut Zhuber und Hannes Fischer. Die Tanzszenen choreografierte Kresnik gemeinsam mit dem Tänzer Ismael Ivo. Schaurig ist ein Ballett bandagierter, blutiger Mädchen. Geschundene Männer- und Frauenleiber winden sich als Knäuel im Glaskasten. Eine blonde Frau wird aus ihrer Burka gezerrt und geschändet. Einer Schwangeren wird bei lebendigem Leib ihr (Puppen)Kind aus dem Leib geschnitten, das anschließend zerstückelt, gegrillt und gegessen wird. Da verlassen einige Zuschauer den Saal. Der Großteil des Publikums aber bleibt – und applaudiert Kresnik samt Team.

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