Bergmans Muse

Nach Jahren ist Liv Ullmann kurz wieder als Schauspielerin im Kino zu sehen – heute wird sie 75

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16. Dezember 2013, 00:33 Uhr

Liv Ullmann sieht wirklich nicht zum Fürchten aus, mit ihrem entwaffnend natürlichen Lächeln, den vielen Sommersprossen und den klaren blauen Augen. Trotzdem sagt Schauspielerin Juliane Köhler, sie habe erst „furchtbare Angst“ vor der Leinwand-Legende gehabt, mit der sie das DDR-Drama „Zwei Leben“ drehte. Der deutsche Oscar-Bewerber ist Ullmanns erster Kinofilm seit vielen Jahren. Heute wird die einstige Muse von Starregisseur Ingmar Bergman 75 Jahre alt.

Obwohl Bergman (1918-2007) und Ullmann nur wenige Jahre lang ein Paar waren, blieben ihre Leben über Jahrzehnte untrennbar verwoben, beruflich und privat. In der Nacht, als der schwedische Filmemacher in seinem Haus auf der Insel Fårö starb, war die Schauspielerin bei ihm. „Unsere Verbindung war mehr als vierzig Jahre später immer noch so eng, dass ich gespürt habe, dass ich zu ihm muss“, sagte Ullmann im August dieses Jahres dem „Süddeutsche Zeitung Magazin“. „Ich habe nach der Trennung von Ingmar Bergman erst verstanden, was Liebe bedeutet.“

Aus der Beziehung zwischen 1965 und 1970 war schon nach kurzer Zeit Tochter Linn hervorgegangen. Ullmanns einziges Kind ist heute eine erfolgreiche Schriftstellerin und wurde um die Zeit geboren, als die Schauspielerin mit dem Bergman-Film „Persona“ (1966) erstmals einen internationalen Erfolg feierte. Die Norwegerin begann, einen Film nach dem anderen mit Bergman zu drehen, erst „Die Stunde des Wolfs“ (1967), dann „Schande“ (1968) und „Eine Passion“ (1969). Bergmans Filme mit Ullmann erzählten von der Suche nach dem Sinn des Lebens, von Schuld, Verlassenheit und Vergebung – und hatten oft etwas mit dem eigenen Leben des Filmemachers zu tun. „Beim Frühstück hat er mir seinen letzten Albtraum erzählt“, sagte Ullmann einmal über diese Zeit. „Ich dachte, oh Gott, in dem Film werde ich dann demnächst mitspielen.“

„Szenen einer Ehe“ wurde in den 70er Jahren als TV-Serie und Kinofilm zum Höhepunkt ihrer Zusammenarbeit. Bis etwa 1990 trat Ullmann viel als Schauspielerin in Erscheinung, danach konzentrierte sie sich eher auf die Regiearbeit. In Bergmans allerletztem Spielfilm „Sarabande“, einer Fortsetzung von „Szenen einer Ehe“, übernahm die Norwegerin 2003 noch einmal die Hauptrolle. „Wenn ich meine Arbeit gut mache, fühle ich mich sicher“, sagte sie im „SZ Magazin“. Sonst habe sie sich in ihrem Leben oft verloren gefühlt.

Liv Johanne Ullmann wurde 1938 in Tokio geboren, wo ihr Vater, ein norwegischer Ingenieur, zu dieser Zeit arbeitete. Während des Zweiten Weltkriegs lebte die Familie in Kanada. Nachdem der Vater gestorben war, kehrte die Mutter mit Liv und ihrer Schwester nach Norwegen zurück, wo Ullmann zur Schule ging und sich später vergeblich um einen Platz an der Nationalen Theaterschule in Oslo bewarb.

Als sie den fast 20 Jahre älteren Bergman kennenlernte, war die junge Schauspielerin in ihrer Heimat schon aus einigen Filmen bekannt. Aber erst der berühmte schwedische Regisseur machte sie zum Weltstar. Trotzdem, sagt Ullmanns Film-Tochter Juliane Köhler, blicke die Schauspielerin nicht mit Wehmut auf diese Zeit zurück. „Sie steht wirklich mit beiden Beinen auf dem Boden.“

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