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Mireille Mathieu wird 70 : Beliebt und zeitlos wie eh und je

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der „Spatz von Avignon“ Mireille Mathieu wird 70 / In ihrer Heimat gehört die französische Sängerin zum nationalen Kulturerbe

svz.de von
erstellt am 22.Jul.2016 | 08:00 Uhr

Schwarzer Pagenkopf, porzellanweißer Teint und rot geschminkte Lippen: So steht Mireille Mathieu seit Jahrzehnten auf der Bühne. Auch die kraftvolle und glockenhelle Stimme der kleinen Französin hat sich nach mehr als 1000 Liedern nicht verändert. Seit einem halben Jahrhundert singt sie von Liebe und Leid. Mathieu, die heute 70 Jahre alt wird, hat jeden Musiktrend überlebt. Sogar die amerikanische Popsängerin Lady Gaga würde gern einmal mit Mathieu gemeinsam singen.

In einer sich immer schneller verändernden Welt verkörpert Mathieu Zeitlosigkeit. Sie fühle sich in ihrer Haut wohl, erklärte sie in einem Interview. Auch bei ihrem Publikum findet man diese Beständigkeit. Noch heute füllen ihre Fans die Musikhallen weltweit.

In Frankreich wird die nur 1,53 Zentimeter große Mathieu la „Grande Dame“ genannt. Denn die Sängerin gehört mit mehr als 130 Millionen verkauften Tonträgern kommerziell zu den erfolg-reichsten französischsprachigen Sängerinnen. Im Jahr 2014/15 hat sie ausgiebig ihre 50-jährige Karriere gefeiert – mit einer Dreifach-Best-of-CD und einer ausverkauften Tournee durch mehrere Länder.

Mathieu gehört neben Dalida und Edith Piaf zum nationalen Kulturerbe Frankreichs. Sie sang Duette mit der schwedischen Popgruppe Abba, dem spanischen Opernsänger Plácido Domingo und dem Star-Entertainer Peter Alexander. Im Jahr 1984 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz für ihre Verdienste um die deutsch-französische Freundschaft, 1999 wurde sie Ritterin der Ehrenlegion in Frankreich.

Ihr Erfolgsgeheimnis? Der Kontakt zum Publikum. „Ich glaube, die Menschen spüren, dass ich es liebe, auf der Bühne zu stehen“, lautet seit Jahren die Antwort der Musikerin. Die Deutschen haben eine besondere Schwäche für die in Avignon geborene Sängerin. Mehr als ein Drittel ihrer Tonträger verkaufte sie in Deutschland.

„Der Spatz von Avignon“, wie Mathieu auch genannt wird, spielt Titel in den verschiedensten Sprachen ein, auch in Russisch und Chinesisch. Zu ihren Welterfolgen gehören „Pariser Tango“ und „Akropolis Adieu“.

Mathieu ist die Älteste von 14 Geschwistern und wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf. Ihr Vater, ein Steinmetz, habe ihr die Liebe zur Musik vermacht. Ihre ersten Auftritte hatte sie schon als Kind in der Kirche und auf Festen. Weil sie unter Legasthenie litt, verließ sie die Schule und begann in einer Papierfabrik zu arbeiten, wo sie Briefumschläge faltete. 1964 gewann sie den Wettbewerb für unbekannte Musiktalente in Avignon. Über Nacht wurde aus der einstigen Hilfsarbeiterin ein Star.

Die Sängerin ist katholisch und konservativ, eine Frau, von der keine Skandale bekannt sind und keine Geschichten. Nur wenig ist über ihr Privatleben publik geworden. Sie meidet die Sonne, schläft durchschnittlich neun Stunden, isst vorzugsweise Bioprodukte, raucht nicht und trinkt nur in Maßen. Und über Liebe singt sie viel, redet aber kaum darüber. Es habe durchaus Männer in ihrem Leben gegeben. Aber eine große Liebe habe sie nicht erlebt, sagte sie. Verheiratet war sie nie. Im März diesen Jahres ist ihre Mutter im Alter von 94 Jahren gestorben. „Meine Mama fehlt mir sehr, und meine Trauer ist unermesslich“, sagte die Sängerin vor Kurzem. Ob sie ihren Geburtstag feiern werde, wisse sie deshalb noch nicht.

 

 

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