Little Dark Age : Bei MGMT klingen selbst die 80er cool

MGMT sind wieder auf Kurs. Brad Elterman
MGMT sind wieder auf Kurs. Brad Elterman

Der stilistische und karrieretechnische Zickzack-Kurs der US-Band MGMT mag rätselhaft sein. Aber eines steht fest: Langweilig wird es mit ihrem schrägen Pop-Entwurf nicht. Das vierte Album beamt den Hörer nun in die übel beleumundeten 80er Jahre. Klingt trotzdem cool.

svz.de von
12. Februar 2018, 11:42 Uhr

Bei ihrem Konzert-Comeback Ende Januar in Berlin freuten sich Andrew VanWyngarden und Ben Goldwasser, in der zeitweiligen Wahlheimat von David Bowie auf der Bühne zu stehen.

Das passte. Denn mit ihrem Bandprojekt MGMT befinden sich die beiden US-Amerikaner in direkter Traditionslinie des vor zwei Jahren gestorbenen Pop-Superhelden. Wie bei Bowie gehören Stilwechsel, Schrägheiten und Rätselhaftigkeit zum Konzept. Daran ändert sich auch mit dem neuen Album «Little Dark Age» nichts.

Im Gegenteil - diese vierte Platte seit der Bandgründung vor 15 Jahren und dem großen Durchbruch vor einem Jahrzehnt klingt erneut ganz anders als die Vorgänger. Nach dem Neo-Glamrock des Debüts «Oracular Spectacular» (2008), dem großformatigen psychedelischen Sixties-Pop auf «Congratulations» (2010) und der etwas ziellosen Experimentierwut beim Flop «MGMT» (2013) besinnen sich Frontmann VanWyngarden und Multiinstrumentalist Goldwasser wieder auf ihre Stärke: gute Songs mit Melodien, die man sofort mitsingen kann und gleichwohl lange im Kopf behält.

Zwar fehlen auf «Little Dark Age» klare Megahits wie seinerzeit «Kids», «Time To Pretend» und «Electric Feel» vom ersten MGMT-Album - drei enorm eingängige Lieder, die bis heute zusammen rund 300 Millionen YouTube-Aufrufe erzielten. Dafür ist die aktuelle Songsammlung ein Album aus einem Guss. Und dürfte, wenn man sich an den chromblitzenden, muskulösen 80er-Jahre-Sound erst einmal gewöhnt hat, das nachhaltigste Werk der beiden New Yorker und ihrer Band-Mitstreiter sein.

Schon der Opener, das von Keyboardfanfaren und einem Saxofonsolo vorangetriebene «She Works Out Too Much», irritiert mit der völlig schamfreien Orientierung an einer eigentlich verrufenen Pop-Dekade - und begeistert zugleich. Der Titelsong, dessen Musikvideo mit Gothic-Klischees spielt und Sänger VanWyngarden in der Pose des The-Cure-Sängers Robert Smith präsentiert (inklusive Vogelnest-Frisur), ist mit mächtigen Synthie-Bässen und Spinett-Sounds ein hoch origineller Tanzflächenfüller. Auch «When You Die» und «Me And Michael» scheuen nicht vor Vergleichen mit 80er-Helden wie Tears For Fears, Visage oder Howard Jones zurück.

Dass britischer Postpunk und Electro-Pop der «Eighties» ihn geprägt haben, stellt Goldwasser im Interview des Magazins «Intro» gar nicht in Abrede. So sei er «stark von The Stranglers beeinflusst, weil sie eine Menge Dinge vereinen, die ich mag: zynische Texte und natürlich viel Synthesizer». Apropos Texte: Auf «Little Dark Age» zieht sich tatsächlich ein gewisser Zynismus angesichts der gesellschaftlichen Realität durch einige Songs.

Wie so viele Musikerkollegen sind auch MGMT (eine Abkürzung für Management) nicht unberührt geblieben von der schwierigen Weltlage und vom Schock der Trump-Präsidentschaft - dem «Little Dark Age» eben. «Wir befinden uns tatsächlich in einem kleinen, dunklen Zeitalter, auf das wir hoffentlich einmal mit dem Wissen zurückblicken, dass es auch ein Ende hatte», sagt Goldwasser.

Der von einer überraschenden Flamenco-Gitarre verzierte Track «TSLAMP» (steht für «Time Spent Looking At My Phone») ist hingegen nicht ganz so ernst gemeint. Goldwasser: «Der Song ist eher eine Zustandsbeschreibung, eine Beobachtung, wie die Welt gerade aussieht. Und wir wollen auch niemanden dafür verurteilen, den ganzen Tag am Handy zu hängen, das würde ziemlich heuchlerisch wirken.» Versöhnlich klingen auch die beiden edlen Balladen «When You're Small» und «Hand It Over» zum Schluss.

So sind MGMT mit ihrem vierten Album weiterhin nicht die ganz großen Denker des Pop, aber immerhin smarte Hedonisten mit einem ausgeprägten Stil- und Qualitätsbewusstsein für ihre alle paar Jahre auftauchende Musik. Die bleibt erfrischend unangestrengt.

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