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Kultur

23. Oktober 2017 | 17:06 Uhr

Aus dem Bauch heraus

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Quirlig, witzig, frei heraus: Mit ihrer Rolle in der neuen ZDF-Vorabendserie „Die Familiendetektivin“ hat Hauptdarstellerin Elena Uhlig privat einiges gemein

Sie zu übersehen, ist praktisch unmöglich. 1,76 Meter groß, ein Organ wie eine Opernsängerin und eine körperliche Präsenz, die auch mit geschlossenen Augen noch spürbar ist. Wenn Elena Uhlig den Raum betritt, ruht alle Aufmerksamkeit auf ihr. Die quirlige 38-Jährige, die mit dem Schauspieler Fritz Karl und ihren beiden Söhnen in Österreich lebt, besucht ihren früheren Wohnort München, um die neue ZDF-Serie „Die Familiendetektivin“ (samstags, 19.25 Uhr) vorzustellen, in der sie die Hauptrolle spielt: Die alleinerziehende Berlinerin Julie Berg verschlägt es mit ihren beiden Kindern nach Augsburg, wo sie die Detektei ihres Onkels weiterführt. Eine Frau aus der Mitte des Lebens ist diese Julie, mit einem Haufen Problemen und einem kunterbunten Alltag, den sie mit viel Bauchgefühl meistert. Dem Naturell von Elena Uhlig kommt diese Figurenbeschreibung recht nahe.

„Die Familiendetektivin“, das klingt im ersten Moment nach Krimi. Mordfälle löst Juli Berg aber keine. Vielmehr sind ihre Intuition und ihre Menschenkenntnis bei Familienzusammenführungen, bei der Suche nach vermissten Personen oder beim Streitschlichten gefragt. „Für mich ist es eine Erleichterung, nicht fragen zu müssen: 'Wo waren Sie gestern zwischen 19 und 21 Uhr?“, erklärt Elena Uhlig, die an der Seite von Henning Baum in der SAT.1-Serie „Mit Herz und Handschellen“ (2002 bis 2010) eine Polizistin spielte.

Die Halbgriechin wurde von ihrem Mann Fritz Karl „nach Österreich verschleppt“, ins beschauliche Traunkirchen, einem 1.600-Seelen-Ort 80 Kilometer von Salzburg entfernt. Dort leben die beiden mit ihren Jungs - drei und sechs Jahre alt - im ausgebauten Dachgeschoss mit Blick auf den Traunsee. Im Herzen wird sie immer eine Städterin bleiben, gibt Elena Uhlig unumwunden zu. „Ich bin es gewohnt, auf Mauern zu schauen“, sinniert die gebürtige Düsseldorferin, die lange Jahre in München, Wien und Berlin verbrachte, bevor sie eine Familie gründete. Wenn sie beruflich in Großstädten unterwegs ist, wird geshoppt - eine Angewohnheit aus ihrer Zeit als Großstadtpflanze. „Da kaufe ich mir dann gerne mal 'nen schicken Schuh oder ein tolles Kleid. Bloß: Die passende Gelegenheit für so ein Teil habe ich ja nie.“

Vorteile hat das Landleben, das ihr anfangs manchmal „die Luft abschnürte,“ für Elena Uhlig allerdings durchaus auch. „Durch meine Kinder kam die Sehnsucht nach einem Garten – hätte ich nie gedacht. Außerdem hast du hier nicht diese eingezäunten Spielplätze mit 40 hysterischen Müttern und keinem Mann weit und breit. Die Kinder können im Wald spielen, und Kindergartenplätze sind auch kein Thema.“

Angeblich sagt die Handtasche einer Frau einiges über ihre Trägerin aus. Die von Elena Uhlig ist riesengroß, weich und heißt Agathe. Wie bitte? „Gegenständen, die mir etwas bedeuten, gebe ich immer einen Namen“, verrät sie. Die Absolventin der Berliner Schauspielschule Ernst Busch verbindet so einiges mit Agathe. „Schon beim ersten Casting hatte ich eine große Tasche dabei und habe mich in den Szenen immer wieder darin vergraben, darin herumgekramt, etwas herausgeholt oder hineingesteckt.“ Davon war der Regisseur Ulli Baumann so begeistert, dass Agathe ihren Weg in die Serie fand. Privat trägt Elena Uhlig eine Nachbildung der echten Agathe. „Da hole ich sogar Kaffeemaschinen raus, wenn's sein muss“, lacht die zweifache Mutter.

Die erklärte Autonärrin, deren erster eigener Wagen ein altes Mercedes Coupé war, ist ein ausgesprochener Bauchmensch. Die Namen ihrer Söhne, Emil und Gustav, suchte sie ohne Namensbuch oder ähnliche Hilfsmittel aus. „Die Leute fragen mich immer, ob ich Erich-Kästner-Fan sei.“ Aber „Emil und die Detektive“ hatte Elena Uhlig beim Aussuchen nicht im Kopf. Sie fand Emil und Gustav einfach nur schön.

Wenn sie mehr Zeit hätte, würde Elena Uhlig am liebsten „mal zu Hause bleiben, rumräumen, in die Luft starren oder einen Liebesschinken lesen“. Aber dafür ist im Tagesablauf der Schauspielerin derzeit kein Platz. Ihr Hobby, das Fliegenfischen, muss momentan genauso zurückstehen wie der Online-Shop für Kinderkoch-Utensilien „Käpt'n Cookie“, den Elena Uhlig mit einer befreundeten Filmausstatterin betreibt. Ein Plan B, falls es mit der Schauspielerei mal nicht so gut laufen sollte? „Nein, das nicht, denn die Schauspielerei ist meine Berufung. Der Shop kommt eher von der Sehnsucht nach einem Ausflug ins Bodenständige. Ein Schauspieler darf das Leben nicht immer nur spielen, er muss es auch leben.“

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