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Krimi und Tourismus : Auf den Spuren von Kommissar Krüger

vom
Aus der Onlineredaktion

Für die meisten Orte ist es ein Glücksfall, wenn ein Kamerateam kommt und einen Krimi oder eine Serie dreht – der Tourismus wird angekurbelt

svz.de von
erstellt am 25.Feb.2017 | 09:00 Uhr

TV-Serien und -Filmen gelingt in seltenen Fällen Kultstatus. Manche, wie die „Schwarzwaldklinik“, behalten dieses Image auch noch lange nach ihrem Verschwinden vom Bildschirm. Einige Produktionen wirken sich sogar auf den örtlichen Tourismus aus. Ob der „Friesland-Krimi“ in Leer (der an diesem Samstag im ZDF zu sehen ist), der „Spreewaldkrimi“ oder „Rote Rosen“ in Lüneburg – da sind einige Fans unterwegs. Hier einige Beispiele:

„Friesland“-Krimi: Im Winter 2016 gab es an zwei Februar-Samstagen während der Krimi-Ausstrahlung im ZDF insgesamt rund 2100 Zugriffe auf die Website der Stadt Leer, sagt Stadtsprecherin Grit Fokken. Bei der Touristikgesellschaft „Südliches Ostfriesland“ gingen in den folgenden drei Tagen gut 50 Prozent mehr Anrufe und Prospektanfragen ein als in den Tagen zuvor. Ein Rundgang zu den Drehorten wird gerade erarbeitet, und gibt es schon Überlegungen für Merchandising-Artikel.

„Spreewaldkrimi“: Wenn der „Spreewaldkrimi“ im ZDF läuft, dann passiert bei der Spreewald-Touristinformation in Lübbenau in den Folgetagen das: Die Klickzahlen auf der Internetseite steigen, und es rufen verstärkt Leute an, die Urlaubsprospekte aus der Region anfordern. Die TV-Reihe trage zur Popularität des Spreewaldes bei, sagt der Sprecher der Touristinformation, Daniel Schmidgunst. Lübbenau gilt als touristisches Zentrum in dem Biosphärenreservat in Brandenburg. Die kleine Stadt mit Kahnhafen ist auch immer wieder Drehort für den „Spreewaldkrimi“ mit Schauspieler Christian Redl. Seit dem vergangenen Jahr gibt es sogar einen geführten Rundgang zu Drehorten in der Stadt. Laut Schmidgunst ist die Resonanz hoch.

„Tatort: Köln“: Tatsächlich können „Tatort“-Fans das berühmteste Requisit der Kölner Ausgabe der Krimireihe besuchen und sich dort wie die Kommissare Ballauf und Schenk eine Currywurst mit Pommes genehmigen. Allerdings haben sie dann nicht den eindrucksvollen Blick auf die Kölner Skyline, denn die „Wurstbraterei“ steht nur für den „Tatort“-Dreh auf der sogenannten „Schäl Sick“. Für den täglichen Betrieb parkt der Inhaber seinen Imbisswagen im Rheinauhafen, nahe der Südbrücke.

„Der Bergdoktor“: Die ZDF-Serie mit Hans Sigl ist für die Region Wilder Kaiser (Tirol) ein großer Gewinn. Die Menschen fragen ausdrücklich nach den Drehorten wie dem Dorfplatz, der Praxis und dem Wohnhaus der Grubers. Wanderungen oder E-Bike-Touren sind im Angebot, seit 2011 werden Fan-Tage im Mai und Oktober veranstaltet. Die 1300 Tickets für den Mai seien bereits weg, sagt der Geschäftsführer des Tourimusverbands Lukas Krösslhuber. Dort schreiben Sigl und andere Darsteller stundenlang Autogramme. Seit 2013 seien die Buchungen im Sommer um 27 Prozent geklettert. „Wohl die Hälfte davon kam dank des ,Bergdoktors‘.“

„Rote Rosen“: Die ARD-Serie „Rote Rosen“ ist aus Lüneburg kaum wegzudenken. Die Außenaufnahmen entstehen in der romantischen Altstadt, das Studio für die Innenaufnahmen steht am Stadtrand. Einmal im Jahr gibt es dort einen Fan-Tag für die Anhänger. „Eine bessere Werbung können wir uns nicht vorstellen“, sagt Oberbürgermeister Ulrich Mädge (SPD). Schon einige Monate nach dem Start der Serie im Jahr 2006 seien die Übernachtungszahlen in Lüneburg gestiegen, heißt es im Rathaus. Waren es damals noch rund 225 000 im Jahr, wurden 2015 fast 319 000 gezählt. Die Zahl der Gruppenführungen zur Serie habe sich von 35 im Jahr 2008 auf 175 im vergangenen Jahr verfünffacht. Die Rosen-Führungen sind meist ausgebucht, sie starten am Rathaus. Dort haben die „Rosen“-Souvenirs eine eigene Ecke in der Tourist-Info.

„Tierärztin Dr. Mertens“ und Dauer-Doku

Elisabeth Lanz ist Tierärztin Dr. Susanne Mertens im Leipziger Zoo.
Elisabeth Lanz ist Tierärztin Dr. Susanne Mertens im Leipziger Zoo. Foto: dpa
 

„Elefant, Tiger & Co“: Beide hätten für den Zoo Leipzig eindeutig positive Effekte, sagt Sprecherin Melanie Ginzel. „Wir erleben immer wieder, dass Besucher nach Leipzig kommen, weil sie den Zoo im Fernsehen gesehen haben.“ In Zahlen lasse sich das nicht fassen. Aber sowohl aus Zuschriften aller Art als auch aus Reaktionen an den Gehegen, wenn etwa aus dem TV bekannte Pfleger angesprochen werden, lasse sich das ablesen. Beide Sendungen seien perfekt dafür, um Menschen tierische Themen nahezubringen.

Claudia Schmutzler ermittelt am Alten Hafen in Wismar
Claudia Schmutzler ermittelt am Alten Hafen in Wismar Foto: Jens Büttner

„Soko Wismar“: Die Hansestadt Wismar profitiert nach Einschätzung der Tourismuszentrale klar von der Vorabendkrimiserie. Bei einer Umfrage in den Jahren 2015 und 2016 nannten 15 Prozent der Befragten als Reisemotivation und -information „Film und Fernsehen“, wie eine Sprecherin sagte. Dabei dürfte es sich hauptsächlich um „Soko Wismar“-Zuschauer handeln, meinte sie. Zu merken sei die Begeisterung an der Serie auch an den Teilnehmerzahlen der öffentlichen Stadtführung „Soko-Wismar, auf den Spuren der beliebten Fernsehserie“. Im vergangenen Jahr nahmen mehr als 1100 Gäste an 40 Führungen teil.

„GroSSstadtrevier“: Der Tourist steht gerne vor der Davidwache auf der Reeperbahn, die seit 30 Jahren im TV als Schauplatz für das „Großstadtrevier“ dient, im Glauben, er betrachte auch das Seriendomizil. Gedreht wird für die Serie allerdings in Hamburg-Bahrenfeld. Generell gilt: „Was wir spüren ist, dass Filme wie der ,Tatort‘, ob nun mit Til Schweiger oder Wotan Wilke Möhring, auch für Hamburg eine hohe Aufmerksamkeit bringen“, sagt Sascha Albertsen von der Hamburg Torismus GmbH. „Gerade bei solchen größeren Produktionen mit entsprechender Reichweite beobachten wir sehr genau, wie das in den sozialen Medien sehr stark kommentiert und diskutiert wird.“

 

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