Tierschutz : Asiens bedrohte Nashörner sind nicht leicht zu retten

Ein Tierarzt behandelt das Borneo-Nashorn  Puntung  im Tabin Wildlife Reservat in Lahad Datu auf Borneo.
Ein Tierarzt behandelt das Borneo-Nashorn Puntung im Tabin Wildlife Reservat in Lahad Datu auf Borneo.

Auf Borneo und Sumatra lebt die kleinste Rhinozeros-Art der Welt – aber wohl nicht mehr lange. Selbst in menschlicher Obhut gestaltet sich die Erhaltung der Art schwierig.

svz.de von
03. Februar 2014, 00:33 Uhr

„Wenn sie auf dich zukommt, stell dich hinter den nächsten Baum“, sagt Zainal Zahari Zainuddin mit gedämpfter Stimme, als sich Nashorndame Puntung plötzlich aus ihrem Schlammbad im Dschungel erhebt. Das 500-Kilo-Tier schüttelt das Haupt, macht einen Schritt und blökt. Sie warnt die Beobachter davor, näher zu treten. Borneo-Nashörner (Dicerorhinus sumatrensis harrisoni) sind Vegetarier, aber gern ungestört. Dann entspannt sich Puntung wieder. Sie spürt, dass keine Gefahr droht.

Der Veterinär Zainal von der Tierschutzgruppe Borneo Rhino Alliance (Bora) schaut regelmäßig nach Puntungs Gesundheit. Das Borneo-Nashorn lebt im zwei Hektar großen Tabin-Schutzgebiet im malaysischen Bundesstaat Sabah auf Borneo. Nur auf der Insel, deren indonesischer Teil Kalimantan heißt, und auf Sumatra ist die kleinste Rhinozeros-Unterart heimisch. Es gibt sie wohl schon seit etwa 20 Millionen Jahren, heute ist sie vom Aussterben bedroht.

Nicht einmal mehr 100 Exemplare leben nach Schätzungen von Tierschützern noch. Seit 30 Jahren existiert deshalb ein Zuchtprogramm. Es sieht vor, dass die in der Wildnis lebenden Nashörner gefangen und in Zoos und Reservate überführt werden – zu ihrem Schutz und damit sie zueinander finden. „Die Nashorn-Zahl ist zu klein und wilde Rhinos leben zu weit verstreut“, erklärt der Direktor der Artenschutzbehörde von Sabah, Laurentius Ambu. „Wenn wir nicht eingreifen, wird es unmöglich sein, eine neue Generation von Babynashörnern hervorzubringen.“ Die Zucht in Gefangenschaft sei der einzige Weg zur Arterhaltung, versichert auch Bora-Geschäftsführer John Payne. Nashörner beanspruchen ein großes Territorium für sich – Bullen rund 50 Quadratkilometer, Rhino-Kühe ziehen etwas kleinere Kreise. „Sie streifen allein durch den Wald, die Weibchen blöken und lassen Duftmarken zurück, wenn sie zur Paarung bereit sind“, erklärt Payne. „Aber es kann heutzutage vorkommen, dass einfach keine Männchen in der Nähe eines paarungswilligen Weibchens sind.“

Für ein Zuchtprojekt von Bora und dem deutschen Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung wurde Puntung 2010 ins Schutzgebiet geholt. Tam, ein 20-jähriger Bulle, ist seit 2008 da, zuvor lebte er in einer Ölpalmen-Plantage. Mit Nachwuchs hat es bisher nicht geklappt. Puntung leidet unter Endometriose, einer Erkrankung, die das Trächtigwerden erschwert. „Wir haben auch künstliche Besamung ausprobiert, bisher erfolglos“, sagt Payne. Mit Bluttests versuchten sie, den fruchtbaren Tag des Nashorns zu ermitteln. „Es gibt nur ein 24-Stunden-Fenster, in dem Tam Puntung besteigen könnte“, so Payne. „Wenn wir diesen Moment verpassen, wird Puntung keine Besteigung erlauben und das könnte zu einem sehr gewalttätigen Kampf führen.“

30 Jahre wird ein Borneo-Nashorn laut Bora-Angaben im Durchschnitt alt. Seit 1984 wurden laut der Organisation Save The Rhino International 40 Borneo-Nashörner in Malaysia und Indonesien gefangen und in Zoos und Reservaten auf der ganzen Welt untergebracht. Die meisten von ihnen sind mittlerweile gestorben, leider ohne Nachkommen zu hinterlassen. Erst Anfang Januar starb im Lok Kawi Reservat in Sabah eines von zehn verbliebenen Nashörnern an Altersschwäche.

Am erfolgreichsten bei der Vermehrung von Borneo-Nashörnern in Gefangenschaft war bislang der Zoo von Cincinnati in den USA. Dort kamen drei Kälber zwischen 2001 und 2007 zur Welt. Auch Indonesien machte 2012 mit einem männlichen Kalb Fortschritte. Die Tierschützer befürchten aber, dass der Nachwuchs nicht ausreicht, um das Aussterben des Borneo-Nashorns zu verhindern.


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