Fury in the Slaughterhouse : Alles kann, nichts muss

Kai (l.) und Thorsten Wingenfelder
Kai (l.) und Thorsten Wingenfelder

Kai Wingenfelder, Frontmann von Fury In The Slaughterhouse, hat mit seinem Bruder eine neues Album veröffentlicht

svz.de von
12. Juni 2018, 12:00 Uhr

Fury In The Slaughterhouse, die Band aus Hannover um Kai und Thorsten Wingenfelder, war nie so erfolgreich wie heute. Im Sommer und Herbst gehen die Furys noch einmal auf Tournee, bevor sie eine lange Schaffenspause einlegen. 2022, zu ihrem 35. Geburtstag, wollen sie eventuell wieder zusammenkommen. Motiviert durch den Erfolg ihrer Stammband haben die Wingenfelder-Brüder jetzt 20 neue, überaus abwechlungsreiche Songs in deutscher Sprache eingespielt, die sie unter dem Bandnamen „Wingenfelder“ veröffentlichen. Olaf Neuman sprach mit Sänger Kai Wingenfelder.

Das Album „Sieben Himmel hoch“ enthält 20 neue Songs. Was löste in Ihnen diesen Kreativitätsschub aus?
Kai Wingenfelder: Das weiß ich auch nicht. Vor dieser Produktion lag ein Jahr mit Fury In The Slaughterhouse. Das war so nicht geplant. Wir dachten, wir hätten ganz viel Zeit zum Schreiben, weil wir mit Fury eigentlich nur zwei Shows in der TUI Arena in Hannover spielen wollten. Und dann haben sich unsere Planungen komplett gedreht, weil diese Shows sofort ausverkauft waren. Was dazu führte, dass wir hinterher noch eine ganze Tour gespielt und zwei Platten in die Top 5 geballert haben. Aber die mussten wir ja erst einmal machen. Im Endeffekt verkauften wir auf unsere alten Tage über 130 000 Tickets und legten das erfolgreichste Jahr unserer Karriere hin.

Auf dem Fury-Jubiläumsalbum „30“ gab es auch sechs neue Songs. Kommt da noch mehr?
Nein. Wir spielen jetzt noch ein paar Shows und dann ist erst mal Schicht im Schacht. 2022 haben wir ein Angebot fürs Niedersachsenstadion (lacht). Da denken wir drüber nach. Wir machen alle fünf Jahre ein Klassentreffen. Wenn wir dann Bock auf ein neues Album haben, machen wir das. Und wenn nicht, dann nicht.

„Wir bleiben nicht für immer jung“ heißt es in einem Song. Wie alt fühlen Sie sich in einem Business, das immer jüngere „Stars“ generiert?
Ich war neulich auf der Echo-Verleihung. Ich hätte es lieber nicht tun sollen, denn ich traf dort auf die Lochis! (lacht) Peter Maffay ist sofort nach der Show gegangen, das hätte ich auch machen sollen, aber ich hatte da zu viele Freunde, die ich nur selten sehe. Ich bin aber gegangen, bevor Farid Bang in eine Schlägerei verwickelt wurde!

Das Alter ist mir übrigens scheißegal. Ich merke körperlich, dass ich nicht mehr 22 bin, aber geistig bin ich noch genauso ungestüm wie mit 23. Auf der Platte gibt es einen Song für meine Tochter, die sich in der Pubertät befindet. Er heißt „Hör bloß nicht auf zu träumen“. Das kann ich auch jedem 62-Jährigen empfehlen.

Was machen die Musiker von Wingenfelder anders als die Musiker von Fury In The Slaughterhouse?
Mit Wingenfelder kann ich die Dinge so machen, wie ich es gern möchte. Mein Bruder und ich sind musikalisch ziemlich deckungsgleich. Ich bin vielleicht ein bisschen wilder und experimenteller als er, aber wir sind der Meinung, dass wir mit dieser Band viel ausprobieren können. Und bei Fury kommt ein lustiges Häuflein zusammen, das in der einzelnen Variante musikalisch eher unbedeutend ist. Aber in dem Moment, wo wir sechs zusammenkommen, entsteht etwas Magisches. Ich weiß nicht, woran das liegt. Unsere Art zu spielen ist sehr locker und entspannt. Wir haben unsere eigene Nische gefunden, die mag man oder nicht. Wir sind eine Band, die polarisiert, aber wir haben in den vergangenen 365 Tagen wahnsinnig viel Spaß gehabt.

Sind die alten Spannungen gelöst worden?
Nein, es gibt sie immer noch, das macht uns ja aus. Aber wir haben unsere dämliche Art, damit umzugehen, abgelegt. Das hat etwas mit der Lässigkeit des Alters zu tun. Das macht es viel angenehmer, weil wir uns ja eigentlich mögen. Wie in jeder Beziehung gibt es auch bei uns Macken. Man muss nicht gleich in die Luft gehen, sondern kann sich auch lächelnd einigen. Wir haben das Jahr mit Fury nach dem Swingerclub-Prinzip gelebt: Alles kann, nichts muss. Mit Fury haben wir ein Jahr lang in einer ganz anderen Größenordnung gespielt, während wir mit Wingenfelder in Clubs auftreten. Aber ich freue mich drauf, weil diese Gigs immer sehr warm und herzlich sind. Und ich freue mich auch auf diesen einen Monat mit Fury. Wir spielen u.a. an Orten, an denen ich schon immer mal spielen wollte.

Wingenfelder – Sieben Himmel hoch-Tour:
22.09.18 Rostock , Mau-Club
25.09.18 Schwerin, Speicher
27.09.18 Wolfsburg, Hallenbad
30.10.18 Berlin, Franz
01.11.18 Magdeburg, Altes Theater

Fury In The Slaughterhouse – live 2018:
1.8.-4.8.18  A Summer’s Tale, Luhmühlen
18.08.2018  Loreley / St. Goarshausen, Freilichtbühne
31.8.2018 Hartenholm – Werner, das Rennen!
1.9.1208 Gronau, Open air an der Bürgerhalle

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