Von „Donna Leon“ bis „In aller Freundschaft“ : Im Gespräch mit Annett Renneberg

Annett Renneberg als Dr. Maria Weber an der Seite von Dr. Heilmann (Thomas Rühmann) in der Serie „In aller Freundschaft“
Annett Renneberg als Dr. Maria Weber an der Seite von Dr. Heilmann (Thomas Rühmann) in der Serie „In aller Freundschaft“

Die Schauspielerin Annett Renneberg hat ihre Lebensträume verwirklicht – inklusive Bauernhof in Mecklenburg

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29. Mai 2019, 20:00 Uhr

Ohne Signorina Elettras Hilfe wäre Brunetti oft aufgeschmissen. Die Sekretärin in Venedigs Kommissariat unterstützt die Ermittlungen der Polizei oft mit nicht ganz legalen Computer-Recherchen. Für die Liebhaber der ZDF-Reihe „Donna Leon“ sind der Commissario und die Vorzimmer-Dame stets gut für eine Überraschung. Seit Beginn der Verfilmungen der Romane von Donna Leon spielt Annett Renneberg die Signorina Elettra, seit nunmehr 19 Jahren.

Die Schauspielerin kam schon in frühester Jugend zum Film, per Zufall wurde die 13-Jährige bei einem Casting entdeckt. Später wollte sie Opernsängerin werden. Annett Renneberg schmunzelt: „Ich konnte mich schon als Kind nicht entscheiden, ob ich lieber Bauerstochter oder Prinzessin sein wollte. Nun habe ich beides irgendwie. Es ist alles ganz wunderbar so.“ In der großen weiten Welt ist sie eine gefeierte Schauspielerin, ihr Familienleben genießt sie auf einem Bauernhof in der Müritz-Region. Das war immer ihr Traum, ein Zuhause nahe der Natur mit viel Platz drum herum und vielen Tieren. „Über Kinder habe ich lange nicht nachgedacht, aber heute sind meine beiden Söhne das Schönste in meinem Leben.“

Dreharbeiten in Venedig als Geschenk

Gerade wurde die 25. Folge von „Donna Leon“ ausgestrahlt, die 26. Folge „Stille Wasser“ ist bereits abgedreht. Annett Renneberg erzählt: „Wir drehen alle zwei Jahre, zwei Filme nebeneinander. Das ist produktionstechnisch günstiger. Je nach Größe der Rolle bin ich einige Tage oder bis zu zwei Wochen in Venedig.“ Sie schätzt es als wunderbares Privileg, als Schauspielerin in einer solchen Stadt zu arbeiten, die viele als Traumort empfinden. „Es ist ein Geschenk, an diesem Ort arbeiten zu dürfen. Ich bin dort sehr gern, eine gewisse Zeit. Doch dann zieht es mich immer wieder nach Hause aufs Land, mir fehlen das satte frische Grün, die Bäume und Blumen.“

Für Annett Renneberg, 1978 in Rudolstadt geboren, begann die TV-Karriere, als sie für Rainer Behrends „Die Brut der schönen Seele“ vor der Kamera stand. Für die Darstellung einer drogenabhängigen Prostituierten in Volker Maria Arends Drama „Maja“ wurde sie 1995 für den TeleStar nominiert. Seither folgten über 80 Rollen in Kino- und Fernsehfilmen. Auch im Theater feiert die Mimin, die nie eine Schauspielschule besuchte, große Erfolge. 2009 wurden ihr der International Emmy Award und der Grimme-Preis für ihre Rolle als Lotte in dem Dreiteiler „Die Wölfe“ verliehen.

Bewunderung für Donna Leon

Annett Renneberg ist auch eine leidenschaftliche Vorleserin. Seit 2006 begleitet sie Donna Leon auf deren Lesereisen in Deutschland. (Der 28. Donna-Leon-Roman mit dem Titel „Ein Sohn ist uns gegeben“ ist übrigens gerade erschienen.) Sie schätzt insbesondere den Humor der amerikanischen Autorin, die lange Zeit in Venedig gelebt hat. „Sie kennt unglaublich viele absurde und komische Geschichten, die sie gern erzählt. Ich liebe ihre trockene Art. Und was sie erzählt, ist entweder sehr klug oder sehr lustig. Sie ist eine wunderbare Gesprächspartnerin. Donna Leon ist in jeder Lebenslage äußerlich gelassen. Ihr Leitspruch, an den ich mittlerweile sehr oft denke, ist: Smile and say Thank you. Das finde ich eine schöne Haltung dem Leben gegenüber, denn es findet sich immer etwas, wofür wir dankbar sein können.“

In der beliebten ARD-Krankenhausserie „In aller Freundschaft“ spielt sie seit 2017 die Rolle der Dr. Maria Weber, für sie eine schöne Abwechslung. Denn die Chirurgin ist eine empathische und humorvolle Frau, die nicht nur etwas von ihrem Fachgebiet, sondern auch vom behutsamen Umgang mit Patienten und Angehörigen versteht. „Allerdings ist ihr auch eine gewisse Zähigkeit eigen, wenn es gilt, eine Position zu verteidigen, die ihr wichtig ist“, betont Annett Renneberg. „Glaubt sie im Recht zu sein, nimmt sie wenig Rücksicht auf Hierarchien oder Anweisungen. Zuerst würde sie alles tun, um ihre Meinung zu untermauern und durchzusetzen. Wird sie aber vom Gegenteil überzeugt, fügt sie sich und ist auch nicht nachtragend.“

In Krimis spielt Annett Renneberg übrigens lieber das Opfer oder die Täterin, nicht so gern die Ermittler. Die findet sie meistens eher langweilig. „Irgendwie stellen die immer die gleichen Fragen. Wo waren Sie gestern Abend? Kannten Sie den Toten? Ich mache aber eine Ausnahme: Ermittlerin in Schwerin oder anderswo in Mecklenburg würde ich sofort werden wollen. Da habe ich einen Bezug zur Umgebung, das wäre dann doch schön.“

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