Album „Unsere Lieblingslieder“ : Rechtspopulistische Band Frei.Wild will Ärzte und Tote Hosen covern

Frei.Wild-Sänger Philipp Burger bei einem Konzert in Berlin.
Frei.Wild-Sänger Philipp Burger bei einem Konzert in Berlin.

Auch Cover von Kraftklub und Feine Sahne Fischfilet kündigen die Südtiroler auf ihrem Album "Unsere Lieblingslieder" an.

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13. Juni 2019, 05:40 Uhr

Brixen | "Weil du Schiss vorm Schmusen hast, bist du ein Faschist": Mit dieser Zeile beendeten Die Ärzte 1993 eine Bandpause und kehrten zurück auf die Bildfläche der deutschen Musiklandschaft. Nach den fremdenfeindlichen Angriffen in Rostock-Lichtenhagen und Solingen 1992 äußerten sie sich mit ihrem Song "Schrei nach Liebe" so politisch wie nie zuvor – und setzten ein klares Statement gegen Neonazis. Kurz zuvor hatten bereits die Toten Hosen mit "Sascha … ein aufrechter Deutscher" ein Lied veröffentlicht, in dem sie einen rechtsextremen deutschen Skinhead verspotten.

Frei.Wild covert auch Feine Sahne Fischfilet

Nun will ausgerechnet die rechtspopulistische Band Frei.Wild unter dem Titel "Unsere Lieblingslieder" ein Album veröffentlichen, auf dem sie unter anderem Songs der Ärzte und Toten Hosen spielen will. Das kündigte sie auf ihrem Instagram-Account an. Dazu schreiben die Südtiroler in Bezug auf die Künstler, deren Lieder sie covern wollen: "Danke, dass ihr uns gezeigt habt, was 'Wahre Werte' sind. Danke, dass ihr uns lehrt, was 'Rückgrat und Moral' bedeuten. Danke, dass wir durch Euch nun wissen, wie man 'mit dem Herzen fühlt und mit den Augen sieht.' Danke, dass wir erfahren durften, dass man alles schaffen kann, wenn man nur 'zusammen und vereint' zueinander steht." Das dazugehörige Cover ist im Stil einer Kinder-CD gehalten.

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Die aus Brixen stammenden Musiker um Sänger Philipp Burger stehen seit Jahren wegen rechtslastiger Textpassagen in der Kritik. In ihrem Song "Wahre Werte" heißt es: "Sprache, Brauchtum und Glaube sind Werte der Heimat / Ohne sie gehen wir unter, stirbt unser kleines Volk".

Weiterlesen: Frei.Wild und Feine Sahne Fischfilet – Herrscht im Rock der Hass?

2013 waren Frei.Wild von der Nominierungsliste des Musikpreises Echo gestrichen worden, nachdem andere Gruppen, wie beispielsweise Kraftklub, mit Boykott gedroht hatten. Nun will Frei.Wild auch "Schüsse in die Luft" von Kraftklub covern – ebenso wie beispielsweise "Alles auf Rausch" von Feine Sahne Fischfilet oder Lieder der Broilers und Jennifer Rostock. Mehrere dieser Bands haben in der Vergangenheit klar Stellung gegen Frei.Wild bezogen.

Philipp Burger: "Zählen nicht gerade zu ihren Lieblingen"

Ob das Album so etwas wie eine "Rache" sein solle, hat die "Bild"-Zeitung Burger in einem Interview gefragt. "Obwohl wir viele dieser Bands sehr schätzen, zählen wir nicht gerade zu ihren Lieblingen. Gute Lieder guter Bands, gecovert von einer 'verachtenswerten' und 'gefährlichen' Band wie uns – das gab es noch nie. Wir hätten es schon viel früher tun sollen. Wir möchten einmal im Leben zu den Guten gehören, das ist uns jetzt gelungen", so der 38-Jährige, der Anfang der 2000er-Jahre Mitglied einer Skinhead-Formation namens Kaiserjäger war. Dort sang er noch Textzeilen wie: "Diese Neger und Yugos werden sesshaft, doch den größten Teil der Schuld tragt nunmal ihr, weshalb hab'n wir auch dieses Gesindel hier!"

Inzwischen habe er sich von diesem Gedankengut distanziert, so Burger. Frei.Wild ordnet sich selbst als "überzeugt von bestimmten konservativen Werten" ein, sieht sich aufgrund der Kritik, der sie ausgesetzt, selbst in der Opferrolle. In der rechten Szene bleibt die Band beliebt.

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