Neue Vorwürfe von Kate Beckinsale : MeToo-Bewegung froh über harte Strafe für Weinstein – der ist "verwirrt"

Harvey Weinstein muss lange ins Gefängnis.
Harvey Weinstein muss lange ins Gefängnis.

Die MeToo-Bewegung jubelt, da äußert sich mit Kate Beckinsale eine weitere Betroffene von Weinsteins Machtmissbrauch.

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12. März 2020, 08:48 Uhr

New York | Die MeToo-Bewegung hat das harte Urteil für den früheren Hollywood-Mogul Harvey Weinstein (67) wegen Sexualverbrechen mit Freude und Erleichterung aufgenommen. "Ich glaub', ich werd' verrückt", kommentierte die Gründerin der Bewegung, Tarana Burke, am Mittwoch (Ortszeit) per Twitter, nachdem Weinstein zu 23 Jahren Haft verurteilt worden war. Für den gesundheitlich angeschlagenen Weinstein könnte das Strafmaß bedeuten, dass er den Rest seines Lebens im Gefängnis verbringen muss.

Zudem kündigte die Staatsanwaltschaft in Los Angeles noch am Mittwoch an, Schritte für die Auslieferung Weinsteins nach Kalifornien eingeleitet zu haben. Dort droht dem Ex-Mogul ein weiterer Prozess wegen Sexualverbrechen. Ein Termin für sein Erscheinen vor Gericht an der US-Westküste stand zunächst aber noch nicht fest.

Richter: Erste Verurteilung, aber nicht erste Vergehen

Im Prozess in New York verkündete Richter James Burke das Strafmaß von 23 Jahren am Mittwoch, rund zwei Wochen nachdem eine Jury Weinstein wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung schuldig gesprochen hatte. Die Höchststrafe wären 29 Jahre Haft gewesen. "Auch wenn das eine erste Verurteilung ist, ist es nicht das erste Vergehen", sagte Burke zur Begründung. "Vor mir liegen Beweise für andere Vorfälle von sexuellen Übergriffen von einer Reihe von Frauen und das sind alles legitime Erwägungen für die Strafe."

Eine Gerichtssaal-Skizze stellt Harvey Weinstein (Mitte) zwischen seinen Verteidigern dar, wie er beim Vorlesen seines Urteils im Gerichtssaal zuhört. Foto: dpa/Elizabeth Williams/FR142054 AP
Eine Gerichtssaal-Skizze stellt Harvey Weinstein (Mitte) zwischen seinen Verteidigern dar, wie er beim Vorlesen seines Urteils im Gerichtssaal zuhört. Foto: dpa/Elizabeth Williams/FR142054 AP

Weinstein spricht von Reue

Weinstein wurde in einem Rollstuhl in das Gericht in New York geschoben und wandte sich US-Medienberichten zufolge zum ersten Mal seit Beginn des Prozesses selbst an den Richter: "Ich fühle große Reue gegenüber euch allen. Ich fühle große Reue gegenüber allen Frauen. Ich fühle wirklich Reue für diese Situation. Ich fühle es tief in meinem Herzen. Ich versuche es wirklich, ich versuche wirklich, ein besserer Mensch zu sein." Die Vorwürfe hätten ihn "verwirrt".

Die zwei Frauen, auf deren Vorwürfen der Prozess beruhte, legten unter Tränen noch einmal ihre Sicht der Dinge dar. "Er hat mein Vertrauen missbraucht und meinen Körper und mein persönliches Recht, sexuelle Avancen abzulehnen", sagte die frühere Produktionsassistentin Mimi Haleyi.

Staatsanwalt: Strafe ist Warnung an alle Sexualstraftäter

Der New Yorker Bezirksstaatsanwalt Cyrus Vance bedankte sich nach der Verkündung des Strafmaßes bei dem Gericht "für eine Strafe, die eine Warnung an alle Sexualstraftäter und gewalttätigen Partner in allen Bereichen der Gesellschaft" sei. Weinsteins Chef-Verteidigerin Donna Rotunno bezeichnete die Strafe dagegen als "obszön" und "lächerlich". Sie hatte bereits zuvor angekündigt, in Revision gehen zu wollen.

Opferanwältin Gloria Allred hält ein Schild in die Höhe: 'So sieht Gerechtigkeit aus 20+3' steht darauf. Weinstein wurde zu 23 Jahren Haft verurteilt, 20 Jahre für 'kriminelle sexuelle Handlungen ersten Grades' (aufgezwungener Oralsex) und 3 Jahre für 'Vergewaltigung dritten Grades' (nicht einvernehmlicher Sex). Foto: AFP/Roy Rochlin/Getty Images
Opferanwältin Gloria Allred hält ein Schild in die Höhe: "So sieht Gerechtigkeit aus 20+3" steht darauf. Weinstein wurde zu 23 Jahren Haft verurteilt, 20 Jahre für "kriminelle sexuelle Handlungen ersten Grades" (aufgezwungener Oralsex) und 3 Jahre für "Vergewaltigung dritten Grades" (nicht einvernehmlicher Sex). Foto: AFP/Roy Rochlin/Getty Images

Reaktionen: "Geschichte wurde geschrieben"

Die Schauspielerin Mira Sorvino, die Weinstein ebenfalls sexuelle Übergriffe vorwirft, kommentierte per Twitter, sie habe "Tränen des Staunens und des Dankes" geweint. Das Justizsystem habe diesmal für alle Opfer gearbeitet. Auch Schauspielerin Kristin Davis schrieb, sie weine "Tränen der Erleichterung". Schauspielerin Padma Lakshmi kommentierte, sie sei dankbar für alle, "die ihre Erfahrungen in den Händen dieses Monsters geschildert haben". "Geschichte wurde geschrieben", kommentierte Schauspielerin Kristin Booth.

Der Investigativ-Journalist Ronan Farrow, der die Vorwürfe gegen Weinstein mit aufgedeckt hatte, schrieb: "Heute wurde die Macht der Menschen gezeigt, die laut werden aus einer deutlich geringeren Machtposition heraus und mit großem persönlichen Risiko."

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Kate Beckinsale teilt schockierende Begegnung mit Weinstein

Hollywood-Schauspielerin Kate Beckinsale hat am Donnerstag auf Instagram eine Szene mit dem nun verurteilen Weinstein nacherzählt. Demnach habe der damalige Filmproduzent sie 2001 zur Premiere in New York gezwungen, obwohl sie es kurz nach dem Terroranschlag auf das World Trade Center als unangemessen empfand. Als Weinstein sie und ihr Kind daraufhin zu einem Spieltreffen in sein Hotel einlud, hätte er sie angeschnauzt, weil sie auf dem Roten Teppich im Anzug erschienen war. "Wenn ich auf den Roten Teppich einlade, dann ziehst du ein enges Kleid an, wackelst mit dem Arsch und den Titten und ziehst dich nicht an wie eine Lesbe, du verfickte Fotze." Dies sei nur "eine von vielen" Vorfällen gewesen, schreibt Beckinsale. Davon zu hören, dass Weinstein nun mindestens 23 Jahre weggesperrt wird, empfinde sie als "riesige Erleichterung". Jeglicher Machtsmissbrauch in der Filmbranche sollte enthüllt und bekämpft werden, schreibt die 46-Jährige, die mit der Filmreihe "Underworld" erfolgreich war.

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Prozess nach Vorwürfen von mehr als 80 Frauen

Eine Jury hatte Weinstein Ende Februar wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung für schuldig befunden. Nicht schuldig sei er aber in den beiden schwersten Anklagepunkten des "raubtierhaften sexuellen Angriffs" sowie eines noch schwereren Vorwurfs bezüglich Vergewaltigung. In dem aufsehenerregenden Prozess ging es vor allem um zwei Vorwürfe: Weinstein soll 2006 die Produktionsassistentin Haleyi zum Oralsex gezwungen und die heutige Friseurin Jessica Mann 2013 vergewaltigt haben.

Nach dem Schuldspruch war der gesundheitlich angeschlagene Weinstein zunächst in ein Krankenhaus gekommen und dann in das Gefängnis Rikers Island in der Millionenmetropole New York. Nun soll er in einem Gefängnis im Bundesstaat New York untergebracht werden. Nachdem sich der wegen Sexualverbrechen angeklagte Unternehmer Jeffrey Epstein vergangenes Jahr in einem Gefängnis in Manhattan das Leben genommen hatte, dürften die Sicherheitsmaßnahmen im Fall Weinstein besonders im Fokus stehen.

Mehr als 80 Frauen werfen Weinstein sexuelle Übergriffe vor. Die Anschuldigungen gegen den Produzenten, im Herbst 2017 von der "New York Times" und dem Magazin "New Yorker" veröffentlicht, waren der Anfang der MeToo-Bewegung. Überall auf der Welt erkannten viele Frauen und auch einige Männer ihre eigenen Geschichten in denen der mutmaßlichen Weinstein-Opfer wieder – sie begannen, diese Geschichten unter dem Schlagwort #MeToo ("Me too"/"Ich auch") zu sammeln.

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