Im Alter von 100 Jahren : Filmlegende Artur Brauner ist tot

Artur Brauner ist tot.
Artur Brauner ist tot.

Der älteste aktive Film-Produzent Deutschlands ist gestorben. Artur "Atze" Brauner wurde 100 Jahre alt.

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07. Juli 2019, 18:25 Uhr

Berlin | Einer der erfolgreichsten deutschen Filmproduzenten ist tot: Artur Brauner ist laut übereinstimmender Medienberichte am Sonntag im Alter von 100 Jahren gestorben. Das teilte seine Familie am Abend mit. Brauner sei friedlich eingeschlafen. Zuerst hatte die "Bild"-Zeitung über den Todesfall berichtet.

Seinen 100. Geburtstag feierte Brauner im vergangenen Jahr im Berliner Kino Zoo Palast mit knapp 700 Gästen. Von seinen Freunden und Weggefährten wurde er liebevoll "Atze" genannt. Am 1. August wäre der im polnischen Lodz geborene Produzent 101 Jahre alt geworden.

Brauner prägte das deutsche Nachkriegskino wie kaum ein anderer

Stars wie Romy Schneider, Heinz Rühmann, Curd Jürgens, O.W. Fischer und Caterina Valente standen in seinen Berliner Filmstudios vor der Kamera. Von ihm produzierte Streifen wie „Dr. Mabuse“, „Mädchen in Uniform“ und „Der Tiger von Eschnapur“ wurden zu Kassenschlagern.

Mehr als 700 Kinofilme und TV-Produktionen entstanden in Brauners Berliner CCC-Studios, unter anderem drehte er auch "Der brave Soldat Schweijk“ (1960) und „Die weiße Rose“ (1982). Im Jahr 1972 bekam er den Oscar für den Film „Der Garten der Finzi Contini”.

Filmproduzent im Land der Mörder seiner Familie

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) würdigte Brauner als "einen der wichtigsten Filmproduzenten der jungen Bundesrepublik". "Dass er als ehemals verfolgter polnischer Jude nach dem Zweiten Weltkrieg in das Land der Mörder seiner Familie ging, um Filme zu produzieren und sich auch für den demokratischen Wiederaufbau Deutschlands engagiert einsetzte, ist ein wahres, ein großes Geschenk für unser Land", hieß es in einer Mitteilung.

Artur Brauner und seine Tochter Alice.
dpa/Britta Pedersen
Artur Brauner und seine Tochter Alice.

Brauner, der 49 jüdische Verwandte in den Konzentrationslagern der Nazis verlor, erinnerte außerdem mit zahlreichen Filmen an das Schicksal der Holocaust-Opfer. Bereits 1948 hatte Brauner bei den Filmfestspielen in Venedig "Morituri" über die Flucht von Häftlingen aus einem Konzentrationslager gezeigt.

Aufsehen erregte die nach einer wahren Geschichte entstandene Brauner-Produktion "Hitlerjunge Salomon" (1990/Regie Agnieszka Holland). Darin gibt sich ein jüdischer Junge als Hitler-Junge aus, um zu überleben. Das Drama gewann einen Golden Globe, wurde von der deutschen Auswahlkommission überraschend aber nicht für einen Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert. Im Gegensatz zu Deutschland war der Film in den USA ein großer Publikumserfolg.

Den Holocaust überlebt

"Auschwitz-Überlebende in aller Welt verabschieden sich von Artur Brauner mit Wehmut und großer Dankbarkeit", sagte Christoph Heubner, Vizepräsident Internationales Auschwitz Komitee, am Sonntagabend laut Mitteilung. "Sein Wille, der Welt vor Augen zu führen, was in den Lagern der Nazis und während des Holocaust geschehen war, rührte aus dem eigenen Erleben und dem nie endenden Schmerz angesichts des Verlustes vieler seiner Familienangehörigen." In vielen Filmen habe er den Ermordeten und den Überlebenden eine Stimme gegeben.

Brauner überlebte den Holocaust versteckt in der Sowjetunion. 1946 kam er nach Berlin und gründete seine Filmgesellschaft. In den CCC-Filmstudios war Brauner zu Beginn gleichzeitig Produzent, Atelierchef, Dramaturg, Besetzungschef und Buchhalter. Er verfilmte auch zahlreiche Abenteuerromane wie "Der Schut" und "Old Shatterhand" mit Lex Barker und Pierre Brice.

Tochter führt sein Lebenswerk fort

Brauner, Vater von zwei Töchtern und zwei Söhnen, war jahrzehntelang gemeinsam mit seiner Frau Maria Stammgast bei den großen gesellschaftlichen Ereignissen Berlins. Brauners Tochter Alice führt als Produzentin bereits seit einigen Jahren das Lebenswerk ihres Vaters fort.

Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, schrieb bei Facebook: "Artur Brauners Durchhaltewillen, seine Zielstrebigkeit und seine unbedingt lebensbejahende Einstellung beeindruckten jeden, der das Glück hatte, ihn kennenzulernen. Mit ihm verlässt uns ein Mensch, der Generationen geprägt und unser Land bereichert hat. Er wird uns fehlen."

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