Vorgeschichte zu Harry Potter : Phantastische Tierwesen 2: Wie gut ist Joanne K. Rowlings neuer Film?

Dandy des Grauens: Johnny Depp spielt als Titelschurke in 'Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen'.
Dandy des Grauens: Johnny Depp spielt als Titelschurke in "Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen".

Newt Scamander und Dumbledore kämpfen gegen den bösen Zauberer Grindelwald: "Phantastische Tierwesen 2" kommt ins Kino.

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12. November 2018, 16:05 Uhr

Berlin | Das Potter-Universum wächst: Mit "Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen" legt Joanne K. Rowling den zweiten Teil der Vorgeschichte zu Harry Potters Abenteuern vor. Am Donnerstag, 15. November 2018, kommt der Film ins Kino.


Das Böse ist wieder im Spiel

Fünf Filme soll die Reihe einmal umfassen, mit der J. K. Rowling ihr magisches Universum jetzt direkt auf der Leinwand erweitert. Der Auftakt drehte die Zeit aus Potters 90ern in die 20er Jahre zurück, setzte den Magizoologen Newt Scamander (Eddie Redmayne) in eine magische Menagerie und stellte dabei vor allem die immer noch unerschöpfliche Fantasie der Autorin unter Beweis. Die finsterste Kreatur war zweifellos der Zauberer Gellert Grindelwald; nachdem er im letzten Teil eingekerkert wurde, beginnt der neue nun mit seiner spektakulären Flucht.

Charismatisch wie ein zweiter Hannibal Lecter sitzt Grindelwald regungslos im Verlies. Als er an einen anderen Ort überführt werden soll, bringt er trotz magischer Hochsicherheitsvorkehrungen die Kutsche unter seine Kontrolle und lässt sie so lange durch Wasser und Luft rasen, bis die Wächter herausgeschleudert oder ertrunken sind. Gelingen konnte das nur, weil Grindelwald seinen Körper mit dem eines versteckten Helfers vertauscht hatte. Der Trick gibt dem zweiten "Tierwesen"-Film das zentrale Motiv: Immer wieder konfrontieren Rowling und ihr Stammregisseur David Yates – nach den vier letzten Potter-Filmen inszeniert er auch die neue Reihe – das Publikum mit unsicheren Identitäten: Scamanders nicht-magischer Freund Kowalski steht unter einem hypnotischen Liebeszauber, eine Zirkusartistin verwandelt sich in eine Schlange. Und Credence Barebone, ein mächtiger Zauberer, den die Jahre als Adoptivkind einer Hexenjägerin verstört haben, sucht verzweifelt nach seiner Herkunft. Alle anderen suchen nach ihm: Seine Fähigkeiten sind der Schlüssel zu einer brutalen Revolution, bei der Grindelwald die Herrschaft reinblütiger Magier über die Menschen errichten will.

Klassenfoto: Die Stars aus 'Phantastische Tierwesen 2'.
Courtesy of Warner Bros. Picture
Klassenfoto: Die Stars aus "Phantastische Tierwesen 2".

Was will Gellert Grindelwald?

Johnny Depp macht den Schurken zum Dandy des Bösen: Bis ins Schnurrbärtchen blondiert, in Lederstiefeln und hochgestelltem Kragen ist Grindelwald Visionär und Verführer in einem. Wo der schüchterne Scamander niemandem in die Augen sehen kann, bezwingt sein Gegner jeden allein mit dem Blick. Und auch dem ihm gesteht Rowling Mehrdeutigkeit zu, nicht nur durch die einstige Liebe, die ihn mit seinem heutigen Gegenspieler Dubledore verbindet. (Ein Amulett mit dem Blut der beiden wird als zentrales Artefakt der Reihe etabliert.) Auch die Weise, in der Rowling Grindelwald seinen totalitären Rassismus rechtfertigen lässt, hat etwas Schillerndes. Beim Blick in die Kristallkugel zeigt er den Zauberern der 20er Jahre, worauf die Menschheit gerade zusteuert: auf Weltkrieg und Atombombe. Überspitzt gesagt, will Grindelwald also als Diktator die Macht ergreifen, damit Hitler es nicht tut.

Natürlich bietet auch der neue Ausflug in Rowlings Welt Schauwerte in Serie: Der Film dürfte nicht die "Tierwesen" im Titel tragen, wenn Scamander nicht auf Schritt und Tritt von possierlichen Kreaturen begleitet würde oder auf einer Art Nessie durchs Wasser ritte; selbst in heiteren Episoden bekommt der Zauber eine düstere Note: Gleich zu Beginn kämpft ein Mann gegen Stürme, die niemanden außer ihn selbst vom Gehsteig drücken – ein Gag, der auch als Bild für existenzielle Verlassenheit taugt. Und wo böse Zauber wirken, zerfallen Personen zu Asche, verschwindet London unter Leichentüchern, lodert blaues Feuer. Mit dem Parasiten im Auge eines Sympathieträgers gibt es sogar Anleihen beim Horrorfilm.

Erzählerisch spürt man im zweiten Teil der Reihe, wie sehr Rowling die klare Jahrgangsstruktur der Potter-Geschichten fehlt: "Grindelwalds Verbrechen" springt von Paris nach London, wechselt die Zeitebenen, unterschneidet den Kampf gegen das Böse mit Liebesverwicklungen und Geschwisterkonflikten – und tritt trotzdem auf der Stelle. Harry und Hermine wurden Schritt für Schritt erwachsen, und die Filme mit ihnen. Diesmal fühlt es sich so an, als würden die Figuren vor allem in die Startposition für den nächsten Teil geschoben – auf den man weitere zwei Jahre warten muss.

"Phantastische Tierwesen 2: Grindelwalds Verbrechen." USA 2018. R: David Yates , D: Eddie Redmayne, Johnny Depp, Katherine Waterston, Ben Fogler, Zoë Kravitz, Jude Law. 134 Minuten, FSK: ab 12 Jahren.

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