Kuriose Missgeschicke in Museen : Dreijährige wirft Kunstwerk bei "Art Basel" um – längst kein Einzelfall

Bei der 'Art Basel' gibt es unter anderem Brent Waddens Kunstwerk 'Score 1 (Salt Spring)' zu sehen.
Bei der "Art Basel" gibt es unter anderem Brent Waddens Kunstwerk "Score 1 (Salt Spring)" zu sehen.

Auch in anderen Museen haben Tollpatsche schon so manchen Skandal verursacht.

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17. Juni 2019, 15:28 Uhr

Basel | Auf der weltweit größten Kunstmesse "Art Basel" soll ein dreijähriges Mädchen versehentlich eine Plastik-Fliege zerstört haben. Auch unsere Redaktion vermeldete den Vorfall an dieser Stelle und bezog sich dabei auf einen Bericht der "Bild"-Zeitung, die auch ein Foto den vermeintlichen Schadens zeigte.

Demnach hieß es zunächst, die weißen Flügel seien abgebrochen, nachdem das Mädchen sie vom Sockel geworfen hatte. Der Wert des Kunstwerks wurde auf 50.000 Euro beziffert. Später dementierte eine Sprecherin der Kunstmesse, dass das Werk "Fliege" Schaden genommen habe.

In der Vergangenheit hat es schon ähnliche Missgeschicke in Museen gegeben – mit teuren Folgen. Ein kleines Best-of im Folgenden:

Die spielenden Jungs

2018 wurden die Eltern eines Fünfjährigen mit einer Rechnung über umgerechnet rund 120.000 Euro konfrontiert, nachdem ihr Sohn beim Spielen eine Skulptur umgeworfen hatte. Erst umarmte der Junge die "Aphrodite di Kansas City" des Künstlers Bill Lyons, die ebendort in einem Gemeinschaftszentrum ausgestellt war. Dann stürzte der Torso vom Podest und der Junge auf ihn drauf.

Die Überwachungskamera zeigt, wie die Mütter der Kinder auf dem Sofa quatschen. Das wurde der Mutter des Pechvogels zum Verhängnis. Die Versicherungsfirma warf ihr später vor, ihre Aufsichtspflicht verletzt zu haben.

Der Kaffeebecher-Stolperer

2015 stolperte ein Zwölfjähriger in Taiwan und landete mit dem Kaffeebecher in der Hand in einem 350 Jahre alten Gemälde. Das Bild "Flowers" von Paolo Porpora war umgerechnet 1,3 Millionen Euro wert und musste für knapp diese Summe restauriert werden.

Die eifrige Putzfrau

2011 hat eine Reinigungskraft im Dortmunder Ostwall-Museum eine Installation des Künstlers Martin Kippenberger zerstört. Dessen 800.000-Euro-Werk besteht aus einem Brettergestell und einer bekleckerten Tropfwanne darunter.

Da waren die Kalkflecken im Trog noch zu sehen: das Werk 'Wenn's anfängt durch die Decke zu tropfen' des Künstlers Martin Kippenberger. Foto: dpa/Bernd Thissen
Da waren die Kalkflecken im Trog noch zu sehen: das Werk "Wenn's anfängt durch die Decke zu tropfen" des Künstlers Martin Kippenberger. Foto: dpa/Bernd Thissen

Die Putzfrau erkannte die Installation mit dem Titel "Wenn's anfängt durch die Decke zu tropfen" jedoch nicht als Kunstwerk und wischte den Trog ordentlich aus. Die Museumsmitarbeiter waren fassungslos: Der kunstvoll aufgebrachte Kalkfleck ist nun für immer weg.

Die Äffchen-Restauration

2012 versuchte eine 82-jährige spanische Hobbymalerin das abgeblätterte Jesus-Fresko "Ecce Homo" in ihrer Heimatkirche auszubessern. Dabei entstellte sie jedoch das Gesicht derart, dass der Pfusch international Aufsehen erregte. Jesus sehe nun wie "ein Affe" aus, urteilten Medien. Im Internet wurde das Bild zum Meme "Potato Jesus".

Das verschandelte Bild zog jedoch auch massenhaft Besucher in das Städtchen Borja. Die örtliche Kulturbehörde war der Rentnerin somit nicht böse. Sie habe es ja nur gut gemeint, hieß es.

Die Geschichte, wie Cecilia Gimenez sich entschied das Fresko zu übermalen, wurde sogar in der spanischen Version der Oper 'Behold the Man' verarbeitet. Hier die Künstlerin bei der Premiere. Foto: imago images/Agencia EFE/Toni Galan
Die Geschichte, wie Cecilia Gimenez sich entschied das Fresko zu übermalen, wurde sogar in der spanischen Version der Oper "Behold the Man" verarbeitet. Hier die Künstlerin bei der Premiere. Foto: imago images/Agencia EFE/Toni Galan

Der Sturz in den Picasso

2010 verlor eine Frau im New Yorker Metropolitan Museum of Art das Gleichgewicht und riss ein Loch in ein Frühwerk des Künstlers Picasso. Das Gemälde "Der Schauspieler" von 1904 konnte aber nach fachkundiger Inspektion relativ unauffällig repariert werden.

Die verflixten Schnürsenkel

2006 verfing sich ein Museumsbesucher im britischen Cambridge in seinen Schnürsenkeln, stürzte eine Treppe hinunter und riss drei kostbare chinesische Vasen um. Ein Bild zeigt den Tollpatsch, der mitten im Scherbenhaufen sitzt. Die Vasen aus der Qing-Dynastie wurden ungefähr 1800 getöpfert und standen mehr als 40 Jahre auf der Fensterbank im Fitzwilliam-Museum. Ihr Wert wurde auf 500.000 Pfund geschätzt.

Mittlerweile stehen Exemplare der kostbaren Vasen nicht mehr im Treppenhaus des Fitzwilliam Museums, sondern in Vitrinen. Foto: imago images/ZUMA Press/Keith Mayhew
Mittlerweile stehen Exemplare der kostbaren Vasen nicht mehr im Treppenhaus des Fitzwilliam Museums, sondern in Vitrinen. Foto: imago images/ZUMA Press/Keith Mayhew

Der 42-Jährige wurde kurz darauf festgenommen. Die Polizei verdächtigte ihn, die Vasen womöglich absichtlich zerstört zu haben. Dieser betonte jedoch in einem Interview mit dem "Guardian", es sei ein Unfall gewesen. Auch habe er kein Hausverbot erhalten und wolle das Museum daher wieder besuchen – nachdem die erste Vase zusammengeklebt ist.

Die berühmte Fettecke

1986 warf die Putzkolonne der Düsseldorfer Kunstakademie die "Fettecke" von Joseph Beuys in den Müll. Auf dem rechten Bild sieht man den deutschen Aktionskünstler 1969, nachdem er die "Fettecke" in der Kunsthalle Bern installiert hat:

Der Prozess um die versehentliche Entsorgung machte die Fettecke zu einem der bekanntesten Werke von Beuys. Das Land Nordrhein-Westfalen musste daraufhin 40.000 DM Schadensersatz zahlen.

Nur noch Spuren der zerstörten Fettecke im ehemaligen Atelier Raum 3 von Joseph Beuys waren 2016 in der Kunstakademie zu sehen. Foto: dpa/Rolf Vennenbernd
Nur noch Spuren der zerstörten Fettecke im ehemaligen Atelier Raum 3 von Joseph Beuys waren 2016 in der Kunstakademie zu sehen. Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Die legendäre Badewanne

1973 war bereits ein anderes Werk von Joseph Beuys als solches verkannt und deshalb gereinigt worden: Seine mit Mullbinden, Fett, Draht und Pflastern beklebte Badewanne wurde in Leverkusen für eine neue Ausstellung eingelagert. Der SPD-Ortsverein feierte im Museum ein Fest und suchte eine Schüssel zum Gläserspülen. Zwei Frauen schrubbten dafür die Wanne sauber – der Skandal war perfekt.

Der Künstler war pikiert, der Leihgeber verglich die verunstaltete Wanne mit einem "rasierten Kaktus". Die Stadt Wuppertal musste als Leihnehmer Schadensersatz von fast 100.000 DM zahlen. Beuys versuchte später die Badewanne wieder in den Originalzustand zu versetzen. Sie steht heute in der Beuys-Sammlung im Lenbachpalais in München.

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