50 Jahre Woodstock-Festival : Freie Liebe, Rock'n Roll und Regenchaos: So lief der zweite Tag in Woodstock 1969

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Woodstock 1969: Vor 50 Jahren fand das wohl legendärste Festival der Welt statt. In Fotos und Videos erzählen wir das Woodstock-Festival nach. So lief der zweite Tag am 16.08.1969.
Woodstock 1969: Vor 50 Jahren fand das wohl legendärste Festival der Welt statt. In Fotos und Videos erzählen wir das Woodstock-Festival nach. So lief der zweite Tag am 16.08.1969.

50 Jahre Woodstock: Hier erzählen wir die Geschehnisse anhand von Videos und Fotos chronologisch nach. Tag 2, 16.08.1969.

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16. August 2019, 05:30 Uhr

Bethel | Das Woodstock-Festival prägte eine ganze Generation. Zwischen Vietnam-Krieg und Bürgerrechtsbewegung feierten 1969 rund 500.000 Menschen drei Tage lang friedlich zu Weltklasse-Musik. Noch heute löst das Woodstock-Festival Nostalgie für eine Ära aus, in der sich Rockmusik an junge Leute richtete, Batik als cool galt und lange Haare ein Statement waren. Wir erzählen die Geschehnisse der Festivaltage, 15. bis 18. August 1969, chronologisch nach.

Weiterlesen: So lief der erste Tag in Woodstock: Anreise-Chaos und Folkmusik satt

Heute vor 50 Jahren: Bühne frei für die Rock-Acts

John Fogerty ärgert sich wohl noch immer darüber, dass er damals nach dem legendären Woodstock-Festival sein Veto einlegte. Der kalifornische Sänger und Songschreiber wollte nicht, dass der Auftritt seiner Band "Creedence Clearwater Revival" im August 1969 auf dem Woodstock-Dokumentarfilm und dem Dreifach-Album erschien. Angeblich war er zu schlecht gewesen. Janis Joplin, The Who und Jefferson Airplane waren klüger: Sie waren in dem oscarprämierten Film vertreten, der den weltweiten Mythos des dreitägigen Events erst begründete. Für Neulinge wie Santana war Woodstock zudem das Sprungbrett für eine internationale Karriere.

Das Original-Lineup vom Woodstock-Festival 1969. Foto: imago/ZUMA Press
Brian Cahn
Das Original-Lineup vom Woodstock-Festival 1969. Foto: imago/ZUMA Press

All diese Künstler traten am Samstag auf, der gegen 12 Uhr mit dem Musiker Quill begann und fast 24 Stunden später mit Jefferson Airplanes "Musik für die Morgenverrückten" enden sollte. Der Ablauf am zweiten Tag war chaotisch, obwohl dem Festival monatelange Planung vorausging. Der Sommer 1969 war so regnerisch wie schon lange nicht mehr, immer wieder zogen heftige Gewitter über das Gelände hinweg, die Wiese mit allem elektrischen Bühnen-Equipment wurde zu einem matschigen Sumpf.
 

Lesen und sehen Sie hier das Lineup des zweiten Tages vom Woodstock-Festival 1969 inklusive Videos der Auftritte:

12.15 Uhr: Quill

Bisher war er in kleineren Clubs aufgetreten. Am zweiten Tag des Woodstock-Festivals eröffnete Quill den Festivaltag. Die Versuche das Publikum einzubinden, scheiterten etwas an der Größe der Menschenmenge. Oder vielleicht waren sie auch einfach noch zu müde vom ersten Tag und der beschwerlichen Anreise.

  1. They Live the Life
  2. That’s How I Eat
  3. Driftin'
  4. Waitin’ for You

13 Uhr: Country Joe McDonald

Der Gründer der Psychedelic-Folkrockband Joe an The Fish hatte seine Gitarre vergessen. Also besorgte man ihm ein Instrument. McDonald spielte dann über eine halbe Stunde lang ein simples und entspanntes Soloset. Das Publikum sang über weite Passagen mit.

  1. Janis
  2. Donovan’s Reef
  3. Heartaches by the Number
  4. Ring of Fire
  5. Tennessee Stud
  6. Rockin’ Round the World
  7. Flying High
  8. I Seen a Rocket
  9. The "Fish" Cheer/I-Feel-Like-I’m-Fixin’-to-Die Rag

14 Uhr: Santana

Dann war es Zeit für Latin-Rock: Santana hatten gerade ihr erstes Album herausgebracht, waren in den USA also noch relativ unbekannt. Ihr energisches Set mit ausgiebigen Gitarrenriffs und Drum-Solos kam beim Woodstock-Publikum bestens an. Bis heute legendär ist das Schlagzeug-Solo von Michael Shrieve beim Song "Soul Sacrifice".

  1. Waiting
  2. Evil Ways
  3. You Just Don’t Care
  4. Savor
  5. Jingo
  6. Persuasion
  7. Soul Sacrifice
  8. Fried Neckbones and Some Home Fries

15.30 Uhr: John B. Sebastian

Der Act, der gar nicht eingeplant war: Der Rockmusiker John B. Sebastian hatte sich nach eigenen Angaben zugedröhnt hinter der Bühne aufgehalten und habe die Aufforderung, ein Konzert zu geben, schlicht nicht ablehnen können. Nur mit akustischer Gitarre ausgestattet performte er mehrere Lieder. Seinen Song "Younger Generation" widmete er einem Baby im Publikum. Sein Appell: "Liebt einfach jeden Menschen neben euch und nehmt auf dem Rückweg etwas Müll mit" wurde Kult.

  1. How Have You Been
  2. Rainbows All Over Your Blues
  3. I Had a Dream
  4. Darlin’ Be Home Soon
  5. Younger Generation

16.45 Uhr: Keef Hartley Band

Die Mitglieder der Keef Hartly Band waren die ersten britischen Künstler, die bei Woodstock auftraten. Gleichzeitig war es auch ihr erster Auftritt in den USA. Kurz zuvor hatten sie ihr Album Halfbreed veröffentlicht. Gerüchten zufolge sollen die Briten mit den Instrumenten von Santana gespielt haben.

  1. Spanish Fly
  2. She’s Gone
  3. Too Much Thinking
  4. Believe in You
  5. Rock Me Baby
  6. Sinnin’ for You / Leaving Trunk / Just to Cry / Sinnin’ for You

Vom Auftritt gibt es kein Video, nur einen Audio-Mitschnitt, an den Keef Hartley erst 2004 durch einen Fan kam.

18 Uhr: The Incredible String Band

Ihren Auftritt am Vortag hatte The Incredible String Band noch abgesagt. Es schien den Musikern zu gefährlich, ihre elektrischen Verstärker bei Regen zu nutzen. Am Samstag, den 16. August 1969, schien jedoch die Sonne und die Musiker der The Incredible String Band versuchten, dem Publikum mit Psychedelic Folk einzuheizen. Doch der Funke sprang nicht über: Die Band war die einzige des Festivals, von der keine Zugabe verlangt wurde.

  1. Invocation
  2. The Letter
  3. Gather 'Round
  4. This Moment
  5. Come with Me
  6. When You Find Out Who You Are

19.30 Uhr: Canned Heat

Canned Heat hingegen begeisterte das Publikum mit ihrem Auftritt. Sie traten gegen 19.30 Uhr auf und hatten Glück, ihre Songs vor dem Sonnenuntergang (19.56 Uhr) spielen zu dürfen. Der stimmungsvolle Himmel, die weise ausgewählten Lieder (ua. die Hits "Going Up the Country" und "On the Road Again") machten den Auftritt für viele unvergessen, obwohl noch zwei Tage zuvor der bisherige Gitarrist aus der Band geschmissen wurde. Ihr Song "Going Up the Country" schoss danach an die Spitze der amerikanischen Charts und wurde später zur inoffiziellen Hymne des Festivals.

  1. I'm Her Man
  2. Going Up the Country
  3. A Change Is Gonna Come / Leaving This Town
  4. Rollin' Blues
  5. Woodstock Boogie
  6. On the Road Again

21 Uhr: Mountain

Nach Canned Heat folgte mit Mountain heftiger Blues Rock. Woodstock war erst der vierte Auftritt der Band – und dieser vor 500.000 Menschen.

  1. Blood of the Sun
  2. Stormy Monday
  3. Theme for an Imaginary Western
  4. Long Red
  5. For Yasgur's Farm (song was untitled at the time)
  6. Beside the Sea
  7. Waiting to Take You Away
  8. Dreams of Milk and Honey / Guitar Solo
  9. Southbound Train

22.30 Uhr: Grateful Dead

Der Auftritt von Grateful Dead verlief alles andere als rund. Frontman Jerry Garcia soll ziemlich genervt gewesen sein, von den vielen technischen Problemen, die durch den wieder einsetzenden Regen entstanden sind. Die Band soll zudem einige Stromstöße erlitten haben. Da der Auftritt bewusst weder in den Film noch in das Album mit aufgenommen wurde, wussten viele Menschen lange Zeit überhaupt nichts davon. Der Auftritt war dementsprechend längst nicht so ikonisch, wie man es 50 Jahre danach beim Klang von Woodstock in Verbindung von Grateful Dead vermuten könnte.

  1. St. Stephen
  2. Mama Tried
  3. Dark Star
  4. High Time
  5. Turn On Your Love Light

0.30 Uhr: Creedence Clearwater Revival

Der zweite Festivaltag sollte ein langer werden für alle Besucher und Musiker. Co-Headliiner Creedence Clearwater Revival (CCR) traten erst nach Mitternacht auf. Rückblickend betrachten viele die Performance von CCR als eines der Highlights von Woodstock, die Band sah das 1969 jedoch gänzlich anders. Man lehnte etwa einen Mitschnitt und ein Video im berühmten Woodstock-Film ab, weil ihr Auftritt zu schlecht gewesen sei. Außerdem beschwerte sich John Fogerty über den langen Auftritt von Grateful Dead (5 Songs in 1,5 Stunden!) und dass dadurch die meisten Zuschauer schliefen.

  1. Born on the Bayou
  2. Green River
  3. Ninety-Nine and a Half (Won't Do)
  4. Bootleg
  5. Commotion
  6. Bad Moon Rising
  7. Proud Mary
  8. I Put a Spell on You
  9. Night Time Is the Right Time
  10. Keep on Chooglin'
  11. Susie Q

2 Uhr: Janis Joplin

"Früher waren wir nur wenige, jetzt gibt es Massen und Massen und Massen von uns", sagte Janis Joplin während ihres Auftritts zur Hippie-Bewegung. Ein Satz, der oft zitiert wurde. Ihre Performance litt jedoch unter ihrer Heroin-Abhängigkeit. Zudem trat Joplin mit einer neuen Band auf, weil sie sich mit ihren früheren Musikerkollegen von Big Brother & the Holding Company verkrachte. Obwohl die Show gut war, fehlte ihre gewohnte Explosivität und die Improvisation der Bandkollegen.

  1. Raise Your Hand
  2. As Good As You've Been to This World
  3. To Love Somebody
  4. Summertime
  5. Try (Just a Little Bit Harder)
  6. Kozmic Blues
  7. I Can't Turn You Loose
  8. Work Me, Lord
  9. Piece of My Heart
  10. Ball and Chain

3.30 Uhr: Sly & the Family Stone

In den frühen Morgenstunden folgte dann der Auftritt von Sly & the Family Stone, der als einer der besten des Festivals und Höhepunkt von Sly Stones Karriere bezeichnet wird, obwohl er im Regen stattfand.

  1. M'Lady
  2. Sing a Simple Song
  3. You Can Make It If You Try
  4. Everyday People
  5. Dance To The Music
  6. Music Lover
  7. I Want to Take You Higher
  8. Love City
  9. Stand!

5 Uhr: The Who

Um 5 Uhr am Sonntagmorgen (!) traten The Who in Woodstock auf. Die frühen Morgenstunden konnten den berühmt-berüchtigten Gitarristen Pete Townshend jedoch nicht bremsen. Während des Auftritts trat er einen Kameramann, stieß ihn danach von der Bühne und schlug einem Politaktivisten, der eine Durchsage machen wollte, seine Gitarre auf den Kopf. Townshend beendete den Auftritt mit dem rituellen Zertrümmern seiner Gitarre, die er anschließend ins Publikum warf. The Who spielte ihr berühmtes "Tommy"-Album. Das Finale fand während des Sonnenaufgangs gegen 6 Uhr statt.

  1. Heaven and Hell
  2. I Can't Explain
  3. It's a Boy
  4. 1921
  5. Amazing Journey
  6. Sparks
  7. Eyesight to the Blind
  8. Christmas
  9. The Acid Queen
  10. Pinball Wizard (followed by Abbie Hoffman incident)
  11. Do You Think It's Alright?
  12. Fiddle About
  13. There's a Doctor I've Found
  14. Go to the Mirror!
  15. Smash the Mirror
  16. I'm Free
  17. Tommy's Holiday Camp
  18. We're Not Gonna Take It
  19. Summertime Blues
  20. Shakin' All Over
  21. My Generation (shortened version)
  22. Naked Eye (instrumental finale only)

8 Uhr: Jefferon Airplane

Der zweite Festivaltag (Samstag) endete erst am Morgen des dritten (Sonntag). Durch den Regen verschob sich das Lineup mehrfach. Jefferson Airplane begannen kurz nach Sonnenaufgang zu spielen. Sängerin Grace Slick kündigte an, dass die Band ein wenig "Musik für die Morgenverrückten" spielen würde.

  1. The Other Side of This Life
  2. Somebody to Love
  3. 3/5 of a Mile in 10 Seconds
  4. Won't You Try/Saturday Afternoon
  5. Eskimo Blue Day
  6. Plastic Fantastic Lover
  7. Wooden Ships
  8. Uncle Sam Blues
  9. Volunteers
  10. The Ballad of You and Me and Pooneil
  11. Come Back Baby
  12. White Rabbit
  13. The House at Pooneil Corners
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